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| Vielseitigkeit
und Schleppjagd waren ursprünglich zwei sehr ähnliche Disziplinen.
Heute haben sich die beiden ungleichen Schwestern auseinandergelebt.
Einer, der sich in beiden Metiers auskennt – derVielseitigkeitsreiter
und -richter sowie begeisterte Jagdreiter und -veranstalter
Fritz von Blottnitz, fasst dieAnforderungen heutigen
Jagdreitens zusammen. |
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Die Vielseitigkeit hat sichverändert und das Jagdreiten ebenso. Die „Krone der Reiterei“ verzichtetheute auf zermürbende Marathon-Anforderungen und fordert genaueres Reiten ankniffligeren, oft sehr schmalen Sprüngen. Trotz diverser Sicherheitsvorkehrungen gilt die Vielseitigkeitimmer noch als die gefährlichsteder klassischen Reitsport-Disziplinen. Dem kulturvollen „Sport in Rot“dagegen fällt in Deutschlandschon lange kein Wild mehr zum Opfer, aber dafür verkommenseine Veranstaltungen oft entweder zu einem langatmigen, lauwarmen Wanderritt mit Hunden vor johlenden Zuschauern oder zu einem Gruppen-Geländeritt ,bei dem augenscheinlich in tapferer Todesverachtung nur noch Rekorde in Anzahl und Höhe derSprünge gelten. „Die Anforderungenbei einer anspruchsvollen Schleppjagd sind höher als bei einer Geländeprüfung der Klassen A oder L“, hält der erfahrene Jagdreiter Fritz von Blottnitz dagegen. „Aber wer einmal in Balance und Vollendung auf einem sicheren, kontrollierbaren Pferd direkt hinter den Pikörenan den Hunden geritten ist, der lässt von diesem Sport nicht mehr“, fasst er die Faszinationdes Sports in Rot zusammen.Was macht das Wesen des Schleppjagdreitens aus? Warum sollte man sich ohne Aussicht auf Geld- oder Ehrenpreise der Anstrengungqualitätsvollen Reitens und kenntnisreichen Aufbau-Trainings unterziehen? Weil es nicht nur ums Reiten, sondern auch um das Ambiente drumherum geht. „Jagdreiten ist auch Party zu Pferd“, bekräftigt Fritz von Blottnitz, der gerne stilvolle Feste feiert und dies mit seiner Leidenschaft, dem Jagdreiten, auf ideale Weise verbinden kann. „Hunde und der Jagdgedanke bestimmen außerdem das Wesen der Schleppjagd, auch wenn man die Hunde nicht an jeder Stelle im Jagdfeld im Blick hat.“ Fröhliches, aufgeschlossenes Miteinander mit Gleichgesinnten lockt, auch vor und gerade nach dem Ritt. „Man hat Spaß miteinander und das in einem sportlichen Umfeld.“ Sprünge sind wichtig, aber das gesamte Ambiente drumherum eben genauso. Vor zwanzig Jahren baute der Landbesitzer den ersten Schleppjagdkurs rund um das Untergut Grabow für die Meute des Hamburger Schleppjagdvereins. „Das ist ganz gut angekommen, aber ich weiß heute, dass ich auch viele Fehler gemacht habe.“ Von Blottnitz konnte seine Herkunft aus dem Vielseitigkeitslager nicht verleugnen. „Und damals war eben noch die Zeit der langen Kurse mit dicken Steilsprüngen“, erinnert er sich. „Der Aufbau von damals ist heute völlig unakzeptabel, und wenn heute bedauerlicherweise trotzdemUnfälle passieren, dann ist es jedenfalls nicht mehr die Schuld der Aufbauer“, ist sich von Blottnitz sicher.
Flüssige Streckenführung Ein fließender Ablauf auf schönen, großen Linien ist entscheidend für einen ansprechenden Schleppjagdkurs. Der Gestalter muss das Gelände „lesen“ können und im wahren Wortsinn wissen, wie der Hase (oder der Fuchs) läuft. Wie bei einemguten Geländekurs gibt auch die erste Schleppe als Auftakt dem Reiter Gefühl für sein Pferd. Er muss erkennen, was heute geht. Die letzte Schleppe bedarf immer besonderer Sorgfalt. „Die Pferde sind müde und die Reiter oft zu aufgeputscht und ehrgeizig, umjetzt noch in ein hinteres Feld zu wechseln.“ Heikler Boden istmit besonderer Vorsicht zu bereiten. Ein Alternativplan für Wetterkapriolen ist empfehlenswert. „Wir reiten in natürlichem Umfeld, nicht nur auf geraden Wegen, aber es soll kein Pferd zu Schaden kommen. Tiefer Boden ist die Pest!“, warnt von Blottnitz. Gelände-Versprünge darf man ausnutzen, sogar Tiefsprünge sind erlaubt. Aber es muss Platz zum Landen sein – und auch zum Fallen. „In hohem Tempo fliegtman weit“, erklärt der Experte ganz gelassen.
Je breiter, desto besser In der Vielseitigkeit werden die Sprünge immer schmaler, aber ein gutes Jagdhindernis ist immer noch so breit wie möglich, damit auch mehrere Reiter nebeneinander springen können. Acht oder sogar zwölf Meter sind herrlich. Ein echtes hohes Gatter findet man nicht mehr in der Vielseitigkeit, und auf einer Jagdstrecke ist es erst recht fehl am Platz. Eine gute, deutliche Grundlinie ist das Entscheidende für ein pferdegerechtes Hindernis. „Mindestens drei Viertel der Höhe vorziehen“, lautet der „Satz des Phytagoras“ für Aufbauer im Gelände. Bei einem Hindernis von einemMeter Höhe muss die möglichst dicke Vorlegestange alsomindestens 75 Zentimeter vor dem Hindernis liegen, umauch in hohemTempo der Jagd eine gefällige und sichere Flugkurve vorzugeben. Ein gutes Hindernis ist massiv und „in Flugrichtung“ geneigt. Üppiges Stopfenmit Grün ist eine Möglichkeit des Aufhübschens und umschwächelnde Konstruktionen voller und imposanter zu machen. Dabei darf das Grün nicht die Umrisse des Hindernisses verstecken. Ein gutes Jagdpferd weiß, dass es durch Grün auch „wischen“ kann, und dieses Vertrauen darf nie aus Unverstand oder Arglist getäuscht werden. Besondere Sorgfalt verlangen Hindernisse auf einer Bergab-Strecke. „Hier passieren 25 Prozent aller Unfälle.“ Höchstens dreieckige Busch-Hürden sollten es in solchem Gelände sein, bergauf nur gestaffelte Oxer oder eine Triple- Barre.
Kostenfaktor Hindernisbau Massive, breite Hindernisse, die auch nicht jedes Jahr wieder neu gemacht werden sollen – daraus ergibt sich schon, dass eine gute Jagdstrecke auch nicht umsonst zu bauen ist. Dazu von Blottnitz: „Birkenholz ist optisch am schönsten, hat aber die kürzeste Lebensdauer. So ein Sprung hält meistens nicht länger als drei Jahre. Etwas dauerhafter ist Pappel, dieman dazu noch oft günstig bekommen kann, weil viele Waldbesitzer sie loswerden wollen. Am dauerhaftesten, aber auch am schwersten und teuersten ist Eiche.“ Wer keinen Eichenwald sein eigen nennt sondern zu Marktpreisen an der Holzbörse kaufen muss, der darf einen guten Eichensprung nicht unter 300 Euro ansetzen. Großes Gerät für Bohrungen und Aufbau und die Arbeitstunden der Helfer sind dabei nicht eingerechnet. Nadelholz ist einDrittel preiswerter. „Lieber weniger, aber gute Sprünge“, sagt der rechnende Kaufmann, der eine Streckemit Zukunft schaffen will.
Das Jagdpferd „Ein gutes Jagdpferd kann man nicht fertig kaufen, das muss man sich machen“, weiß Fritz von Blottnitz, der nur in Ausnahmefällen auf einem nicht selbst gezogenen Pferd zu sehen ist. Kultivierte Kontrolle ist entscheidend, mehr zum Wohl der Mitreiter als zum Nutzen des eigenen Pferdes, das seinen Absprung selbst finden muss. Die Ausbildung lehnt sich an die Vielseitigkeit an und beginnt so früh wie möglich. Schon Fohlen gehen manchmal hinter der Stute durch einen Graben, Dreijährige werden im hinteren Feld mit Jagdatmosphäre vertraut gemacht. Geübt wird in ruhigem Tempo von bis zu 350 Metern pro Minute, das sich im Jagdfeld auf 500 steigern wird. Geduld und Gewöhnung sind zwei ganz wichtige Elemente auf dem Weg zum Jagdpferd. Das derzeitige Jagdpferd von v. Blottnitz, das anfangs stark pullte, wurde zum Beispiel am Kennel aufgestallt und „wachte da schon mit den Hunden auf “. Auf ländlichen Turnieren lernte es ein Umfeld aus vielen anderen Pferden, Zuschauern, Fahnen und Musik kennen und wurde durch die vielen Erfahrungen ruhiger. „Die meisten Pferde pullen aus einem Gefühl der Überforderung heraus“, glaubt von Blottnitz. Das muss der einfühlsame Jagdreiter seinem Pferd nehmen, wenn er weiter Freude an seinem Sport haben will. „Nur mit einem kultivierten Pferd ist Jagdreiten ein großartiges Erlebnis.“
Jagdreiter werden Für Reiter, die Vertrauen in die Fähigkeit ihres Pferdes entwickeln müssen, ist das Jagdreiten Kopfsache. „Bedingungslos dem Tempo der Hunde zu folgen ist eine gewaltige mentale Umstellung.“ Das lernt man nicht in der Reithalle und auch nicht nur im Springparcours. „Probleme mit festen Hindernissen haben Reiter im Kopf, nicht die Pferde in ihren Füßen“, sagt von Blottnitz. Die letzten drei Galoppsprünge gehören dem Pferd, der Reiter gibt ihm über seinen Sitz Balance und Unterstützung. Halbe Distanzen auszugleichen lernen Springpferde schnell und lieber nach vorn. Das im Parcours übliche Zurücknehmen stört nicht nur das Pferd, sondern auch alle Nachfolgenden, die schnell eine Stauentwicklung wie auf der Autobahn durchmachen. Ohne die Leistungsprüfungsordnung der Turnierreiter im Rücken geht es im unreglementierten Jagdsport um selbstkritisch erfühlte Leistungsklassen. Im ersten Feld einer anspruchsvollen Jagd reiten „nur die, die es auch bringen“. Das müssen nicht immer die gleichen sein. Tagesform und Trainingszustand entscheiden. Gern akzeptierter Kompromiss ist auch ein bei von Blottnitz so genanntes „halbspringendes“ Feld, bei dem ein besonnener Feldführer nur Hindernisse anreitet, die auch von unerfahrenen Reitern und Pferden zu meistern sind. Auch eine Kleingruppe von Vielseitigkeitsreitern kann nach Absprache mit dem Jagdherrn hinter demersten Feld zusammengestellt werden. „Das Galoppieren im Pulk steigert die Motivation und denMut junger Pferde und an gut gebauten Jagd- Hindernissen kann auch ein Vielseitigkeitspferd etwas lernen.“ Im zweiten Feld wird grundsätzlich nicht gesprungen. „Das ist eine grobe Unhöflichkeit gegenüber den Mitreitern.“ Reiter imdritten Feld erleben einen Spazierritt in erhöhtem Tempo, der Freude am gesellschaftlichen Teil tut das keinen Abbruch.
Petra Schlemm-Poellein
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HIER NUN EINIGE BEISPIELE:
Schlechte Jagdhindernisse ! |
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![]() Zu steil fürs Gelände Diese Baumstämme sind unvorteilhaft aufeinander gelegt. |
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![]() Keine Flugkurve lässt dieser Sprung zu. Die untere Stange muss außerdem weiter vorne liegen und dicker sein. |
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![]() Gut gemeint, schlecht gelöst Grün darf das Hindernis nicht verdecken. Die obere Linie muss sichtbar bleiben. |
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![]() Gefährlich: Das Hindernis fällt nach hinten ab. Die losen Teile müssen unbedingt befestigt werden, damit bei einem Anschlag keine Stücke mitfliegen und nachfolgende Reiter gefährden können. |
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![]() Gutes Vielseitigkeitshindernis Für die Jagd dagegen zu schmal und ohne Einpassung in die Umgebung. |
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![]() Für den Busch okay, auch wenn die Seiten ausgefranst sind. Für die Jagd zu schmal und ohne Bezug zur Landschaft. |
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![]() Katastrophe: Der Sprung kommt dem Reiter zu sehr entgegen. Der Bogen ist okay, muss aber freundlicher werden durch eine bessere Grundlinie. Andere Möglichkeit: Den Bogen mehr nach hinten kippen – in der Praxis nicht ganz leicht zu lösen, weil das Anforderungen an die Balance stellt. Sprung müsste durch Grün geschlossener werden. |
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Gute Jagdhindernisse ! |
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![]() In die Natur gesetzt – nur die Grundlinie des Sprunges dürfte noch deutlicher sein. |
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![]() Beidseitig nutzbar und toll ins Gelände eingebaut. Eine sinnvolle Anschaffung für eine gute Strecke. |
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![]() Breit und einladend, für mehrere Pferde nebeneinander. Der Waldweg ist voll genutzt. Gratulation den Jagdherren, die solch einen Sprung stehen lassen dürfen. |
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![]() Wunderschöner bemooster Jagdsprung – Bei so einem Stamm ist keine Grundlinie nötig. Selbst Aufsetzen wäre hier möglich. |
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![]() Heiß begehrtes Bauteil bei Jagdreitern: Die Gabel. Sie ist noch dazu sehr preiswert, als Nutzholz ist sie unbrauchbar. Die Buschfüllung macht den Sprung außerdem optisch voller. |
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![]() Gutes Jagdhindernis: Einladend, gute Neigung, Grün zum Durchwischen und Platz für vier Pferde. |
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![]() Harmonisch ins Gelände eingefügt. Damit auch ein älteres Hindernis nicht wie ein „Gerümpelhaufen“ wirkt, kann man es vor der Jagd mit der Motorsäge oben „auffrischen“. Moos ist oft zu glitschig für die Hunde, die an einem solchen Hindernis aufsetzen. |
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![]() Malerisch für den Busch – als Jagdsprung dagegen ungeeignet, weil es sich nicht in die Landschaft einfügt. |
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