So schön, mal alle wiederzusehen! Das müssen sich viele gedacht haben, denn beim Stelldichein in Hermannsburg wurden 56 Pferde gezählt, die hinter der Cappenberger Meute in der Misselhorner Heide zum Aufgalopp in das Jahr 2022 antraten. Sie kamen aus vielen Regionen Deutschlands, selbst der Schleppjagdverein von Bayern war vertreten durch Sonja aus Pfaffenhofen.
Der Jagdherr Harald Mayer begrüßte die Gäste allerdings zu Fuß, nachdem er im vorigen Herbst seinen Oldie Luitprand aus dem Jagdfeld verabschiedet hatte. Zwei Nachfolger stehen in den Startlöchern, brauchen aber noch ein bißchen Zeit zur Eingewöhnung. „Der Januar war ziemlich teuer – und da ist das Geburtstagsgeschenk für meine Frau noch nicht eingerechnet“, verriet Mayer beim Stelldichein am Schafstall des Misselhorner Hof. Das Vogelsberger Leitungsteam aus Master Hansi Nimrichter und Huntsman Nathalie Wiederspahn hatte ebenfalls die Pferde noch zu Hause gelassen mangels Training. „Bei uns ist noch Winter.“
In der Heide hatten sich die Winterstürme verzogen, nur noch die zahlreichen umgewehten großen Nadelbäume kündeten von ihrer Wucht in den vorangegangenen Tagen. Weil der Wind noch keine ganze Arbeit in Sachen Abtrocknung geleistet hatte wurden die Hunde zunächst vom Hof per Meutewagen an den Start zur ersten Schleppe gefahren. Die Reiter, ordentlich zu zweit, marschierten auf der Straße an. Dann wurde eher verhalten und zum Teil zu den Hunden, neben den Sprüngen geritten. Dickbauchige weiße Wolken waren an den strahlendblauen Himmel getupft und wem dieser Rahmen noch nicht reichte, der konnte sich an der Musik der Rallye Trompes de la Bruyère erfreuen.
Nach der ersten Schleppe fiel die Meuteführung an die Equipage um Irmi Sievers weil der Schimmel von Huntsman Bernd Funke sich vertreten hatte und leicht lahmend den Schauplatz verließ. Die Reiter hinter Burchhard Schlüter (Warendorfer Jagdreiter) im ersten und Annika Deckena im zweiten Feld merkten davon wenig – ein Zeichen für erfolgreiche Appellarbeit über den Winter und natürlich für Erfahrung des gesamten Teams. Die unterstrich Funke beim Schüsseltreiben mit ganz großer Geste. Er trug „seinen“ Ladies, Irmgard Sievers, Annika Deckena und Sandra Jansen den roten Rock an. „Wäre doch schön, wenn unsere Vereinsfarben auch in der Equipage leuchten“, fand er. Wie stark das Damen-Trio sich bei der Alltagsarbeit mit der Meute einbringt lässt sich schon an ihren Anfahrtswegen ablesen: aus Börger, Remscheid und Leer in Ostfriesland, bis zum Kennel in Selm im Kreis Unna/Westfalen und wieder zurück.
Dass das Jagdreiten beileibe kein Sport ausschließlich für ältere Herrschaften ist, zeigte der Jagdredner. Jochen Koot lobte in wohlgesetzten Worten den übersichtlichen Verlauf der Jagd. „Kein Chaos“. Für den jungen Holländer, der im Emsland lebt, war der Tag besonders, nicht nur, weil er an dem Tag Geburtstag feierte – 17 Jahre – sondern auch weil sein junges Pferd Jagdpremiere hatte. Der fünfjährige Fuchs, selbst gezogen und selbst angeritten, hat bestanden. „So ein Jagdwochenende wie hier, das bietet sich an für ein junges Pferd“, befand Koot sachverständig und war überglücklich, sich da auch nicht getäuscht zu haben.
Text und Bilder: PS