Regenwahrscheinlichkeit 97 Prozent – jeder Zocker würde bei einer Gewinnchance von nur drei Prozent zu Hause bleiben. Nicht so Jagdreiter, die die 33. Große Herbstjagd des Reiterhof Roth-Kiliansdorf hinter den „Flitzebeagles der Vogelsbergmeute“ lockt.

Stelldichein im schön hergerichteten Jagdstall der Familie Kratzer, bei bester Versorgung mit Sekt, heimischem Bier und Weizen, selbst gebackenen Leckereien und belegten Broten. Hausherr Markus Kratzer schaut besorgt auf die kleine Schar Reiter. Beim Abritt sind es doch 25, von den ursprünglich 36 gemeldeten Reitern geworden, darunter Benno Fischer, der auf den Tag genau, vor 60 Jahren seine erste Schleppjagd in Roth-Kiliansdorf mit der Cappenberger Meute ritt.

Im Graupelregen geht es aus dem Reiterhof Roth-Kiliansdorf, im kurzen Waldstück die Hunde noch bei Fuß im Schritt. Sie fiebern bis Master Natalie Wiederspahn sie auf die erste Fährte lässt. Mit hellem Geläut preschen sie los. Auf dem Wiesenweg peitscht uns der Regen ins Gesicht. Eine scharfe Kurve nach links, hoffentlich rutschen wir nicht, der Boden aber nahezu perfekt. Die Sandböden haben das Wasser dringend gebraucht, die erste Schleppe ist geschafft und die Bodenverhältnisse hätten fast nicht besser sein können.

Die Reiter sind außer Atem und jetzt schon pitschnass, die Pferde hell wach. Die Schleppenleger Larissa Heumann, Jörg Meiler und Florian Gindert machen sich auf die zweite Schleppe. Die Hunde sehen sie nicht und folgen freudig und spurlaut der Schleppe. Der Boden ist griffig und die Pferde fliegen über den nächsten Sprung den Hunden hinterher. Die Pferde dampfen, überall freudiges Gemurmel, famose Stimmung. Friert hier noch einer? Die Gesichter der Reiter strahlen statt der Sonne, die Pferde schnauben, alles dampft. Nach weiteren drei langen Waldschleppen, sind wir am Stopp. Nach kurzer Zeit machte sich das gesamte Feld, geführt von Patricia Florack, Andrea Walther, Reiner Herbst und „Wüstenfuchs“ Manfred Heinz, auf die vier langen Schleppen, über Boden wie gewachsen und Waldschleppen, auf den Rückweg. Als Schlusspikör unterstützte Johanna Atzler und Sabrina Hilpert.

Nach tollen drei Stunden, mit lachenden Gesichtern und bester Laune, kamen die Jagdreiter an der letzten Schleppe auf der „Hoy“ an. Die letzten vier Sprünge, darunter eine Steinmauer, machten die letzten Stunden perfekt!

Ein kurzes „Halali“, danach ging es direkt zurück zum Jagdstall. So langsam wurden die Hände auch schrumpelig und man freute sich auf das Curée für die Hunde und natürlich auch auf das lecker Gegrillte mit Kartoffelsalat für die Reiter.

„Nach Roth- Kiliansdorf komme ich immer gerne zurück, denn seit vielen Jahren bin ich mit dieser Umgebung verbunden, ich lächle immer wieder, wenn ich hier reiten darf und die schönen Erinnerungen reißen zum Glück nicht ab“. Tolle Stimmung, super schnelle und ausdauernde Hunde und Pferde, die diese Herbstjagd wieder zu einer Herzschlagjagd werden ließen. Dankeschön an die Meute in meiner neuen Heimat, der Vogelsberg Meute, alle Reiter und ihren Familien sowie den Helfern und den Landwirten. Nur so kann ein solcher Tag zu einem unvergesslichen Ereignis werden!

Fazit: Wieder einer jener Tage, an denen man sich morgens beim Blick in den Himmel fragt, ob man wirklich das Pferd verladen will und am Abend froh ist, es getan zu haben. Es war wieder ein Tag voller Überraschungen, mein Pferd Foxi lief so nah wie noch nie an den Hunden und Florian legte überraschend mit seiner Cody nochmal im vollem Tempo die Schleppe. Nass aber glücklich waren wir beide am Ende, einfach nur glücklich und den Tränen nahe… wie schön ist es Zuhause! Die Stiefelparty mit guten Freunden war das i-Tüpfelchen des Tages, wir werden uns noch lange daran zurück erinnern!
Text: Larissa Heumann und Bilder: Doris Frank Schneider und Heike Schrader