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"Jagd ohne Hund ist Schund"

Schwarzenstein und seine Möglichkeiten kennen alle Meutehalter von der Junghundeschau. Bei der Jahrestagung der Deutschen Schleppjagdvereinigung hatten jetzt alle Jagdreiter Zutritt zu diesem „Paradies auf Erden“. Christian Coenen als Master des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdvereins und seine Equipage haben ein Treffen vom Feinsten ausgerichtet. Information und Entertainment in ausgewogenem Verhältnis und das alles als Begegnung unter Freunden. 

„Jagd ohne Hund ist Schund.“ Wenn das schon die Jäger sagen, dann sind Schleppjagdreiter ohne Hunde erst recht aufgeschmissen. Die Jahrestagung der Deutschen Schleppjagdvereinigung beim RWS in Drevenack stand deshalb ganz im Zeichen der Caniden, die sowieso aller Reiter zweitliebstes Tier sind.



Pfeilschnell, wie an einer Schnur gezogen und vor allem sehr, sehr laut hetzen die 60 Foxhounds der RWS-Meute wie festgesaugt auf der künstlichen Schleppe. Sie stürmen auf die Halali-Wiese am Haus Schwarzenstein, wo der RWS seit Jahrzehnten wie auf einer Insel der Seligen residiert. Die perfekte Schauschleppe ist krönender Abschluss einer Hundearbeit, wie sie beim RWS fast täglich abläuft. Höchstens ohne grüne Röcke der Reiter und ohne die stylischen Mähnenzöpfe der Pferde, aber immer genauso ruhig, selbstverständlich diszipliniert und „offen für alle“, sprich Fremdhunde aller Größen. Was der Jack Russell-Dame Lilly an Beinlänge fehlt, das machte sie mit Stimme wett. „Wir müssen sparen“, erklärte die Equipage ihr Mini-Jagdhund-Modell.

Und den Ponyreiter auf dem Schimmel kennen alle Schwarzenstein-Besucher seit er laufen kann, bislang aber eher zu Fuß mit der Hetzpeitsche an den Hunden. Jetzt ist Florian 13 geworden und trägt des Vaters Stiefel auf. „Bei Schuhgröße 44 ist er schon. Damit bin ich raus jetzt“, verriet Christian Coenen mit einem gewissen Stolz.



Ausgiebig blickten die Jagdreiter und Meutehalter dann „über den Tellerrand“ und beobachteten fasziniert, was ein Hund allein so alles kann. Nur Meutehunde arbeiten im Team, alle anderen sind Einzelkämpfer. Der RWS-Huntsman Heiko Burchard und sein Deutsch Drahthaar Atze zeigen, was bei einer Bringtreue-Prüfung im Jagdgebrauchshundeverband verlangt wird: Der Hund muss selbständig ein Waldstück absuchen und ein 30 Minuten zuvor abgelegtes „Apportel“ zu seinem Führer bringen und abgeben. Macht Atze natürlich souverän! Genauso wie sein Wurfbruder Asco auf der Kaninchenschleppe läuft, die Burchard anschließend für den Hund des Züchters Rüdiger Schmeink in den Lippewiesen legt.

Schmeink kennt die Meutehalter aus dem Ring der Junghundeschau. Klaus von Menges und seine Alpenländer Dachsbracke Queen arbeiten eine 24 Stunden alte Fährte aus, und richtig „dramatisch“ wird es beim Einblick in die Arbeit der Rettungshundestaffel aus Hünxe. „Such und Hilf“ ist das Kommando, und dann  retten die Hunde in Windeseile sowohl Clara und Julius als „Hänsel und Gretel“ aus dem Wald als auch „Verschüttete“ in der Scheune.



Ob sie apportieren, vorstehen, eine alte Fährte aufspüren oder Menschen retten, alle Hunde sind verbunden mit ihren Führern über einen „unsichtbaren Faden“ und werden über positive Bestärkung für ihre spezielle Aufgabe ausgebildet. Und alle sind laut. Bei Drückjagden ist der genetisch bedingte Spurlaut verpflichtend. „Auch wenn Meutehunde kein lebendes Wild jagen so ist der Laut auch bei Schleppjagden wichtig, für Reiter und Zuschauer und für Wild in der Nähe als Warnung“, betonte Dr. Michael Weiler. „Deutlich und klar“, will der Zuchtreferent Chris Gabrielse den Spurlaut hören, denn „unsere sportliche Schleppjagd ist vergleichbar mit der Drückjagd.“ Wie man den Spurlaut und andere erwünschte Eigenschaften als Züchter herbeizaubert, das war später dann auch Thema für den  Hunde-Experten und Fachbuchautor Bernd Krewer, der die Schleppjagdvereinigung mit seinem Fachwissen seit Jahren begleitet.



Beinahe hätten NRW-Politiker im vorigen Jahr mit ihrem neuen Landesnaturschutzgesetz der Schleppjagd die Lichter ausgeblasen. In letzter Minute und mit vereinten Kräften wurde das beabsichtigte Verbot des Reitens mit Hunden im Wald seinerzeit wieder abgewendet. „Das war sehr viel Arbeit, aber wir haben nur positive Resonanz erhalten“, erläuterte der DSJV-Vorsitzende Egbert v.Schultzendorff, der zuhause in Dorfmark die Niedersachsen-Meute führt und allein 100 Lobby-Gruppen angeschrieben hat. Trotzdem: Dieser Schock wirkt noch nach. Es wurde seit Jahren darüber geredet, aber jetzt ist es erneut offiziell bestätigt: Einstimmig beschlossen die Meutehalter ihre Verbindung zum Jagdgebrauchshundeverband zu stärken, und sie wollen auch unter den Schirm des VDH als Dachverband der Hundezüchter gelangen. „Wir sehen die Situation der Meutehaltung mit Schwierigkeiten in der Zukunft, und da ist es nur sinnvoll, dass wir uns mit der Kraft aus der Hundelobby absichern“, betonte der DSJV-Vorsitzende in der Mitgliederversammlung. Schon im internen Mastergespräch am Samstag war diese Beschlussfassung abzusehen.  

Ein entscheidendes Bauteil auf dem steinigen Weg durch die Instanzen ist die Eignungsprüfung für Meutehunde, der sich die Meutehalter seit 2012 in Selbstverpflichtung unterziehen. „Ohne dieses Argument wäre alles noch sehr viel komplizierter gewesen.“ Diese Formalität müsse weiterhin und jetzt erst recht Chefsache sein, „der Führerschein und unser Kfz-Brief“, bezeichnete es Dr.Harald Mayer (Schleppjagdverein von Bayern), der sich mit Holger Kirchmann, Pikör bei der Beagle-Meute Münsterland, in dem „Parforceritt durch die Instanzen“ ganz besonders gegen das Hundeverbot engagiert hatte. Für Carola Schiller vom "Aktionsbünsdnis Pro Pferd" gab es Blumen als Dank für ihren Einsatz im Düsseldorfer Landtag.



Das nächste „schwere Hindernis“ auf dem Weg in die Zukunft der Schleppjagd hinter Hunden heißt Zentrales Zuchtbuch. Das ist eine Basis-Anforderung des VDH, und um die Realisierung kümmern sich weiter die beiden Tierärzte Dr. Michael Weiler (Vogelsberg-Meute) und Chris Gabrielse (RWS) als Referenten für Hunting und Zucht.



Die „Pferde“ werden in der DSJV nicht gewechselt für die nächste Etappe. Der komplette Vorstand der Fachgruppe Jagdreiten im DRFV stellte sich wieder zur Wahl und wurde einstimmig bestätigt. Mit besonderem Applaus bedachten die Jagdreiter ihren alten und neuen zweiten Vorsitzenden Toni Wiedemann. Der Master des Schleppjagdvereins von Bayern saß eineinhalb Jahre nach seinem schweren Reitunfall wieder am Podium, im Rollstuhl jetzt, aber bereit für seine Aufgaben. Die Reise zur Jahrestagung – das erste Mal wieder „weg von zu Hause schlafen“ - ist seine nächste „lange Schleppe“ gewesen auf dem Weg zurück ins Leben. „Er ist ein Vorbild für uns alle“, fasste sein Freund und SvB-Mitstreiter Robert Guggenberger laut zusammen, was alle anderen sich gedacht haben mögen.


Text und Fotos: Petra Schlemm