Geht uns nichts an – das möchte man gerne sagen nach dem ersten Blick auf die Studie des Marktforschers Dr. Werner Beutelmeyer, die der Jagdgebrauchshundeverband (JGHV) jetzt vorgelegt hat. Geht uns aber leider doch was an, denn was die Jäger hier beschäftigt, das lässt sich auch auf die Schleppjagd übertragen. Und demnach sieht es schlecht aus für unseren Sport.

Hier sind Auszüge aus der Studie zu Gegenwart und Zukunft der Jagd.
„Die jagdlichen Verhältnisse in Deutschland unterliegen ständigen Veränderungen. Im Bereich der Landwirtschaft kam es im letzten Jahrzehnt zu deutlichen Vergrößerungen bei den Bewirtschaftungseinheiten. Verstärkte Massentierhaltung und die wachsende Zahl der Biogasanlagen förderten den großflächigen Maisanbau und nahmen, bzw. nehmen damit direkten Einfluss auf die Biodiversität. Der flächige Pestizideinsatz entzieht Rebhuhn- und Fasanenküken die Lebensgrundlage. Das Niederwild hat in großen Bereichen der Republik so stark abgenommen, dass eine verantwortungsvolle Bejagung nicht mehr möglich ist. Riesige Maisschläge bedingen eine Explosion bei den Schwarzwildbeständen. Sie haben ein Nahrungsüberangebot und dadurch eine hohe Vermehrungsrate. Allein mit der Einzeljagd ist ihr Bestand nicht mehr zu regulieren.“
Was heißt das für die Schleppjagd? Maisanbau verändert nachhaltig unser bereitbares Gelände. Auch zeitlich werden durch veränderte Erntetermine Anpassungen verlangt.
„In der Forstwirtschaft haben wir seit den großen Stürmen Wiebke, Vivian, Lothar, usw. eine umgekehrte Entwicklung, aber für die Jagd mit ähnlichen Auswirkungen. Die Abkehr vom Altersklassenwald und die Schaffung von naturnahen, gestuften und gemischten Beständen führten zu einer deutlichen Vermehrung des Schalenwildes. Auch hier ist eine jagdliche Bewirtschaftung mit der Einzeljagd nicht mehr möglich.
Was heißt das für die Schleppjagd? Wildsauberkeit der Meuten bleibt eine zwingende Notwendigkeit und wird noch wichtiger.
Nach der umfassenden Studie von Prof. Dr. Beutelmeyer haben sich aber nicht nur die jagdlichen Verhältnisse geändert. Auch die Jäger haben sich geändert. Parallelen zu Jagdreitern sind erkennbar. Sehen heute noch 58% der Jäger die Jagd als Freizeitaufgabe und 42% als Lebensaufgabe an, so verändert sich dies im Jahr 2030 schon in 64+ zu 36%. Bei den Jägern im Alter 20-29 Jahre ist das Verhältnis schon 75 zu 25%. Der Einsatz von Jagdhunden, der heute von noch von 39% der Jäger noch als wichtig eingestuft wird, reduziert sich bis zum Jahre 2030 auf 29%.
Weitere Ergebnisse der Studie:
1. Die Wertschätzung der Natur nimmt deutlich zu. Gleichzeitig nehmen das Naturverständnis und die Naturerfahrung ab.
2. Die Natur-Egoisten werden mehr. Die einzelnen Nutzer-Zielgruppen reklamieren die Natur für sich.
3. Den Jägern gelingt es zunehmend weniger, glaubwürdig Naturkompetenz zu vermitteln.
4. Die Jäger können das „Warum“ der Jagd nicht ausreichend erklären.
5. Die Ablehnung der Jagd nimmt in der Gesellschaft deutlich zu.
6. Die Jagd verliert an Professionalität. Sie wird vermehrt nur Freizeitbeschäftigung mit Netzwerknutzen.
7. Das Jagdwissen und die Praxiserfahrungen nehmen dramatisch ab. Die Jagdkultur erlebt massive Erosion.
8. Das Führen von Jagdhunden tut sich der Jäger 2030 kaum mehr an.
9. Es kommt zu Liberalisierung verschiedener, derzeit noch als illegal geltender Jagdmittel. Dazu zählen vor allem die Verwendung von Nachtsichtgeräten, Scheinwerfern, die Jagd zur Nachtzeit auf Hochwild sowie der verstärkte Einsatz von Kirrungen um zu raschem Jagderfolg zu kommen.
10. Das Ansehen der Jagd wird 2030 massiv in Schieflage geraten.
„Der JGHV muss sich diesen Veränderungen stellen und sich für die Zukunft entsprechend positionieren“, fordert Josef Rieken, Vorsitzender des Deutschen Brackenvereins aus Bad Neustadt. Im Rahmen der jüngsten Präsidiumssitzung des JGHV wurde die Installation einer Arbeitsgruppe beschlossen, der sich mit diesem Themenkreis befasst und dem Präsidium Vorschläge für eine neue Ausrichtung ihrer Leitlinien erarbeitet.
Text: Josef Rieken und PS Fotos: Archiv