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Safety Seat - erklärt in Theorie und Praxis

Bügel ein bisschen kürzer schnallen, Popo in die Höhe und schon reite ich im leichten Sitz. Ja denkste! Warum wobbele ich hier so herum, warum fühle ich mich unsicher und mein Pferd „eiert“ unter mir so schlabberig und unkontrolliert? Das kann Gerhard Boßelmann erklären. Sein Vortrag in Theorie und Praxis über den sicheren Sitz beim Springen im Gelände eröffnet ganz neue Sichtweisen.

Neue Sichtweisen? Mitnichten. Das ist die erste Erkenntnis aus dem Lehrgang in Verden, für den Anja Cohrs-Schultz den Inhaber des Trainer B-Scheins „Jagdreiten“ gewonnen hat. Dr. Gerhard Boßelmann führte es eindringlich vor in Theorie und Praxis auf dem Geländeplatz Auf der Bült am Stadtwald und abends in seinem sehr sehenswerten Lichtbilder-Vortrag im Hotel „Höltje“. Lehrreich und unterhaltsam zugleich machte er deutlich: Nichts ist neu am klassischen leichten Sitz, der Sicherheit gibt. Die Offiziere der Kavallerieschule Hannover, sie saßen stilistisch hervorragend und sicher in jeder Situation auf ihrem Pferd – und genauso zeigen es heute Michael Jung, Ingrid Klimke und alle anderen, die im Gelände auf „Bundesliga-Niveau“ unterwegs sind. Die graue Uniform und die Schirmmütze wegdenken und schon sitzen sie alle identisch im Sattel. „Richtig reiten reicht“, hat Reitmeister Paul Stecken immer gesagt, und Boßelmann zeigt den Kurs-Teilnehmern die Tricks auf dem Weg zum richtigen leichten Sitz, so wie er schon seit den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts für sicher und gut befunden wurde.


 
Eigentlich ist es nur Physik. „Als Fußgänger haben die Menschen ja auch irgendwann kapiert, dass sie umfallen, wenn sie nicht im Gleichgewicht über dem Schwerpunkt sind. Nur beim Reiten vergessen sie das schnell wieder“, kommentiert der ständige Reitlehrer des Verdener Schleppjagdreitverein, Dirk Stolfa als Beobachter aus dem „Off“. Physik also: Ein Körper braucht ein Fundament, um im Gleichgewicht und über dem Schwerpunkt des Pferdes zu bleiben. Deshalb Bügel kurz, richtig kurz – „beim Schrittreiten muss es unbequem sein,“ sagt Boßelmann – und ein Muskelkater wird sich zunächst wohl auch leider nicht vermeiden lassen. Dann den Fuß bis zum Anschlag durchstecken, „richtig durchtreten“ und den Unterschenkel am Gurt lassen. Der Po geht nicht nach oben sondern eher nach hinten, bleibt weitgehend  am Sattel – Voraussetzung für einen ruhigen und störungsfreien Galopp ist ein Sattel mit flachem Sitz. „Jeder Stoß an den Sattelkranz meldet dem Pferd: vorwärts!“, sagt Boßelmann. Leuchtet ein, oder?



Die Unterschenkel lotrecht zum Erdboden – das ist der eine Teil des sicheren Fundaments. Den anderen bilden die Hände, die etwa mittig am Pferdehals mit einer Zügelbrücke den Hals einrahmen. Der Puls etwa eine Handbreit unter dem Mähnenkamm und die Ellenbogen eher nach innen vor dem Oberkörper zusammengedrückt als henkelförmig nach außen abgestellt. Fertig! So kann man auch lange Schleppen auf einem eher heftigen Pferd Kräfte sparend überstehen.
Fehlt noch der Kopf. Blickrichtung immer weit nach vorne, über den Sprung hinaus. Das dient nicht nur einer sicheren Lage-Beurteilung. Was macht der Vordermann – das ist beim Jagdreiten oft kritischer als das, was man selber vorhat. Wer die Augen nach unten richtet – gar in den Graben vor ihm – der neigt auch den Kopf, und bei einem Rumpler folgt ein Körper dem Kopf. Ist auch Physik – und Runterkommen will man ja nicht.

Ob man es „Safety Seat“ nennt oder Kavallerieschule oder Chris „Goldmedaillen-Macher“ Bartle, davon allein kann man dann noch nicht so reiten wie Jung und Klimke und Co. Aber es sieht schon annähernd so gut aus - und es fühlt sich vor allem sicher an. Probieren Sie es mal!  
Text und Bilder: Petra Schlemm und Archiv Schleppjagd24. Viele aktuelle Bilder vom Lehrgang in Verden finden sich auch bei Ingo Wächter Images auf Facebook.