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Johanni-Jagd zweisprachig in Freundschaft

Über deutsch-amerikanische Freundschaft wird derzeit viel gesprochen. In der Politik schwingt dann aktuell oft ein zweifelnder Unterton mit. Ganz anders, wenn Jagdreiter, Pferde und Hunde dabei sind. Die Frankenmeute hat die deutsch-amerikanische Freundschaft bei der Johanni-Schleppjagd positiv belebt. Ganz ohne viele Worte.

Die Familie Schwarz vom Reiterhof Altmühlsee hatte eingeladen zu einer sommerlichen Schleppjagd mit dem Schleppjagdverein Frankenmeute und internationalem Flair. Rund um Matthias Schwarz als Jagdherrn versammelten sich nicht nur die fränkischen und bayrischen Schleppjagdreiter der Frankenmeute und des Schleppjagdvereins Bayern. Mit Pferden des Reiterhofs Altmühltal nahmen  an dieser Jagd auch zehn Reiter aus den Vereinigten Staaten von Amerika teil, alles Freunde der Familie Schwarz. Schon bei der Begrüßung und dem anschließenden Kaffee wurde zweisprachig englisch/ deutsch gesprochen. Man merkte schnell, das wird nicht die übliche Stimmung der „reiterlichen Traditionspflege“, hier besticht internationales Flair und sportliche Herausforderung der Schleppjagd. Denn die amerikanischen Gäste erlebten diese Sparte des Reitsports in Deutschland zum ersten Mal. Das damit verbundene erwartungsvolle Kribbeln war auch für die alten Hasen ansteckend.


Zuerst war zwar wegen der Temperaturen Marscherleichterung angesagt, aber das Jagdfeld entschied: wenn Jagd, dann anständig in vollständiger Jagdkleidung und erschien genau so beim Stelldichein. Also legte auch die Equipage ihr Tenue an und der Jagdherr begrüßte gemeinsam mit dem Präsident der Frankenmeute, Dr. Armin Kirchdorfer die Reiter in korrekter Jagdkleidung. So mancher Reiter erfuhr durch eindrückliches persönliches Erleben einen weiteren Nutzen des Tragens von Plastrons im Sommer. Richtig angelegt verhindert es, dass der Schweiß aus dem Gesicht die Brust herunter läuft und vermeidet so Verkühlungen, die dann durch den Fahrtwind im frischen Galopp die Folge wären. Tradition hat eben manchmal auch Sinn – oder so….
Nach der zweisprachigen Begrüßung führte die Equipage aus Lisa Klein, Christine Wägelein und Benno Fischer mit Rainer Herbst als Schleppenleger die Beagles der Frankenmeute auf die Strecke. Als Master of Hounds fungierte Dr. Armin Kirchdorfer.


Die wunderschöne Strecke mit sieben Schleppen führte nicht wie bei der Herbstjagd in Richtung Altmühlsee, sondern erst einmal in die entgegen gesetzte Richtung. Dort erwarteten die Jagdgesellschaft sehr viele, riesige breite Wiesen, die es erlaubten, dass das gesamte Jagdfeld von über 30 Reitern nebeneinander galoppieren konnte. Ein unglaublich tolles Gefühl, die Pferde im gemeinsamen Rhythmus über die federnden Wiesen zu galoppieren und dabei gemeinsam eine Phalanx der Reit- Freude zu bilden.
Und hier zeigte sich das Besondere dieser Jagd: neben der Tatsache, dass sehr diszipliniert und hervorragend geritten wurde - auch von den „Ersttätern“ unter den Reitern - zeigte sich, dass sportliches Jagdreiten einer einzigen gemeinsamen Sprache folgt. Die Zweisprachigkeit innerhalb des Jagdfeldes, die theoretisch zu Problemen hätte führen können, fiel gar nicht auf. Denn Reiter, die ohne Worte ihre Pferde verstehen, verstehen sich eben auch ohne Worte untereinander. Da reicht eine Geste, ein Blick, und so wie die Pferde bei der Jagd zu einer temporären Herde zusammenkommen, schließen sich auch die Menschen zu einer sportlichen Gemeinschaft zusammen. Da braucht es keinen besonderen Wortschatz oder einen Übersetzer.


Die Liebe zu den Pferden und zum Reitsport verbindet Menschen auf beiden Seiten des Ozeans, egal was es auf politischer Seite für Dispute gibt. Die Reiter dieser Jagd folgten, wenn auch vielleicht unbewusst, dem modernen olympischen Gedanken – dem Gedanken des Friedens, in dessen Mittelpunkt der Mensch steht, ganz gleich welcher Nation, und zwar mit seiner körperlichen Stärke, Willenskraft und seinem schöpferischen Geist - und haben gemeinsam Freude an unserem wunderbaren Sport. Und dass bei der Schleppjagd der Wettkampf keine Rolle spielt, sondern die gemeinsam erlebte reiterliche Freude, macht sie in diesen Zeiten erst recht zu einer erstrebenswerten Sparte des sportlichen Reitens.
Die vorletzte Schleppe führte am Altmühlsee entlang und so konnten die Reiter neben den Segelbooten auf dem See einher galoppieren. Ein außergewöhnliches Bild und ein weiterer schöner Genuss. Die sieben sehr schönen Schleppen endeten fast immer an einem kleinen Weiher, in dem sich die Beagles nach jeder sportlichen Schleppe abkühlen und erholen konnten von dem schnellen Tempo, das sie vorlegten. So jagten sie Schleppe um Schleppe sauber ab und zeigten sich eifrig, spurtreu und in hervorragender Form und erhielten beim Curée ihren wohlverdienten Lohn und den Dank der Reiter. Musikalisch umrahmt wurde die Schleppjagd stimmungsvoll und wunderbar von den Reiterlichen Jagdhornbläser Nürnberg. Bei den wenig komfortablen Temperaturen verdiente ihr Engagement besonderen Dank.
Im Anschluss an die Jagd saßen alle zusammen und unterhielten sich über das gemeinsam Erlebte, und auch hier fanden sich immer die richtigen Worte. Für den festlichen Abend wurde bereits schön eingedeckt als die Pferde nach Hause gefahren wurden. Es folgte ein richtig stilvoller und sehr schöner festlicher Abend. Jagdherr Matthias Schwarz resümierte, dass seit seiner letzten Schleppjagd vor über 20 Jahren, das reiterliche Niveau sich sehr positiv verändert hat und zeigte sich von der Jagd und allem Drum und Dran begeistert. In der Tat: ein wunderbarer, außergewöhnlicher, sommerlicher Jagdtag. Und auf Amerikanisch: „And it was amazing!“
Text: Reinula Böcker, Fotos: Hermann Zacher