Bisher stand Isernhagen für die Geschichte der Schleppjagd. Jetzt ist daraus ein „Fanal für die Freiheit im Galopp“ geworden. Gut 60 Reiter aus weitem Umkreis folgten dem streitbaren Rechtsanwalt Eugen Klein bei der als politische Demonstration des RV Isernhagen angemeldeten Veranstaltung hinter der Niedersachsenmeute. Sie setzten an diesem Mittwoch im August beim „Isernhagen Ursulum“ ein sportliches Zeichen gegen Formalismus und zur Rettung des Ehrenamtes. „Es reicht“, protestierten sie in hohem Tempo gegen Behördenauflagen.


Wenige Tage vorher hat das Verwaltungsgericht Hannover die tierseuchenrechtlichen Anordnungen des Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) für Veranstaltungen in Isernhagen einstweilig ausgesetzt. Vieles deutet darauf hin, dass auch die Klage des Vereins gegen die „Laves-Listen“ Erfolg haben wird. „Als Jagdreiter stellen wir uns den Hindernissen“, hat Eugen Klein als zweiter Vorsitzender des RV Isernhagen bei der Begrüßung ins Gedächtnis gerufen. Demnach könnte die Datenabfrage der Behörde wohl auch als „Laves-Oxer“ eingestuft werden.


„Eugen Klein und die Jagdreiter waren Vorreiter, und wir werden folgen auf dem Klageweg“, versicherte die Geschäftsführerin des Pferdesportverbandes Hannover, Erika Putensen am Mittwoch beim Stelldichein am Voltmers Hof. Stein des Anstoßes sind die Teilnehmer-Listen und Halter-Abfragen, mit denen die noch junge Behörde mit Sitz in Oldenburg pauschal, d.h. ohne konkreten und aktuellen Anlass, Tierbewegungen in Niedersachsen zurückverfolgen will, um Tierseuchen effektiv bekämpfen zu können und vorzubeugen. Während Turnierveranstalter derartige Listen nahezu automatisch aus Nennungsergebnissen ableiten können, bedeutet die namentliche Erfassung von Teilnehmern und ihren Pferden mit Stalladressen, Chip-Nummern etc eine neue Stufe des Formalismus, der in dieser reitsportlichen Disziplin bislang unbekannt war und zum großen Teil auch vehement abgelehnt wird.
Klein und der RV Isernhagen sehen die „Laves Listen“ auch als weitere Drangsalierung von Ehrenamtlern, denen die Ausfüllung eines Postens im Verein „neben Familie, Beruf und einem eigenen Leben“ immer weiter erschwert wird. Klein führte dazu aus, dass allein für die Hubertusjagd in Isernhagen mehr als zehn Genehmigungen einzuholen sind, unter anderem für Straßenüberquerungen, Betreten von Naturschutzgebieten, Truppenübungsplätzen und Schankerlaubnis - „natürlich nicht ohne polizeiliches Führungszeugnis. Und wenn man dann als Amateur auch nur eine davon vergisst, droht auch noch ein Bußgeld.“


Die Einladung zum „Ursulum“ als Demonstration hat ganz offensichtlich den Nerv getroffen. Auch aus Hessen und Westfalen haben Jagdreiter gesattelt, und Zuschauer auf sieben Traktoranhängern begleiteten den Ritt über sechs Schleppen bis zum Halali am Voltmers Hof. Master Camill von Dungern und seine Equipage führten elf Koppeln Foxhounds, darunter drei Junghunde, „noch unerfahren, aber schon getestet und für gut befunden.“ Eugen Klein führte die Schleppenlegerin Mechthild von Lucke und die Reiter im ersten Feld hinter Max Scharf und Jochen Soltau über gut zwanzig Hindernisse – darunter breite Gräben und die bekannten Isernhäger Hecken. Jörg Schultz trug die Pikörsbinde für das zweite Feld über ausgesuchte Hindernisse. Die Jagdherrschaft, Heinrich Bätke jun. und Ursel Bülthuis, hatten das Kommando in den beiden weiteren, nicht springenden Feldern. Bülthuis, der zu Ehren die August-Jagd „rechts herum“ vor Jahren in „Ursulum“ umbenannt worden ist, kommt mit ihrem Fuchs-Wallach inzwischen auf stolze 96 Lebensjahre.





Abzuwarten bleibt jetzt, ob das LAVES Rechtsmittel einlegt. In jedem Fall habe das Amt in seiner Entscheidungspraxis auf die Isernhagener Klage und den Entscheid des Verwaltungsgerichtes Hannover Rücksicht zu nehmen, meint Klein. Das enthebt andere Jagdveranstalter jedoch nicht der Notwendigkeit, gegen eine Anordnung des Amtes in eigener Sache vorzugehen, wenn sie sich der Aufforderung zur Listenführung widersetzen wollen. Die pauschale Verfügung bedeutet einzelne Verwaltungsakte. Der Anwalt, der auch die Niedersachsenmeute vertritt, macht Mut: „Braves Kind fragt nix, braves Kind kriegt nix.“

Text und Fotos: Petra Schlemm