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Cledith - Berufsziel: Jagdpferd, 3. Teil

Alles richtig gemacht, aber zum falschen Zeitpunkt. Ist das dann richtig oder falsch? Axel Henrich hat ein Problem: Sein Pferd springt alles.

"Unsere liebe Cledith – die wir ja umgetauft haben, weil dieser schottische Name zu schwierig ist - entwickelt sich zum Schlitzohr. Sie springt alles und jedes. Das wünscht man sich zwar als Jagdreiter, aber sie muss ja nicht alles gleich so wörtlich nehmen. Was ist das „Problem“: in unsere Koppelzäune haben wir "Hunt Jumps" eingebaut, darunter auch eine Mauer, die etwa einen Meter hoch ist. Obwohl das Tor in unmittelbarer Nähe offen war, hatte unser Julchen (wie sie ja jetzt heißt) keine Lust dieses auch zu benutzen. Um in die Koppel auf der anderen Seite zu kommen sprang sie einfach drüber. Nichts Besonderes sollte man meinen. Aber um genau dies zu verhindern, hatte ich einen weißen Stromdraht in 1,50 Meter Höhe gespannt. Den hat sie mühelos überwunden – während wir daneben standen. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, sprang sie zwei Tage später, beim Longieren ohne Longe, aus dem 1,50m hoch eingezäunten Longierzirkel, locker und ohne Probleme!
Bei allem Besitzerstolz, da besteht doch noch die Gefahr dass unser Julchen mal komplett aus unseren Koppeln herausspringt. Was also tun?

Als vorläufige Maßnahme wird die Mauer im Training nicht mehr gesprungen, dieser Teil der Weide vorläufig nicht genutzt, und Julchen trotz Zaun im Longierzirkel immer m i t Longe longiert. Bis jetzt haben diese Aktionen ausgereicht um die Springfreude der Stute in die richtigen Bahnen zu lenken. Wir wollen hoffen, dass es ausreicht!
Die  „hunt jumps“ sind übrigens eine Idee, die ich mir abgeguckt habe. In England und Irland sieht man sie sehr häufig. In vielen Weide- oder Koppelbegrenzung ist so etwas.


Im übrigen stellt sich weiterhin die Annahme des Gebisses als Problem dar, und dass sie, wenn man sie links stellt, die Zunge herausstreckt. Das war zwar beim Kauf erwähnt worden, aber das "warum" nicht ergründbar. Julchen ist rechts „hohl“. Und jedes Mal wenn man sie links stellt, ist ein, wenn auch geringer, Widerstand feststellbar. Offensichtlich liegt hier der Ursprung des Problems. Im Moment gymnastiziere ich sie mit häufigen Handwechseln in allen drei Gangarten. Das heißt: ich fange auf ihrer „Schokoladenseite“, also auf der rechten Hand, in Remontehaltung an zu gymnastizieren. Ist sie hier locker, wechsele ich auf die linke Hand und sobald hier der geringste Widerstand entsteht, wechsle ich wieder zurück, und das Spiel beginnt von vorne. „Ich habe Zeit", ist hier das oberste Gebot, denn mit einer durchhaltenden Zügelhilfe - auch das habe ich natürlich versucht - erreiche ich nur, dass sie vollständig im Hals und im Maul blockiert, und vernünftiges Reiten fast unmöglich macht.
Für zusätzliche Abkau- und Biegeübungen an der Hand ist die „Chefin von alles“ zuständig. Sie dazu das Bild aus der „Reitvorschrift von 1912“. Kieferflexion ist also keineswegs eine Erfindung der Legerete-Reitweise. Dazu kommt Longieren an jedem zweiten Tag in allen drei Gangarten. Nachdem sich Julchen auch in allen drei Gangarten im Longierzirkel ausbalanciert bewegen kann, erfolgt das jetzt m i t Ausbindern, die aber so geschnallt sind dass das Pferd i m m e r vor der Sekrechten bleibt. Beides vervollständigt das Training und bringt uns auf einen guten Weg!



Immer wieder ist es bei Julchen wichtig, einen Schritt zurück zu gehen und zu überprüfen, ob das Gezeigte nicht das Ergebnis einer sogenannten "Pudeldressur" ist, denn sie macht einfach alles was man von ihr will. Dieser grandiose Charakterzug verleitet schnell zu der Annahme, „dass sie das schon kann". Aber das ist weit gefehlt, meist mogelt sie das Geforderte nur irgendwie hin, und der Trainingseffekt ist gleich Null. Nur sehr stark konzentrierte Übung - sehr sorgfältiges reiten, jede Aktion überprüfen ob sie auch richtig ausgeführt wird/wurde -  bringt hier den erwünschten Erfolg. Ihre rasche Auffassungsgabe erleichtert dies aber kolossal! Julchen mogelt gerne, wenn aber etwas sitzt und sie es begriffen hat, ist vorbei mit der Mogelei, dann führt sie die Lektionen selbstständig und korrekt aus! Nicht die Häufigkeit sondern die Genauigkeit ist das Wichtige!

Leider fehlt uns derzeit das Geländetraining. Bei uns herrscht bis Ende Februar noch absolutes Waldbetretungsverbot aus Sicherheitsgründen nach den Stürmen - es ginge wegen vieler umgestürzter Bäume sowieso nicht - und wir bedauern das sehr. Aber wir sind trotzdem zuversichtlich, im Frühjahr die ersten Meutetrainings sowie die eine oder andere Jagd mitreiten zu können!"
Text: Axel Henrich und Fotos: Martina Henrich
Zur vorigen Folge geht es hier: