„La Hansi“ – was ist das für ein Master, dem solch eine Ehrenfanfare in Duz-Form geschrieben wird? Was ist das für eine Meute, die seit mehr als vier Jahrzehnten deutsch-französische Bläser in Freundschaft an sich bindet? Hans-Nimrichter ist „immer Kumpel geblieben“ - und unprätentiös, bodenständig, herzlich und eben „echt“ hat die Vogelsberg-Meute zum Auftakt des Festjahres zum 50jährigen Bestehen die Meutehalter und Jagdreiter in der Deutschen Schleppjagdvereinigung (DSJV) nach Hessen eingeladen.

Die Farbe am frisch renovierten Kennel ist noch nicht ganz trocken gewesen als die Gäste anrückten. „Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen und wir haben jede Ecke mal wieder aufgeräumt“, bekannte der Vorsitzende Dr. Michael Weiler freimütig bei seiner offiziellen Begrüßung am Kennel in Brachttal-Spielberg. Zum dritten Mal haben die Vogelsberger dorthin zur Tagung der Deutschen Schleppjagdvereinigung eingeladen, zuletzt vor dreizehn Jahren.

Hans Nimrichter ist jedes Mal dabei gewesen. Er ist der einzige, der schon die Gründung der Meute vor 50 Jahren erlebt hat – damals war er 12 – und der einzige noch aktive Gründer des Schleppjagdvereins Vogelsberg-Meute, der zehn Jahre später entstand. Seine Karriere ist einzigartig in Deutschland: vom Babysitter zum Huntsman zum Master, immer bei einer Meute. Aus einer kleinen hessischen Landwirtschaft, als jüngster von acht Geschwistern kam er in die Familie von Karl Solzer in seinem Geburtsdorf Leisenwald im südlichen Vogelsberg, wo er heute noch wohnt. Dort war „Hansi“ erst Gefährte des Unternehmer-Sohnes Thomas, hat Pferde und Hunde kennen gelernt und aktiv seinen Ziehvater unterstützt als der seinen Jagdstall mit zehn Pferden und eine Meute aus Beagles aufgebaut hat. Er hat den Kopfhund Achilles ausgebildet. Das Konterfei des Rüden ziert das Emblem der Vogelsberg-Meute. Bei seiner ersten Junghundeschau 1972 hat er gleich drei Pokale gewonnen – und einen Schlips für einen Erfolg beim Hornbläserwettbewerb, den es damals noch gab. Als Karl Solzer überraschend starb und die Privatmeute vor der Auflösung stand, hat Nimrichter zugesichert, einen Verein zu unterstützen. „Ich habe es versprochen“, sagt er heute dazu nur kurz – und ist über alle Jahre immer „der Hansi“ geblieben, erst als überaus erfolgreicher Huntsman, jetzt mit 62, als Master und mit Axel Malm zusammen, der auch schon fast 40 Jahre dabei ist und die Hunde führt.

Ohne Schloss - noch nicht einmal in Sichtweite - und goldene Wasserhähne leben die Vogelsberger Jagdreiter trotzdem in einem Paradies. Auf der weiten „Spielberger Platte“ ist Platz für Pferde und Hunde, ohne Beschränkungen durch gesetzliche Verordnungen und übelwollende Nachbarn. Pferde und Hunde teilen sich den Auslauf am Stall. Die Besitzerin der Kennelanlage auf einem Aussiedler-Hof in Alleinlage ist seit Jahrzehnten auch Kennel-Master, und es herrscht eitel Sonnenschein und Feierlaune.

Im Festjahr kam die Frühlingssonne allerdings zu spät, um den tief gefrorenen Boden ausreichend aufzutauen, und deshalb wurde die Meute nach englischem Vorbild zu Fuß vorgestellt. Nur Nathalie Wiederspahn, die auch die gesamte Tagung perfekt organisierte, hatte gesattelt. Sie tröpfelte zu Pferd die Schleppe für eine eindrucksvolle Schau der Meute, die in diesem Jahr wegen des Wetters überhaupt noch kein nennenswertes Training gehabt hat. Die Equipage legte die Hunde zu Fuß an - „poor man’s hunting“. Und vor den Augen der fachlich versierten Zuschauer entfaltete sich ein Schauspiel wie aus dem Bilderbuch: In dichtem Pack eng beieinander arbeiteten die Hunde jede Wendung und jeden Windversatz deutlich und souverän aus, dabei im „full cry“, der auch gegen den Wind zu hören war.

„Wenn wir feiern, dann gehört ihr natürlich dazu“, begrüßte Dr. Michael Weiler die Bläser der Rallye Trompes Moselle Sarre mit ihrem Leiter Hubert Klein. Bei deren erstem Auftritt vor mehr als 40 Jahren hatten sie zum ersten Mal die Vogelsberger Beagles erlebt und sind ihnen seither treue Begleiter. Und warum die Jagdsignale der Trompe inzwischen als Kulturgut der UNESCO anerkannt sind, das erlebten die Gäste der Tagung eindrücklichst. Der Elsässer Hubert Klein ist ein Künstler mit seinem Instrument und ein begnadeter Motivator, nicht nur für seine Bläser-Kameraden sondern auch für die Zuhörer, denen er als beredter Conferencier einen herrlichen Konzertabend mit „Gänsehaut“-Stücken bereitete,

Bei fantastischer Akustik in der Festscheune des Gutes „Hühnerhof“ zelebrierten die Bläser besonders die Vogelsberger Fanfaren - auch die „La Hansi“ - und schlossen mit dem „Chant Finale“. Das Stück ist inzwischen nicht länger nur Abschluss einer feierlichen Messe sondern die „Nr.1“ in der Hitliste sämtlicher Jagdhornbläsergruppen geworden, wird aber selten so bravourös dargeboten wie bei den Trompes Moselle Sarre.

„Feiern ist das einzige, was wir wirklich können“, hatte der Ehrenmaster Reinhard Neeb in Vogelsberger Understatement bekannt gegeben und ein anderer Vogelsberger Reiter fügte weiter ausführend hinzu: „Die gehen nie ins Bett“. Trotzdem wurde auf der Tagung nicht nur gefeiert sondern auch ernsthaft diskutiert. 
Im Rahmen der Mitgliederversammlung am Sonntag referierte Dr. Diane Kleinschmidt als Tierärztin und Master der Sauerland-Meute zur Ernährung von Meutehunden. Antje Engelbart-Schmidt, langjährige Richterin im Jagdgebrauchshundeverband und Züchterin von Jagdhunden der Rasse Deutsch-Kurzhaar, berichtete von ihren Erfahrungen hinsichtlich Prägung und Ausbildung der Wesensfestigkeit. „Man sieht immer nur, wenn das nicht geklappt hat.“

Die Assoziierung mit den großen Verbänden wie Jagdgebrauchshundeverband (JGHV) und dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) bleiben die großen Anliegen. Voraussetzungen dafür sind die regelmäßigen Betriebsprüfungen und ein geschlossenes Zuchtbuch, dem sich im Übrigen bereits die Master verschrieben haben, die die DRFV-Fachgruppe „Jagdreiten“ 1966/67 dem Jagdgebrauchshundeverband unterstellt haben. „Transparenz ist das Gebot der Gegenwart“, bekräftigte Egbert von Schultzendorff als Vorsitzender der DSJV. Schließlich treffen die Organisationen und vermeintlichen Tierschützer, die schon die Sportreiterei verdammen, bei den Jagdreitern auf gleich zwei Angriffsflächen: Pferde und Hunde.
Hier noch weitere Impressionen:









Text: Petra Schlemm und Bilder: Klaus-Dieter Baumgart und PS