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Es sollte doch alles schön werden in Zechlin

Frühjahrstraining im Brandenburgischen. Geplant war „eine schöne gemeinsame Zeit mit Menschen, die sich uns verbunden fühlen, alles rund um die Arbeit mit der Meute kennen lernen wollen und unserer Einladung folgen“, so Heike und Friedel Sielemann,  Ostwestfalen-Meute. Und dann kam es ganz anders und dramatisch.

Astrid Butt und Patricia AufdemKampe berichten:  


Auf dem Programm stand eine Woche intensives Training besonders für die fünf Junghunde des E-Wurf aus 2016, die bis dato noch nicht am Pferd gelaufen waren. Dazu fand sich eine erwartungsvolle und motivierte Truppe aus alten Hasen sowie Neulingen im brandenburgischen Repente bei Zechlin ein. Alle Reiter, Mitreisenden, Pferde und 13 Koppeln Foxhounds wurden in gewohnter Gastfreundlichkeit und Souveränität auf dem Reiterhof Lück empfangen.


Schon am Anreisetag wurde gesattelt, damit die energiegeladenen Hunde und auch die Pferde etwas Bewegung bekommen konnten. Die fünf Piköre hatten neben Friedel und Heike allerhand zu tun, den bunten Haufen kennen zu lernen, denn für sie war es das erste Training in diesem Jahr. Trotz anfänglicher leichter Aufregung kehrte schnell Ruhe  ein und schon nach kurzer Zeit bot sich ein harmonisches Bild. Auch das vielversprechende Nachwuchspferd von Sielemanns zeigte sich von bester Seite. Am Abend wurde in geselliger Runde das Kennenlernen vertieft und der vorgesehene Ablauf mit Trainingsschwerpunkten besprochen.


Am nächsten Tag ging es nach dem gemeinsamen Frühstück bei wunderbarem Wetter und voller Elan weiter. Alle Pferde und Reiter waren konzentriert und erstaunlich gelassen bei der Sache, allgemeines Urlaubsfeeling machte sich schon bemerkbar - es herrschte eine fröhliche Stimmung. Beginnendes Appelltraining und Führen der Hunde auf den großen Flächen, bis sich die Youngster schon deutlich integrierten. Alles lief unweit des Hofes ab, da wir nicht zu lange „arbeiten“ wollten, um niemanden zu überfordern. Dann das erste Anlegen einer Schleppe. Für den Anfang schon recht zufriedenstellend folgte kurz darauf das zweite Anlegen. Die Hunde waren aufmerksam, alle blieben an der günstig gewählten Stelle zusammen und es hieß „Schleppe ab“ für Heike Sielemann. Konzentration, Übersicht und relative Ruhe bei den Pikören; der Master beobachtete alle Hunde ganz genau und auf sein Kommando „Zieh Fuchs“ jagte die Meute spurtreu und geschlossen dem Scent nach.


In gebührendem Abstand folgte die Equipage, um das Verhalten der Hunde gut verfolgen zu können. Tja, und dann…. zwischen zwei kleineren Baumstämmen stolperte der Schecke völlig unerwartet und stoppte so abrupt, dass Friedel sich nicht mehr im Sattel halten konnte; beim Sturz verletzte er sich den Fuß. Zwei Piköre, die unmittelbar hinter
ihm ritten, saßen ebenfalls unfreiwillig aber ohne weiteren Folgen beim blitzartigen Ausweichmanöver ihrer Pferde ab. Einer konnte den Hunden bis zum Ende der Schleppe folgen, die anderen kamen erst verzögert nach. Zwei Pferde haben den direkten Weg „nach Hause“ genommen, der Master  wurde umgehend mit einem Auto abgeholt, da
keiner sagen konnte, wie schwerwiegend seine Verletzung war. Und schon mussten sich alle neu sortieren - schnelles Umdenken und Handeln war angesagt, um die Foxhounds sicher zurück führen und versorgen zu können. Doch das funktionierte alles tadellos, obwohl so ein Ernstfall niemals zuvor geprobt werden konnte. Eine mitreisende
Krankenschwester bestand auf genauer Untersuchung im Hospital. Sie fuhr den Master zielstrebig zur weiteren Diagnostik. Für den Rest folgte banges Warten. Dann die erschütternde Nachricht: Knöchel gebrochen! Aus - und nun?? Das gerade erst begonnene Training und auch der Urlaub sollten nicht einfach abgebrochen werden. Mit geschientem Bein
erschien der Master abends zur Krisensitzung und es wurde kurzerhand Plan B erstellt. Hergen Bruns, der eigentlich unterstützend im Hintergrund mitwirken wollte, übernahm die Verantwortung als  Ersatzmaster und die weitere Leitung des Trainings in Absprache mit Friedel zusammen mit Heike, die ja die Hunde am besten einschätzen kann. Ein später angereister Teilnehmer wurde kurz in den Sachverhalt eingeweiht und in die Gruppe aufgenommen. Die nächsten gemeinsamen Ritte konnten so mit durchaus positiver Entwicklung trotz anfänglicher Unsicherheiten stattfinden, da glücklicherweise genügend Leute mitwirkten. Zusätzlich übernahm Hergen ein Training für die Piköre im Umgang und Gebrauch der Hetzpeitsche und stand mit all seiner Erfahrung jedem mit Rat und Tat zur Seite. Es entwickelte sich echter Teamgeist und man wuchs mit seinen Aufgaben.


Da die medizinische Versorgung Vorrang hatte, reisten Friedel und Heike, die tapfer ihren „Mann“ stand, am Dienstag Nachmittag mit zwei Pferden und den Hunden ab - das dritte Pferd wurde später mitgenommen. Ruhig war es nun auf dem Hof… die verbliebenen Reiter trafen sich trotzdem zu weiteren sehr schönen, wenn auch etwas schwermütigen gemeinsamen Ritten. Man traf sich täglich am Stall, es wurde noch viel über alles nachgedacht aber ebenso viel gelacht. Karin Lück unterstützte alle mit ihrer unerschütterlichen
mutmachenden Power und stand der kleinen Reitergruppe nochmals enorm bei, als ein weiterer Schlag alle erschütterte: eine nichtreitende Begleitperson war unglücklich gestürzt und musste per Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Notruf ereilte die Gruppe während eines Ausrittes kurz vor der Abreise besagter Krankenschwester! Das kann doch nicht sein dachten sich alle - betretenes Schweigen, fassungslose Gesichter, eiliges Tempo auf dem Heimweg, wo der Rettungswagen schon ankam. Wiederum banges
Warten mit Bemühungen, nicht die Nerven zu verlieren…die Gruppe wurde immer kleiner. Am letzten Tag waren noch zwei Reiter und eine Begleitung da. Mittlerweile ist die Patientin in die Heimat verlegt worden und es scheint alles gut zu verlaufen. Ebenso wird Friedels Bein wieder heilen und die kommenden Termine der OWM sollen alle stattfinden.
Trotz all dieser Umstände gibt es viele positive Rückblicke und Pläne für die Zukunft. Abschließend kristallisierte sich ein ganz wichtiger Faktor heraus: der Wille und die Bereitschaft, nicht aufzugeben. Absolute Hilfsbereitschaft und gegenseitige Anteilnahme auch unter Menschen, die sich dort zum ersten Mal begegnet sind. Alle Beteiligten hielten
zusammen und ihr Einsatz ist wirklich zu loben. Wir haben das Beste daraus gemacht. Danke allen, die geholfen haben.


Text: Astrid Butt, Patricia Aufdemkampe und Bilder: Ostwestfalenmeute