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530 Kilometer in den Verdener Stadtwald

Die Brut- und Setzzeit wird in den nördlichen Bundesländern strenger gehandhabt als in den südlichen, wo Meutehunde, die die Betriebssicherheitsprüfung der Deutschen Schleppjagdvereinigung absolviert haben, weiterhin auf die Schleppe dürfen. Letzter Aufruf in Niedersachsen war am 31.März, der passend dazu auch noch auf einen Sonntag fiel. Über 60 Reiter nutzten die letzte Gelegenheit hinter den Hunden der Niedersachsenmeute zu jagen.

Ein Stelldichein um 10 Uhr am Tag nach der Zeitumstellung ist schon sportlich für den einen oder anderen mit etwas weiterer Anreise. Darauf angesprochen meinte Jagdherr Karl Wallis sarkastisch, er habe ja in Brüssel die Abschaffung der Sommerzeit beantragt. Wer nicht gefrühstückt hatte, war besonders dankbar für die angebotenen Schnittchen und den wärmenden Kaffee zum Stelldichein, bei dem es noch recht kühl war.

Das Saisonfinale im Norden nutzen auch zahlreiche  Reiter aus dem südlichen Deutschland um ihre Pferde im Gelände wieder anzuschieben. Die weiteste Anreise mit 530 Kilometern hatte die Rheinhessin Petra Kaschta. Nicht nur sie, auch Reiter aus dem Westerwald, aus Hamburg, Kiel und die fünf Reiter der Taunusmeute, darunter auch deren Präsidentin, reisten schon am Freitag bzw. am Samstag an.



Die Jagd in Zahlen: 8,5 Kilometer, fünf Schleppen, die erste ohne Sprünge. Dann knackige 30 weitere Sprünge auf den übrigen vier Schleppen. Die Schleppe wurde gelegt von Ida Eggers, sie wurde von Elsa Scholz und Ulrich von Behr begleitet.

„Es ist wie in einem Garten zu reiten und die Hunde kennen inzwischen alle Wege“ meinte  Leonard von Schultzendorff, der routiniert die 21 Foxhounds führte. Wer das Privileg hatte, nahe bei den Hunden reiten zu dürfen, der weiß, dass sie pfeilschnell unterwegs waren, und das obwohl es im Verlaufe der Jagd immer wärmer und frühlingshafter wurde und obwohl die sandigen Wege gelegentlich schon tief und staubig waren.



In einem „Garten“ zu reiten, ist aber auch eine echte logistische Herausforderung, wenn man 60 Reiter in drei Feldern komplikationsfrei durch den Stadtwald schleusen will. Wie weit muss man nach dem Überqueren einer Straße noch den Weg in den Wald hinein ziehen, damit der letzte Reiter nicht mehr auf der Straße steht? Jeder Meter mehr nach vorn verkürzte die folgende Schleppe und damit das Reitvergnügen.



Dieser Herausforderung waren die Feldführer durchaus gewachsen: Karl Wallis vor dem  ersten springenden Feld, Niclas Kutzer - ehemals selbst lange Jahre Jagherr im Verdener Stadtwald vor dem zweiten nur ausgewählte Sprünge anreitenden Feld  - und Sabine Behrendt vor den Nicht-Springern. Alle Reiter kamen sturzfrei und glücklich beim Halali an und wurden von den Hörnern der Formation bien aller unter der Leitung von Gerd Offer begrüßt.



Daß die Niedersachsen die Jugendarbeit pflegen, das ist bekannt, doch die Jugend wird nicht nur zu Pferde geschult. Jagdherr  Karl Wallis gab dem erst 15 Jahre alten Philipp von Behr die Gelegenheit, die Jagdkritik zu halten.

Leonard von Schultzendorff bedankte sich bei den für eine Frühjahrsjagd doch so zahlreichen Reitern und nutzte die Gelegenheit Werbung für die Herbstjagd in Verden zu machen, die dann durch die Allerwiesen führt, wo alle Reiter Gelegenheit haben, die Arbeit der Hunde zu beobachten.


Text: Julia Läßig und Bilder: Adrian Fohl. Mehr Aufnahmen unter foto-ix.de