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Westerwälder Jagdtage 2019

Wer meint, für viele Höhenmeter auf wenig Strecke braucht es Berge oder wenigstens eine Alp, der wird im Westerwald eines Besseren belehrt.  Das mussten auch wir Bayern feststellen- wobei man fairerweise erwähnen sollte, dass nur ein kleiner Teil von Bayern aus Bergen bzw. dem Alpenvorland oder der schwäbischen Alp besteht.   Schon bei der Anfahrt quälte sich unser Gespann zum Teil serpentinenartige „Radlwege“ hoch und mir schwante schon, dass mein in weiser Voraussicht exerziertes Bergtraining zu Pferd definitiv angebracht war.

Am Lacher Stall angekommen wurden wir sehr herzlich empfangen, die Boxen waren nach unseren Wünschen gerichtet, mit Heu wurde nicht gespart und ein Futtermeister der alten Schule erstellte mit uns den Futterplan.  Nachdem wir unsere Pferde untergebracht hatten, bezogen wir selbst unsere Unterkunft  und kamen dann später wieder an den Stall um unsere Pferde nach der langen Fahrt noch ein wenig im Gelände zu bewegen und uns die Gegend anzusehen.  Am Abend fand der erste ungezwungene Hock in der Gastwirtschaft am Stall statt und wir stellten fest, dass Bier aus kleineren Gläsern ebenfalls gut schmeckt- nur der Wirt muss halt öfter nachschenken.
 

Am Donnerstag trafen wir uns dann am Vormittag um die Pferde nochmal auf die Koppeln zu lassen, nochmal zu putzen und schon mal die Stollen einzudrehen.  Dann fuhren wir noch einmal in unsere Unterkünfte und kamen dann mittags gestiefelt und gerichtet zurück zum Stelldichein.  Hier wurden dann Sekt und andere Getränke gereicht, eine kleine Andacht wurde vom Pfarrer gehalten und damit auch die Jagdherrschaft Kerstin und Christoph Stecker als Brautpaar gesegnet.


Viele bekannte Gesichter wieder gesehen, andere kennengelernt – dann Treffen zu Pferd auf der Wiese an der Wied.  Hier standen auch die ersten Sprünge, die wir am Mittwochabend schon gesehen hatten.  Nach dem Pferde und Hunde etwas gelöst waren  gingen wir auf die andere Seite des Bachlaufes. Vor dem Start  ertönten die Klänge der „Rallye Trompes Val du Rhin“ und stimmten auf die erste Schleppe ein. Dann gingen die Hunde ab.


Einen großen Bogen über die Wiese auf den ersten Sprung zu, wieder zurück über den Bachlauf, hinein in die 4er Kombination aus jagdgerechten und ordentlich gebauten Sprüngen, danach querten wir die Wied, am anderen Ufer an der Wied entlang über eine Wiese und  zwei weitere Sprünge. Hier war dann Ende der ersten Schleppe, die es schon ziemlich in sich gehabt hatte.  Danach ging es den Wald hinauf. Die folgenden Schleppen waren geprägt von langem Bergauf und sanftem Bergab auf Waldwegen, immer mal wieder lange Galopps über Wiesen und kleine Bachläufe. Die Hunde liefen schnell – über den ersten kleinen Regen am Ende der zweiten Schleppe waren wohl auch sie erfreut.
Kurz vor der Pause dann prasselte dann sogar ein sommerlicher Regen während einer Bergaufschleppe auf die Jagdgesellschaft herab - und nicht nur den Hunden war diese Abkühlung sehr willkommen.
Das Feld galoppierte den Hang hinauf, oben auf der Wiese warteten schon die Begleiter im strömenden Regen und wie auf ein Zeichen hörte dieser beim Stopp schlagartig auf.  Nass bis auf die Knochen waren wir alle - aber glücklich und konnten so den weiten Blick über das Wiedtal aus vollem Herzen genießen.
Danach folgten noch zwei weitere Schleppen - dazwischen kletterten wir einen Trampelpfad an steilem Hang entlang. Am Ende ging es ein langes Stück durch die Wied - eine willkommene Kühlung für die Pferdebeine.
Halali und Curée fanden am Ausgangspunkt der Jagd statt – danach kehrten wir alle glücklich und zufrieden – und immer noch ein wenig feucht bekleidet zurück zum Lacher Stall um nach dem Versorgen der Hunde und Pferde ausgiebig eine wunderschöne sportliche Jagd mit langen und doch recht schnellen Schleppen zu feiern. Und die herausragende Arbeit der Hunde, die immer geschlossen im Pack jagten. Vor allem in Anbetracht der Temperaturen und des Geländeprofils eine enorme Leistung. Kein Hund fiel zurück, kein unfreiwilliger Stopp.
 
Freitags war bis auf den Abend „programmfreier“ Tag – dieser wurde von vielen auch genutzt um das Sattelzeug ordentlich einzuölen. Es hatte ein wenig unter dem Regen gelitten.  
 
Samstags dann die Zwei-Meuten- Jagd mit Cappenberger- und der Rheinlandmeute zu Ehren von Frank Etscheid zum seinem 45. Geburtstag. Selbst kein Reiter, aber passionierter Jäger, hat er mit Hilfe seiner Partnerin Claudia Strommenger eine neue Strecke durch sein Jagdgebiet ausgesucht.  Start war wieder auf der Sprungwiese an der Wied, auf der auch die beiden Meuten zusammengeführt wurden. Hier konnte man im direkten Vergleich erkennen, wie unterschiedlich Hunde gleicher Rasse je nach Meute aussehen können.  Die Hunde verstanden sich auf Anhieb und waren sich sofort einig in ihrer Passion.


 
Die Temperaturen waren noch etwas höher als am Donnerstag, diesmal kein Regen in Sicht, und bei fast 30 Grad war zu erwarten, dass das recht schwierig für die Hunde werden würde. Diesmal begann die erste Schleppe in der anderen Richtung. Die Sprungwiese wurde von hinten geritten – 4 Sprünge in Kombination, dann über den kleinen Bachlauf und gleich hinein in die Wied in der ein gutes Stück geritten wurde.
Wieder rauf auf die Wiese, die Wied abermals durchquert und bergauf in den Rossbacher Wald. Dort wurden drei Schleppen bis zum Stopp immer bergauf geritten. Die Pferde und Hunde hatten ordentlich zu tun, aber es war leicht schattig und gut zum Aushalten. Dann zwei weitere Schleppen zum Rossbacher Häubchen, wo nur eine kurze Wasserpause für die Hunde gehalten wurde. Danach eine schöne Waldschleppe und es schallte über den Westerwald: Halali, Halali!
Im Schritt ging es ein ganzes Stück bergab, durchs Dorf zurück zum Laacher Stall. So konnten die Pferd und Hunde sich erholen, und am Stall gab es auf einer Wiese das Cureé und die Brüche.


Die Hunde wurden auseinander sortiert wobei  der ein oder andere doch in das falsche Gefährt einsteigen wollte, aber am Schluss hatte jeder seine Hunde und der gemütliche Teil des Abends konnte beginnen. Das Geburtstagskind hat es sich nicht nehmen lassen die ein oder andere Runde auszugeben, später wurde noch getanzt und so endeten die Westerwälder Jagdtage spät in der Nacht.

Text: Dagmar Linn und Annika Deckena und Bilder: Martin Diehl (Mehr bei jagdfotos.de) und Alexander Conrad