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Jagd-Porträtist mit Stichsäge

Vermarktung von Kunst aus Glas und Porzellan  – das hat er lange in seinem Berufsleben gemacht, als er für die Porzellanhersteller Rosenthal in vielen Städten die „Studio-Linie“ aufgebaut hat. Jetzt kümmert er sich um Vermarktung seiner eigenen Kunst aus Holz und will dazu den englischen Markt angehen. Gerhard Pagels „zieht die Strippen“ – aber heute ist  einmal Pause. Heute hat er Geburtstag. Er wird 92.

Der Künstler mit einer neuen Auftragsarbeit.

„Im hohen Alter muss man sehen, dass man weiter was um die Ohren behält“, findet Pagels. Und das gelingt ihm ganz gut. Der Hamburger  ist weiter gut beschäftigt als Porträtist von Reitern und Pferden jeglicher Disziplin. Das Besondere daran: er modelliert mit der Laubsäge und benutzt danach gekonnt Pinsel und Farbe. Viele namhafte Spring- und Dressurreiter hat er bereits in Holz porträtiert. Aber seine besondere Liebe gehört der Schleppjagd. Der Künstler fertigt detailgetreue Jagdszenen auf Holz, von Hand bemalt und so lebendig, dass man die Pferde schnauben und Hunde läuten hört. Eine ganze Jagdgesellschaft kann er gestalten, und wer genau hinschaut, erkennt sogar Bekannte in den Figuren, so getreu führt Pagels Säge und Pinsel.

Gerd Pagels stammt aus einer Künstler-Familie und hat sein Leben mit Pferden verbracht. Den Sommern der Kindheit in einem Ferienhaus der Eltern auf der Ostsee-Halbinsel Priwall mit flotten Ausritten und Jagden folgte eine intensive und ernsthafte reiterliche Ausbildungszeit, erst  in Vornholz bei Baron von Nagel, dann beim Reitmeister Lörke und auch dem späteren Bundestrainer der Springreiter, Micky Brinkmann. Danach entschied er sich dann doch für ein berufliches Leben ohne Pferde. Vor einem halben Jahrhundert kam er mit Jagdreiten in Berührung, zunächst von Düsseldorf aus beim RWS, später gehörte er  25 Jahre lang zum Hamburger Schleppjagdverein. Sogar 30 Jahre war er Mitglied im Hamburger Rennclub. Seine eigene Erfahrung im Rennsattel von der Düsseldorfer Bahn nutzte Pagels unter anderem bei den Point-to-Point Rennen der Hamburger. Eines seiner beliebtesten Motive ist der Jagdreiter nach einem Foto von Gösta Schaper, der später lange Präsident der Hamburger gewesen ist. Die Amazone davor ist Pagels’ Frau Stefanie mit ihrer Stute Fleur.

Pagels’ Werke leben von seiner eigenen Erfahrung und der Fähigkeit Fotos detailgetreu umzusetzen. So bildet er in Holz ab, was ihm auf Papier zugeschickt wird. Besonders spannend wird seine Arbeit, wenn er für einen Auftrag aus verschiedenen Momentaufnahmen eine ideale Szene „komponieren“ soll.

Ein neues Motiv: Vorlage ist ein Bildchen auf einem 30 Jahre alten Bierdeckel.



In Lübeck, wo Pagels geboren und aufgewachsen ist, führte sein Vater große Glas- und Porzellangeschäfte für gehobene Ansprüche. Noch heute bewertet der Sohn die Klasse eines Restaurants unter anderem nach dem Geschirr, das dort aufgetischt wird. Kommerz und Kunst gehörten in seiner Familie immer zusammen. Seine Frau Stephanie führte einen grafischen Betrieb, den dann einer der beiden Söhne übernommen hat. Auch Gerhard Pagels hat in seinem Beruf viel über Kunst diskutiert und geschäftlich verhandelt mit den Künstlern, die für Rosenthal gearbeitet haben. Jetzt hat er sich England vorgenommen. „Soviel mir bekannt ist, gibt es weder in England oder Schottland noch in Irland und vermutlich auch niemand in Amerika, der derartige Objekte – mit Acrylfarben bemaltes Sperrholz – anfertigt,“ begründet er seinen Gesprächspartner auf der Insel seine Talente.

Alter ist keine Begründung für Nichtstun. Nach dem Tod seiner Frau hat er sich „kleiner gesetzt“ in eine Wohnung, aber das Bridgespielen beibehalten. Er kocht mit Leidenschaft, „am liebsten Fisch, von Fleisch bin ich weitgehend ab“ und kauft dazu Qualität vom Großmarkt ein. Das Schwierigste an seiner Kunst, findet er, sind die Ruten der Hounds. „Da muss man soooo vorsichtig sein mit der Säge – ganz schnell bricht da was ab.“ Die schnell trocknende Acrylfarbe, die wäre etwas, wo ein Sprung in eine neue Richtung stattfinden könnte. „Aber neue Farben – das fange ich dann doch nicht mehr an.“ Muss er auch nicht. Seine Arbeiten sind auch so perfekte Abbilder des Dreiklangs aus Mensch und Tier und Umwelt, geeignet als Dekoration im Regal, an der Wand oder – natürlich! – auf einer festlich gedeckten Tafel. So haben seine Werke das Dinner zum 80jährigen Gründungsfest des Hamburger Schleppjagdvereins dekoriert. „Mit Blumen, mit Kieselsteinen, mit Grün – da kann man so viel gestalten“, gehen dem Gentleman die Ideen auch mit 92 nicht aus.


Mehr unter gerd-pagels-collection.de oder Tel. 040-538970 67
Text: Petra Schlemm und Fotos: privat