Deren Sorgen möchten sie haben, werden manche Meuten denken angesichts der Themen, die in der Jahresbilanz der Niedersachsenmeute zur Sprache kamen: Schnelle Hunde und viele Mitglieder gehörten zu den „Problemen“, die Camill von Dungern als (dienst)ältester Master von sieben Hundeführern ansprach beim Treffen im „Deutschen Haus“ in Dorfmark.

Bei einem Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre habe er keine Veränderungen entdecken können. „Die fünf Jungmaster – die ja jetzt nicht mehr so genannt werden – haben sich gut eingefügt.“ Die Hunde seien sicher, gut zu führen und schnell. „Vielleicht zu schnell. Deshalb müssen die Veranstalter neue Wege finden, die die Hunde allein laufen und dabei von den Reitern beobachtet werden.“ Sonst werden die springenden Felder weiterhin immer kleiner. Gegengesteuert wird mit den Jagdreitertagen und dem Jugendlehrgang, wo zum Teil schon Teilnehmer aus der vierten Generation von Jagdreitern an den Start gehen. Aktuell streift die Niedersachsenmeute die 800er-Marke. 80 Kündigungen, davon acht durch Todesfall, wurden von den 47 Neuaufnahmen nicht ganz ausgeglichen. „Achthundert Mitglieder, das bedeutet eine starke Interessenvertretung in der öffentlichen Wahrnehmung, aber mit der steigenden Mitgliederzahl wächst auch unser aller Verantwortung für noch mehr Sicherheit“, gab der Senior-Master zu bedenken. So ist die Jagdordnung aus 1971 überarbeitet worden. Die vier möglichen Jagdfelder werden neu bezeichnet, aber Beliebigkeit beim Springen ist weiterhin verpönt, „viel zu gefährlich“. Und es wird dringend auf die Notwendigkeit eines Schlußpikörs hingewiesen.
Den Bericht aus dem Kennel gab Leonard v.Schultzendorff im Namen seines Vaters Egbert. „Die Betreuung im Hundestall sorgt für die Symbiose zwischen der Meute und ihren vielen unterschiedlichen Führern,“ hat er beobachtet. Die liebevolle Betreuung im Kennel und ein tägliches Training mit immer gleichen Abläufen sorgt für Kontinuität, unterstützt von sehr gründlichem Austausch zwischen den Mastern und allen Pikören, damit alle gut informiert sind über Befindlichkeiten einzelner Hunde aus der Meute.

Celestina Löbbecke als Verantwortliche für die Organisation der Jagdreitertage sprach von „riesiger Beteiligung“ und ehrte dann Ingeborg Mayer für ihre langen Verdienste um diese Fixpunkte im Kalender von Dorfmark. Die ehemalige Jagdreiterin hat 40 Jahre (!) lang dafür gesorgt, dass das Sonntags-Frühstück am Hundert-Meter-Hindernis für nicht wenige Teilnehmer einer der Höhepunkte dieser Wochenend-Kurse geworden ist. Ein herzliches „dreifaches Horrido“ für die rüstige alte Dame, die weiter aushelfen will, wenn es nötig ist, war mehr als nur eine Standard-Ovation.
Neue Akzente bei der Jugendbetreuung haben Paul von Schultzendorff und Johannes Ellenrieder eingeführt. Im Rahmen der Jugendwoche haben die 67 Teilnehmer ein Sozial-Praktikum absolviert und in diesem Rahmen Besuche in einem Seniorenheim und im Krankenhaus abgestattet. Den Jugendteller als Wanderpreis, gestiftet von Dr. Kaup im Namen seiner verstorbenen Frau Mechthild erhielt Cosima Löbbecke, die 40 Jagden bestritten hat. Ein bleibendes Andenken für sie ist die Nachbildung des Meute-Knopfes vom Militär-Reitinstitut Hannover. Auch diese Replika hat Dr. Kaup gestiftet und sie wird auch verwendet werden um weiter Spenden zu generieren für die Meute.
Dorothea von Behr legte den Kassenbericht vor, den Holger Windmann geprüft hat. Das Jahres-Budget hat 170.000 Euro umfasst. Die Ausgaben für den Meutebetrieb und Personal waren die größten Posten auf der einen Seite, Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen und Spenden stehen auf der anderen Seite und ergeben ein „Mini-Plus“. Es war groß genug, um auch in diesem Jahr wieder auf eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge zu verzichten.
Ihren ersten großen Auftritt hatten die Junghunde des Vorjahres aus dem Wurf von Kiki und Juri, geführt von Carina Ebert und ihrem Team aus Kennel-Helfern und Paten und vorgestellt von Cosima von Schultzendorff. „Sehr umgänglich“ nannte sie die Youngster, die mit schöner roter Farbe des Vaters glänzen. Zwei von ihnen werden die Cappenberger Meute verstärken aus der die Niedersachsen früher auch einmal Hunde erhalten haben. Das Tauschgeschäft blüht. So ist die Mutter Kiki einst aus dem Hamburger Schleppjagdverein übernommen worden. „Unsere beste Hündin“, nannte sie Cosima von Schultzendorff jetzt.
Ein Film von Bernd Hauers zeigte den Mitgliedern zum Auftakt die gelungene Jagdsaison. Ein ganzes Jahr lang hat der Mann aus Langenhagen die Meute begleitet und zwölf Events herausgepickt, die die ganze Bandbreite des Meutelebens in Dorfmark zeigen: Vom Schützenumzug in Menschenmengen bis zu schweren Jagden oder Demonstration wie Isernhagen. Eine Zusammenfassung ist im Downloadbereich auf der Webseite der Meute zu sehen. Eine lange Version über 1:20 Stunde kann für 20 Euro käuflich erworben werden.
Text und Bilder: Petra Schlemm