Es ist Mittwoch und wir sind in Niedersachsen auf dem Weg zur Jagd. Ein guter Jagdreiterfreund sagt immer vorher: „Ich bin schon ganz aufgeregt“ – das geht mir auch gerade durch den Kopf. Aufgeregt? Ja sicher, schließlich hat Kersten Lieker eingeladen, und Jagdreiten mit Kersten ist etwas ganz Besonderes.

Hier geht es nicht einher mit Volksfestcharakter. Hier sind keine 40 Hindernisse, hier ist kein Feld von 70 Reitern. Kersten sagt: Wir reiten nicht für Publikum, wir reiten für uns.
Vor fünf Jahren startete die erste Jagd, jetzt ist es die dritte. Es kommt ein Kreis von Wiederholungstätern. Wir sind acht Reiter im Feld, 11 1/2 Koppeln Foxhounds werden
geführt von Leonhard "Löwe" von Schultzendorff und seiner Equipage.

Eine kurze Ansprache des Jagdherrn – er verspricht: „Ihr werdet euch wundern. Wir haben sieben Schleppen und alle haben einen anderen Charakter.“
Bei dieser Jagd kommen wir in ein für Master und Hunde völlig unbekanntes Gelände. Die Hunde sind aufgeregt und laut. Trotz der fremden Umgebung, der ständig wechselnden Landschaft und dem Wildreichtum jagen die Hunde meistenteils geschlossen. So ist die Hundearbeit für alle gut sichtbar.
Kurze Schreckminute, als die Hunde die Schleppe verlieren und wir durch Stacheldraht getrennt werden. Im Bogen kommt die Meute zurück, allerdings hat sie vor sich eine Jungviehherde, die bereit ist durch den Zaun zu gehen…. Luft anhalten, die Meute dreht ab, Gefahr gebannt. brave Hunde! Wir reiten durch Wald, Dickicht, Wiesen, Gelbsenf, Maisstoppeln, Heide und als Highlight eine ausgebeutete Sandkuhle, die jetzt zum Badesee mit Strand geworden ist.

Die Wege, die dieser (imaginäre) Fuchs sich gesucht hat, sind wirklich verschlungen, bieten ihm Deckung und Schutz. Hindernisse ergeben sich durch umgestürzte Bäume und gut verdichtete Reisighaufen. Sie sind ganz plötzlich und unvorbereitet „im Weg“, aber immer ohne Gefahr zu überwinden.
Das ist Jagdreiten - Herausforderung für Tier und Mensch, was auch nicht ganz ohne Schrammen abgeht.
Diese Mittwochsjagd von Kersten Lieker ist ein Highlight im Jagdkalender. Es ist Jagdreiten pur, richtig Arbeit für Hund, Pferde, Reiter, aber keine Einsteigerjagd.
Der Jagdherr muss sehr viel Zeit investiert haben, um diese Streckenführung auszuarbeiten und sich mit den Landeignern abzusprechen. Die dritte Jagd, jedes Mal in anderem Gelände, so schön, so abwechslungsreich - ein riesiges Lob an Kersten!
Die nächste Jagd, vielleicht 2022 oder 2023, sie bekommt ein Ausrufezeichen im Kalender!
Text und Fotos: Eike Sachs