Der Hamburger Schleppjagdverein war in der Nähe von Neustadt am Rübenberge unterwegs. Klingt zutiefst provinziell, war es aber nicht. „Eine Nikolausjagd im Jagdrevier von Ernst-August König von Hannover - das war mal richtig gut“, fand Falk König und schickte einen Jagdbericht aus Goslar.

Kersten Lieker kenne ich schon lange als vorzüglichen Organisator der Jagdreiterlehrgänge in Warmeloh mit Aidan O´Connell. Daß jedoch unter seinen Ahnen auch ein Fuchs gewesen sein muss, war mir allerdings vollkommen neu. Wohl wurde Kersten auch durch die "Jagdgemeinschaft unter den Eichen" sehr gut unterstützt und ebenfalls besonders zeichnete sich das Nikolaus- Rahmenprogramm aus, für das Astrid Mendyk verantwortlich war. Aber das was uns Reitern geboten wurde, bedarf einer langen und intensiven Vorbereitung und dafür kann man sich nur bedanken!

Schon die letzten Meter der Anreise waren ein Erlebnis. Die Straße wurde schmaler und schmaler, die Häuser weniger und der Eindruck wurde immer irischer. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass das Stelldichein logistisch sehr gut gelegen ist, bequem anzufahren und für Niedersachsen aufgrund seiner zentralen Lage relativ schnell erreichbar ist. Das Stelldichein fand auf einem Feldweg mitten im Gelände statt. Doch dort gab es alles, Kaffee, Brötchen und gefühlt alle süßen Weihnachtsköstlichkeiten. Da stellte man sich gerne ein. 
Bestes Jagdwetter, großartige Hunde, wenig Reiter (etwas schade für den Veranstalter, aber umso schöner für die, die dabei waren) und ein sehr abwechslungsreiches Gelände wurden den Reitern geboten. Das ehemalige Jagdrevier von Ernst-August - König von Hannover, wie der Jagdherr hervorhob. Dort gibt es nur den Wolf, den Fuchs und den Hasen, wie sich später herausstellte gab es auch das Reh. Fünf Lines waren vorbereitet und hier kommt jetzt der Fuchs in Kersten Ahnen zum Tragen.

Selten erlebte ich so abwechslungsreiche und durchdachte Schleppen. Das Gelände wechselte ständig von eng zu weit, mal Waldweg oder besser noch schmale Schneise, dann wieder großzügige Wiesen- und Weideflächen. Dabei wurde immer wieder der einfache Weg verlassen, um einen Pfad durch den Wald zu suchen. Kante runter, rechtsrum, ein Stück gerade aus und wieder links die Kante hoch, oben angekommen in Schlangenlinien durch die Bäume und wie zufällig lag genau dort ein Baum im Weg. Das Geläuf sehr unterschiedlich, im ersten Run teilweise tief und matschig, danach perfekter Sand dafür etwas hügeliger. Schnell verlor man die Orientierung, nur einige markante Punkte im Gelände ließen erkennen, dass die Jagdgesellschaft sternenartig immer wieder zur "Raketenstraße" ritt. Trotz der anspruchsvollen Wegeführung kam das Jagdfeld gut zum Galoppieren, die Lines waren nicht kurz und forderten Kondition und Aufmerksamkeit vom Reiter und Pferd. Hier musste schon geritten werden, das war kein Sonntagsspaziergang. 
Die Hamburger Foxhounds wurden deutlich gefordert, so kam es zu einigen Überläufen. In den Schleppkurven fanden die Hunde die Schleppe wieder, ließen das deutlich sehr laut hören und jagten auf dem Scent mit sehr viel Esprit weiter. Beeindruckend zeigten sich die Hunde auf den Wiesenflächen, wenn sie den Bogen schön nach rechts liefen um dann in einem großen Bogen vor dem Jagdfeld die Wiese scheinbar an irgendeiner, willkürlich gewählten Stelle verließen um lautstark durch den Wald zu jagen. Durch die scheinbar eher willkürlich gewählten Übergänge jagten die Hunde im großen Bogen teilweise durch den Hochwald. Dabei liefen die Hunde in kleinen Gruppen mit gutem Abstand neben dem Jagdfeld her, um auf die führenden Hunde aufzuschließen. Das sind Momente, welche dem Reiter in Erinnerung bleiben.

Auf der vorletzten Schleppe liefen die Hunde korrekt der Schleppe nach, wir Reiter waren allerdings allesamt zu langsam und standen plötzlich vor einem Weidezaun, sahen und hörten die Hunde noch und mussten etwas improvisiert den weiteren Weg suchen. Das Pack deutlich früher als die restliche Gesellschaft am Ende der Schleppe. Dort wurden die Hunde von den Schleppenlegern, dem Foto-ix Thomas, dem Notarzt Max und Silke Christ gehalten.

Auf der letzten Schleppe wurden die Foxhounds noch mal richtig laut. Hier hatten die bislang nicht erwähnten Rehe gekreuzt. Die Equipage war gefordert, und es dauerte einen Moment, bis die Hunde wieder beieinander waren. So ging die Schleppjagd stürmisch zu Ende. 
Die Kinder des örtlichen Kindergartens waren eingeladen beim Halali dabei zu sein. Dort traf der Nikolaus in eleganter Kutsche ein und verteilte kleine Geschenke. Ein schokoladiger Schachzug, denn unter den kleinen Zuschauern waren auch Kinder bzw. Enkel der Landeigner – so kann man auch Danke sagen für die Erlaubnis zum Bereiten der Flächen. Auch die Reiter, vom Chorleiter Joachim Blohme inspiriert, sangen dem Nikolaus zu Ehren ein Ständchen und wurden mit einer Gabe belohnt.
Ein rundherum gelungener Tag. Ich freue mich jetzt schon auf eine Wiederholung.
Text: Falk König und Bilder: Thomas Ix. Die ganze Jagd kann man einsehen unter foto-ix.de.