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Jugenderinnerungen vom Brauereiknapp

Der Blick zurück – manchmal löst ein Jahresrückblick Erinnerungen aus, die viel weiter zurück reichen als nur bis in den Januar. So ging es Barbara Frommhold als sie auf Schleppjagd24 die Jahresbilanz 2021 der Cappenberger Meute sah. Vor einem halben Jahrhundert waren die Hounds nahe des Schloss Cappenberg der Grafen Kanitz zu Hause.

„Mein Name ist Barbara Frommhold, geb. Ochsenfeld, gebürtig aus Lünen – Wethmar. Durch Zufall bin ich auf die Seite Schleppjagd 24 gestoßen und ich konnte in Erinnerungen schwelgen!
Die Cappenberger Hunde am Brauereiknapp sind mir noch in guter Erinnerung. Ich bin damals als junges Mädchen fast täglich dort in den Ställen ein- und ausgegangen. Unterricht konnten mir meine Eltern damals nicht finanzieren, trotzdem war ich in jeder freien Minute mit den anderen Mädchen oben am Stall, irgendetwas war immer zu tun, zu erleben.  Reitlehrer waren damals Jürgen Trettin und Franz Jandrey. Ein unvergessener Mensch war „Scholli“ (von Seidlitz, sein richtiger Namen wurde selten genutzt). Die Meute befand sich damals auf einem großen Areal hinter der Reithalle. Es war für uns Mädchen eine große Ehre, wenn wir mit mehreren Hunden, angeleint an Strohbändern, spazieren gehen durften. Ich kann mich erinnern, dass uns die Hunde mehr vorwärts gezogen haben, als dass wir das Tempo bestimmen konnten.
Ein Bild werde ich nicht vergessen, als Franz Jandrey sich mit einem ausrangierten Auto auf den Weg ins Gelände machte, um die Hunde zu trainieren. Vorne weg das nicht mehr ganz vollständige Auto mit Jandrey, dahinter die kläffenden Hunde – so verschwand die Gruppe oben über den Springplatz ab ins Gelände!
Ich bin sehr froh über die Zeit, die ich dort verbringen durfte, möchte es nicht missen!
Inzwischen lebe ich in Bonn, bin den Pferden treu geblieben, bin stolze Besitzerin eines 12 jährigen Schimmels, der inzwischen schon der zweite vierbeinige Begleiter ist.
Es war eine tolle Zeit dort oben am Stall!!! Das ist leider so heute nicht mehr möglich!



Voltigierunterricht kostete damals 3 Mark. Viele Namen ich habe ich leider nicht mehr parat, aber so einige Pferdenamen sind noch in meinem Kopf. Da gab es die beiden Rappstuten Elfi und Friesin, vor allem Friesin war für die Anfänger da. Mecki, ein Rotfuchs mit einem ganz schwer auszusitzenden Trab, Goldammer, eine Schimmelstute, Perserin, eine Fuchsstute, dessen Fohlen mich beim Reinholen heftig ans Knie getreten hat. Frithjof, Goldfing, Amfortass, Latomarsch. Dann Cassim – das war der Fuchs von Herrn Trettin (oder Trittin ?). Dieses Pferd sollte ich einmal nur im Schritt oben hinter dem Sandplatz bewegen. Herr Trettin half mir so beherzt aufs Pferd (ohne Sattel), dass ich über das Pferd flog und so auf der anderen Seite auf dem Betonboden des Waschplatzes des unteren Stalltraktes landete. Meine linke Kopfseite bzw die Gesichtshälfte sah dementsprechend aus! Ich bin direkt wieder aufs Pferd, dieses Mal mit weniger Schwung und habe Cassim noch im Schritt bewegt. Meine Eltern bekamen einen großen Schrecken, als ich abends zu Hause eintraf.
Wir, die anderen Mädels und ich, sind bei fast jedem Turnier als helfende Hand mitgefahren, alles ganz unkompliziert. Auf den Turnieren sprachen wir doch so gut wie jeden Turnierreiter an, um dessen Pferd trocken reiten zu dürfen! Ohne Kappe, ohne Reitausrüstung – heute unmöglich!
Einige Namen habe ich noch im Kopf, die schon etwas älter waren als ich (Jahrgang 1961), die von Herrn Jandrey gefördert wurden. Ich kann mich erinnern, dass wir im Unterricht noch Besenstiele bzw Rundhölzer zwischen die Ellenbogen klemmen sollten, um das gerade Sitzen zu üben! Und Runde um Runde ohne Steigbügel im Trab aussitzen! Einmal sollte ich ganz spät abends in einer Reitstunde von Herrn Jandrey dazu kommen, ein bestimmtes Pferd satteln gehen. Ich war so erfreut und gleichzeitig so aufgeregt darüber, dass ich das Pferd vollkommen falsch getrenst, sogar Trense und Halfter irgendwie alles zusammen geschnallt habe, viel zu spät in der Reithalle ankam, Herr Jandrey keine Zeit mehr für mich hatte. Ich hatte viel zu lange gebraucht, vor lauter Aufregung!  Was hatte ich da eine Not!!
Ein anderes Mal sind meine Freundin und ich spontan mit Herrn Jandrey zum Decken einer Fuchsstute mitgefahren, er nannte es Aufklärungsunterricht!“
Text und Fotos: Barbara Frommhold


Dazu passt auch das Bild aus dem Familienalbum von Nicole Wolf (RWS). Es zeigt ihren Vater als Schleppenleger für Franz Jandrey und seine Cappenberger Meute. Man beachte die farbliche Abstimmung des Kanisters passend zum Roten Rock.
Foto: privat