Wie lange bleibt ein Geheimtipp wohl weiter geheim? Wenn zu viele Leute davon wissen, dann ist er ja keiner mehr. Die Frage muss man sich stellen bevor man sich hinsetzt und von der Jagd in Eitze erzählt. Wer gesehen werden will, der reitet woanders. Wer den Sport pur genießen will, der fährt an die Aller.
Samstag vor Totensonntag: da streckt der Winter schon mal seine frostigen Fühler aus. Minus sieben Grad am frühen Morgen! Trotzdem kommen 30 Reiter zusammen am unspektakulären Stelldichein-Platz in den Lutter Wieschen. Port und Brote, drapiert auf einem Gartentischchen, daneben ein Feuerkorb. Aber inzwischen ist der Himmel blitzeblau, die Kälte fühlt sich nicht mehr grimmig an sondern motiviert zu Bewegung.
Die Niedersachsenmeute wird geführt von Max Sponagel, der in Eitze schon die seltsamsten Wildberührungen erlebt hat. In diesem Jahr werden am gleichen Tag in den angrenzenden Jagdrevieren Drück- und Treibjagden veranstaltet, da ist erst recht mit Überläufern zu rechnen. Das Gelände zwischen der Landstraße nach Walsrode und der Aller und die dort ansässigen Landeigner erlauben keine drastischen Variationen, deshalb hat er sich etwas Neues ausgedacht um den Hunden Arbeit zu machen. „Wenn ihr die Hunde nicht seht, dann sind sie nicht weg sondern machen ihren Job“, erklärt er bei der Ansprache.
Mechthild von Lucke soll die Schleppen in größere Bögen legen und auch mal durch Unterholz, die Reiter nicht nur hinterher hetzen sondern die Nasenarbeit der Hounds beobachten. Anja Cohrs und Hedda Roggenbuck sind als Anlieger bestens vertraut mit dem Gelände und zeigen der Schleppenlegerin den Weg. Der eine Schimmel ist völlig unerprobt, der andere im Springparcours bis Klasse S zuhause. Beide sind zunächst ziemlich überwältigt von dem ungewohnten Umfeld, aber nach den ersten beiden seeeehr langen Schleppen gut zufrieden, einmal richtig Pferd zu sein und zwischen den Lines auch gerne Schritt zu gehen.

Die freundlichen, deutlich erneuerten Hindernisse sind einladend und der Umgebung angepasst. Der Aufbau war eine Herausforderung für den „harten Kern“ um Familie Behrendt und den Jagdherrn Karl Wallis im Verdener Schleppjagdreit-Verein (VSJRV). Schließlich ist Eitze schon die dritte Veranstaltung im Jahr, wo andere schon ein einziges Event nicht mehr auf die Beine stellen können, weil die Helfer sich auf ein Dressurviereck oder sogar das Sofa zurückgezogen haben.
Nach gut zwei Stunden die letzte Schleppe, ein Genussstück auf dem Außendeich der Aller. Wenn es die Situation erlaubt (und beim Tempo die Augen noch nicht tränen), dann können die Reiter hier noch einmal das unvergleichliche Panorama der niedersächsischen Tiefebene genießen. WEITE bis zum Horizont…. Aber dann warten schon die Bläser der bien aller, die in Verden zu Hause sind und beim VSJRV immer zum unvergleichlichen Flair beitragen. Halali und Curée für die Hunde, alle 22 inklusive des gekoppelten Paares haben gute Arbeit geleistet.
Und eine Reiterin ist ganz besonders zufrieden heute. Was für ein Geschenk! Caroline ist heute 16 geworden und durfte zum ersten Mal den neuen grünen Jagdrock tragen, der ihr bei der Verdener Herbstjagd verliehen worden war für 25 Jagden. „Viel wärmer als das Turniersakko“, spielt sie ihren Stolz auf den neuen Dress, den man ihr schon von weitem ansehen kann, supercool herunter. Und auch den Zuschauern wird warm bei dem Gedanken, dass hier die nächste Generation die Passion schon weiterträgt.
Text: PS und Bilder: Jens Richter und PS