Die Masse macht’s nicht. Meutehunde fühlen sich auch in einer „Klein-Familie“ wohl und eine Umwidmung zum Haushund lässt sich auch ein Meutehund gern gefallen. Dr. Harald Mayer und seine Frau Ulli berichten von ihrem lebhaften „Doppel-Pack“. Zapp kommt aus einem Zwinger im Tierheim, Zipp aus dem Kennel einer aktiven Meute und beide lassen es sich jetzt im Wohnzimmer in Leichlingen wohl sein. Lesen Sie hier von Zipp und Zapp:
„Wir reiten seit mehr als zwei Jahrzehnten hinter Hunden; meistens hinter Foxhounds. Begonnen hat diese Leidenschaft mit und rund um den Schleppjagdverein von Bayern, und sie ist mit unserem Exodus ins Rheinland keineswegs schwächer geworden. Unsere „Privathunde“ – stets im Doppelpack Rüde & Hündin – waren bis dato immer Dobermann-geprägt und kamen über Tierheime zu uns. So auch Dorian, genannt „Do“, der uns vom 2. bis zu seinem 14. Lebensjahr begleitet hat, und Zhara, die jetzt 8-jährig ist. Wir nennen sie schon lange „Zapp“, weil sie manchmal extrem aktiv und zappelig ist, und weil es einfach zu ihr passt.
Als wir Dorian im Sommer 08 schließlich aufgrund seiner allgemeinen Altersschwäche in den Hundehimmel entlassen mussten, kam der Foxhound „Zipp“ zu uns. Wir kannten uns seit seiner Welpenzeit in der Meute. Er wurde unser Patenhund, wir haben ihn als hoch motivierten Junghund an der Leine auf seinen ersten Schritten ins und im Pack begleitet und waren gemeinsam jagen, bis wir uns dann umständehalber etwas aus den Augen verloren haben. Als wir erfuhren, dass er –mittlerweile kastriert- abgegeben werden sollte, war klar: „Zipp“ kam zu „Zapp“. Ein durchaus spannendes Unterfangen für alle Beteiligten, viel einfacher in den Punkten, in denen wir Schwierigkeiten erwartet hatten, und dafür mit Überraschungen, die wir keineswegs vorhergesehen hatten.
Die erste Begegnung der beiden Hunde verlief mehr als distanziert; keiner schien vom anderen wirklich Notiz nehmen, geschweige denn Kontakt aufnehmen zu wollen. Die erste Nacht verbrachte „Zipp“ alleine im Zwinger; sicher ist sicher. Als nicht ganz so sicher erwies sich allerdings unser Zaun; eine Ecke zum angrenzenden Feld war zwar verwuchert, aber von außen bei der Ernte beschädigt worden, was wir nicht bemerkt hatten.
Fazit: am zweiten Nachmittag war „Zipp“ weg und in den Wupperbergen verschwunden. Anrufe bei Polizei und Tierheimen blieben erfolglos; wir waren niedergeschlagen und vor allem mit uns selbst im Unreinen wegen des Zaunes. Unsere unausgesprochene Prognose war den sehen wir nicht wieder… Nachts blieben die Gartentore und der Zwinger auf; jede Stunde ein Taschenlampenstrahl vom Schlafzimmerfenster zum Zwinger: leer! Aber: Im Morgengrauen war im Schlupf ein Hundegesicht erkennbar; das Kerlchen hatte den Rückweg gesucht und gefunden: Freude und Dankbarkeit waren groß.
Nach und nach vollzog sich die Metamorphose vom Meute- zum Familien-, und vom Zwinger- zum Haushund. Sauberkeit, Schlafkorb und absolute Aggressionsfreiheit waren keinerlei Problem, und es war mehr als interessant, wie „Zipp“ schrittweise das Haus erkundete; Neugier und Vorsicht hielten sich die Waage. Ob er allerdings schon immer ein Faible für Wischlappen und Billigheimer Armbanduhren hatte, oder dies erst bei uns entwickelte, wird sein Geheimnis bleiben. Jedenfalls sind diese beiden Produktgruppen in keinster Weise vor ihm sicher, und trotz erhöhter Aufmerksamkeit unsererseits macht er immer wieder Beute. Diese erscheint dann entweder als bunte Faserreste in seinen bemerkenswert großen Krapfen oder als armbandloses Uhrgehäuse irgendwo im Garten.
Apropos Garten: Den begeht „Zipp“ wie kein anderer Hund vor ihm; will sagen Rosenbeete, Rhododendren etc werden im Jagdgalopp und von allen Seiten durchquert, und ohne jede Rücksicht auf Flurschäden. Dass das für alle anderen Gartenbereiche mindestens ebenso gilt, ist –zumindest für ihn- selbstverständlich.
Zwischenbilanz: Nach gut eineinhalb Jahren mit „Zipp“ und „Zapp“ empfinden wir uns als relativ normale Menschen – Hunde – Kommune und wir sind sicher: wir werden auch weiterhin gemeinsam Überraschungen erleben.“