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Heisse Sache: Junghundeschau 2010

Klein, fein, hitzebeständig war die Gesellschaft der Jagdreiter, die bei 37 Grad zur Junghundeschau der deutschen Meutehalter am Haus Schwarzenstein zusammenkam.  179 Hounds aus drei Rassen und 14 Meuten wurden präsentiert.  Trotz kurzfristiger temperaturbedingter Entschuldigung der Asbach-Meute waren das 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zuchtprobleme scheinen überwunden, und gleichzeitig ist der Nachwuchs vor allem bei den Foxhounds qualitätsvoller geworden.

 

Zehn Rüden aus vier Meuten gelangten in den Endring und acht davon wurden mit dem begehrten „s.g.“ belohnt. Champion 2010 ist der braungefleckte Cognac aus der Sauerland-Meute vor  dem sechs Monate älteren Walter vom RWS. Bei den Hündinnen konkurrierten gar elf aus fünf Meuten im Endring. Sieben erhielten sehr gut. Der Titel ging an Wanda (RWS) vor Jill von der Mecklenburger Meute.

Vor allem der W-Wurf des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdvereins überzeugte. Für sechs der acht Geschwister gab es „sehr gut“. Kennelmanagement und Gesundheit in Deutschland lassen nach Ansicht der Richter keine Wünsche mehr offen. Über den in der Hitze aufgeweichten Dress-Code verloren sie als höfliche Gäste kein Wort. Rory Knight Bruce – wie Frank Houghton Brown und Moderator Stefan Entel tapfer unterm Bowler - verstieg sich allenfalls zu dem Hinweis, dass die Hunde ihr Fell ja auch nicht ablegen könnten.

Den separaten Beagles-Ring dominierte die Vogelsberger Meute, die drei von vier Titeln gewann. Alf  und Adam wurden Champion und Reserve-Sieger bei den Rüden, ihre Schwester Amy ist Championesse, gefolgt von Trüffel aus der Beagle-Meute-Lübeck. Die Martens-Geschwister Richard und Magdalena waren mit acht Koppeln aus dem Norden  angereist. „Aber wir haben zur Zeit Probleme mit Posthorn-Ruten“, wusste der junge Joint-Master und Veterinärkunde-Student schon vorher. Ob gute Hunde vielleicht doch eine Farbe haben werden die Vogelsbergern demnächst beobachten können. Ihr  A-Wurf mit sieben Welpen gewann den Pokal für die beste Aufzucht. Aber Championesse Amy ist schokoladenfarben, und in England wissen besonders Kluge, die jagten angeblich nicht. „Das wird interessant zu beobachten“, fand Lynn Clinkard, die wieder als Jurorin fungierte. Die seit vielen Jahren mit der Schwarzensteiner Entwicklung vertraute Beagle-Richterin vermisste in diesem Jahr den strahlenden herausragenden Sieger, fand jedoch die Hündinnen insgesamt qualitätsvoller als die Rüden. Sie stellte außerdem fest, dass die deutschen Hunde besser geschlossene Pfoten zeigen als einige zu Hause in England. Und sie lobte vor allem die Präsentation der Münsterländer Beagles, die Thorsten Witte gut in Szene setzte. „Die Hunde haben wir wahrscheinlich besser bewertet als sie in Wirklichkeit sind, aber sie stellten sich einfach super hin und machten Eindruck.“

 

Kleiner Trost für Witte, dessen Partnerin Maria Gillissen direkt aus dem Krankenhaus verletzt auf der Bank sitzen bleiben musste. Die Münsterländer Schleppenlegerin ist bei der Erkundung der Optionen für die Schauschleppe gestürzt. Nicht nur wegen ihres Ausfalls sondern mehr noch wegen der tierfeindlichen Temperaturen wurde die Schauschleppe in diesem Jahr ausgesetzt. „Wir kommen nächstes Jahr“, versicherten die Münsterländer.

Der Belgier Jacques van Unen bewertete die Harrier, die in Deutschland nur bei der Böhmer Meute geführt werden und lobte „den Enthusiasmus“ des Masters und seiner Hunde aus eigener Zucht und Ankäufen. Für 20 Hunde gab es elf Mal „gut“. Französische Hunde wurden in diesem Jahr nicht vorgestellt.

Zwei „Excellent“  vergaben die Richter nach einem zweiten Blick auf die Reserve-Championessen des Vorjahres: Viola (RWS) und Zora (Vogelsberg-Meute) haben sich noch besser herausgemacht. Und „fast das Ideal“ sahen die Zuschauer bei den Ankäufen. An Duckett von der Beaufort-Meute konnte Frank Houghton-Brown erläutern wie ein moderner Foxhound-Rüde aussehen soll. Der Sohn eines Peterborough-Champions ist jetzt zu Hause im Kennel des RWS.  Der zweite Neuzugang Daring, ebenfalls vom Duke of Beaufort importiert,  stand ihm kaum nach. Bei der Engländerin Dahlia, die der Rheinland-Master Arndt Wester  von Barbara Siegel und Dorothea Wahl präsentieren ließ, wurde das Lob diskret geäußert. Sie stammt aus der Meute von Frank Houghton Brown, und der mochte sich verständlicherweise nicht äußern. Die Rheinland-Meute agiert zur Zeit „ambulant“. Nach dem Auszug aus dem Kennel bei Bonn wird ein neues Domizil gesucht. Die Hunde sind derweil verteilt auf Mitglieder der Equipage. „Aber ein Reitgelände von 400 Hektar haben wir, und das ist das Wichtigste“, arrangieren sich alle Rheinland-Meute-Leute mit der augenblicklichen „On the go“-Situation.

 

Nur bei den Foxhounds gab es eine Entscheidung in der Koppelklasse. Bei den Rüden siegten die Hamburger Remus und Quattro vor Zorro und Zyklon aus Bayern. Darüber war keiner mehr erstaunt als ihr Master Dieter Backasch, der leger in zivil zuschaute und seinen jungen Joint-Master Dorian Tackenberg im roten Rock in den Ring geschickt hatte. „Ich wollte die Idee der Koppelklasse weiter unterstützen. Dass es diese beiden sind, die mit sollten, habe ich mir spontan nachts überlegt.“  Bei den Hündinnen standen Viktoria und Vivien (RWS) vor Ulla und Umbra von der Niedersachsenmeute. Zur Schwarzensteiner Siegerkoppel 2010 wurden die lemonfarbigen RWS-Ladies erklärt. Sie wurden gekonnt vorgestellt von Master Christian Coenen und Huntsman Heiko Burchardt.  „Superb showing“ bescheinigte Rory Knight Bruce. Während die Koppelklasse das Ziel hat, den gesamten Standard einer Meute zu dokumentieren, sind die vergleichenden Bewertungen von Rüden und Hündinnen seiner Ansicht nach eher „der Zuckerguß auf dem Kuchen“, also nett, aber nicht wirklich wichtig, und sie werden auch nicht bei jeder englischen Show abgehalten. „Apfel mit Birnen vergleichen“, bemängeln die einen, aber die anderen in England haben dazu eine von der Höflichkeit diktierte Richtlinie: „Im Zweifelsfall sagen wir Ladies first“, verriet Knight Bruce. In Schwarzenstein war die Gegenüberstellung aber in diesem Jahr eindeutig und so wurde dem Sauerländer Cognac der Vorzug gegeben vor der Rheinisch-Westfälischen Wanda.  Und auch bei der Harrier-internen Bewertung stand der Rüde Lektor als Allerbester vorne.

„Ladies first“ heißt es aber jetzt in jedem Fall bei der Warendorfer Meute. Beate Rehr übernahm die Mastership von ihrem Vater Willy, der die Meute vor 31 Jahren gegründet hat und der sich im vorigen Jahr mit dem Guinness-Rekord sein Denkmal gesetzt hat. Im Alter von 71 Jahren hat er vor Publikum das Rufhorn für die Hunde seiner Tochter übergeben. Dass er damit ganz richtig liegt, bestätigten die Richter gleich bei der ersten Laufsteg-Parade der neuen Chefin. Die Warendorfer Hündin Gunda wurde als sehr gut eingestuft.


 
Ein blumiges Dankeschön an Stephanie Boss beschloss den heißen Nachmittag bevor König Fußball das Regime für das nicht weniger heiße WM-Viertelfinale gegen Argentinien übernahm. Vor siebzehn Jahren hat sie das Sekretariat für ihren Vater Günther Dörken zum ersten Mal übernommen. Inzwischen ist sie für die Deutsche Schleppjagdvereinigung verantwortliche Leiterin der Schau, die als zentrale Veranstaltung der Jagdreiterei in Deutschland gilt. „Die Junghundeschau ist die Zentrale der Tradition. Ohne dieses Meeting verliefe das Jagdreiten in viele verschiedene Richtungen und drohte zu zersplittern,“ fand ein Besucher.             Petra Schlemm


Champions 2010
Beagle-Rüden
Champion:  Alf (Vogelsberg-Meute)
Reserve: Adam (Vogelsberg-Meute)
Beagle-Hündinnen
Championesse: Amy (Vogelsberg-Meute)
Reserve: Trüffel (Beagle Meute Lübeck)

Foxhound-Rüden:
Champion: Cognac (Sauerland-Meute)
Reserve: Walter (RWS)
Foxhound-Hündinnen:
Championesse: Wanda (RWS)
Reserve: Jill (Mecklenburg)

Koppelklasse:
Foxhound-Rüden: Remus/Quattro (HSJV) vor  Zorro/Zyklon (SvB)
Foxhound-Hündinnen: Viktoria/Vivien (RWS) vor Ulla/Umbra (Niedersachsen-Meute)
Schwarzensteiner Siegerkoppel: Viktoria & Vivien (RWS)
 

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