Cleverness, Härte, Zähigkeit - das macht einen guten Foxhound aus. Noch dazu, wenn er aus „guter Familie“ kommt. Isa aus der Taunusmeute ist ein gutes Beispiel für großen Überlebenswillen. Sie hat ganz allein in der Fremde den kalten Winter 2009/2010 überlebt. Ihre Paten, Wulf und Anni Otto, berichten:
Am 7.Dezember 2009 fing ihr neues Leben an. Isa war mit acht Jahren nach Ansicht der Master reif für die „Rente“. Also gaben wir sie ab zu Familie Langmann in Dillenburg, Schwester und Schwager von uns. Dort wurde sie schon erwartet von Kriemhild. Das ist eine Nichte von Isa, Tochter ihrer Schwester Iris. Der I-Wurf war einer der herausragenden in der Geschichte der Taunusmeute, welcher bei der Junghundeschau in Schwarzenstein den Wanderpokal für die beste Aufzucht gewonnen hat. Isas Brüder Idefix und Irvine wurden Champion und Vizechampion, ihre Schwester Iris wurde Vizechampioness und Isa selbst ist mit sehr gut bewertet worden. Auf der Jagd war sie laut und spurtreu, ein guter Meutehund.
Soviel zur Vorgeschichte eines bemerkenswerten Hundes. In Dillenburg lebte sie sich gut ein und vertrug sich auch bestens mit Kriemhild. In dem großen Park am Wilhelmsturm konnten die Hunde nach Herzenslust rennen und toben.
Alles wäre keinen Bericht wert gewesen ohne Silvester 2009. Die beiden Hunde gingen mit einer Bekannten von Langmanns spazieren, als plötzlich die ersten Böller knallten. Während Kriemhild die Sache gelassen hinnahm, riss Isa sich los und rannte in Panik davon. Da an diesem Abend und in der folgenden Nacht noch viele Böller gezündet wurden, hatte sie keine Zeit wieder zur Besinnung zu kommen.
Langmanns waren verreist. Wir wurden sofort benachrichtigt und gingen auf die Fährte. Am Neujahrstag wurde Isa schon in Hörbach bei Herborn gesehen, zwei Tage später in Guntersdorf, also war sie unterwegs Richtung Westerwald. Da alle umliegenden Tierheime und Polizeistationen informiert waren, in den Zeitungen ständig Anzeigen von uns geschaltet wurden, bekamen wir immer wieder Nachricht, manchmal allerdings auch erst ein, zwei Tage später. Wenn wir dann zu den genannten Orten kamen, war der Hund wieder weiter gezogen.
Natürlich waren unsere Gedanken ständig bei Isa. Wie kann die Hündin bei diesen eisigen Temperaturen - nachts bis – 20 ° mit unglaublich viel Schnee – überleben? Wo bekommt sie etwas zu fressen? Und wie verhält sie sich im Verkehr bei der Überquerung von Straßen? Die nächste Meldung aus Mengerskirchen. Sie hatte sich mehrere Tage in der Nähe eines Aussiedlerhofes aufgehalten, war dort gefüttert worden und hatte den Spuren im Schnee nach im Heu übernachtet. Als jedoch einige Leute versuchten, sie einzufangen, ging sie wieder auf die Wanderschaft. Die nächste Standortmeldung kam aus Klein-Weinbach nahe Weilburg. Hier war auf einem Bauernhof, weit draußen am Ende der Straße geschlachtet worden, und Isa holte sich die Schlachtabfälle, die auf dem Hof herumlagen. Die Bäuerin schilderte uns den Hund so genau, dass wir glaubten, Isa müsste jeden Moment um die Ecke kommen. Wir hielten uns einen Nachmittag in der Gegend auf und ließen das Rufhorn erschallen, bis es eingefroren war. Aber das Hundchen war wieder weiter gezogen.
Der nächste Anruf kam aus Löhnberg, aber nach intensiver Befragung von verschiedenen Nachbarn wußten wir, das ist ein anderer Hund. Mittlerweile war unsere Suche nach Isa bekannt geworden. Viele wollten helfen. Aber jeder Anruf war für uns eine große Enttäuschung, Isa blieb verschwunden.
Dann hörten wir etwa zehn Tage nichts mehr, bis am 9. Febr. nachmittags ein Anruf vom Tierheim Dillenburg kam. Die Hündin sei in Rennerod eingefangen, wieder auf einem Hof in Alleinlage und sehr viel Schnee. Wir ließen alles stehen und liegen und fuhren los. Es war tatsächlich Isa - oder was von ihr übrig geblieben war: nur noch Haut und Knochen. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum sie sich endlich einfangen ließ. Sie war mit ihren Kräften am Ende. Aber sie trug noch ihr Halsband, zwar viel zu weit jetzt und ohne Hundemarke. Die war auf ihrer Wanderschaft
verloren gegangen.
Aber sie ist nicht verletzt, und nach einer Nacht im warmen Pferdestall ist sie ganz munter, nimmt an ihrer Umgebung regen Anteil, hat natürlich Riesenhunger, den wir nur ganz allmählich befriedigen können, dazu viel Durst, also total ausgetrocknet. Ein großes Dankeschön an alle, die uns bei der Suche behilflich waren.
So endet Isas Geschichte mit einem glücklichen Ende. Viel aufregender wäre der Bericht natürlich aus ihrer Sicht, aber der wird immer Isas Geheimnis bleiben.