Züchten für den Sport – das gilt für Meutehunde wie für Pferde. Es war ein Experiment, das die Junghundeschau der Deutschen Schleppjagdvereinigung in diesem Jahr beherrscht hat – und im Vorfeld reichlich und bisweilen heftig diskutiert worden war: Wie laufen die jungen Hunde auf der Schleppe? Sind sie nicht nur schön sondern auch so leistungsbereit und gleichzeitig gehorsam, wie es unsere Umwelt heute fordert? Mit großer Spannung war der Probelauf auf dem Weg zu einer freiwilligen „Betriebsprüfung“ erwartet worden. Drei Meuten absolvierten auf dem großen Platz am Haus Schwarzenstein den Demo-Testlauf. Alle hätten im ersten Anlauf mit Bravour bestanden.
Aus acht Metern Höhe von einer Plattform wurde alles zur späteren Auswertung mit der Kamera festgehalten: Die Böhmer Harrier mit Thorsten Mönchmeyer und drei Pikören machten den Anfang mit einer Schrittrunde um den Platz, die Junghunde deutlich mit farbiger Halsung gekennzeichnet, wie angeklebt hinter dem Masterpferd. Abstellen der Meute am Billard mitten auf dem Areal, der Master entfernt sich, reitet wohl zweihundert Meter vor bis zu den Zuschauern, erklärt in aller Ruhe sein Trainingsprogramm und pfeift erst dann seine Hunde heran, die auf direktem Weg rasend schnell zu ihm flitzen und millimeter-genau abstoppen – fremde Hunde, das „Reh“ (Justus Schmidt-Sasse) auf dem Fahrrad, die vielen Leute, der Bratwurst-Stand – alles keine Ablenkung. Immer dicht am Pferd antraben, angaloppieren, ganze Parade zum Halten – nur mit der Stimme kontrolliert. „Fantastic job“, kommentierten die drei englischen Richter und hätten am liebsten sofort „100 points“ gegeben.
Der Schleppjagdverein von Bayern führte seine Foxhounds noch einen Tick enger. Toni Wiedemann und seine Equipage zeigten die Junghunde aus drei Würfen, die zuvor bei der Championats-Sichtung schon mit Bestnoten geglänzt haben. Die Pferde und eine dritte Pikörin haben die Gastgeber vom Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein gestellt.
Gelassen beobachten alle nach dem „full Stopp“ vor den Zuschauern den Einzug der RWS-Meute, die wie gewohnt aus dem eigenen Kennel hinter dem Schloss herangeführt wird. Auch Christian Coenen erledigt die Aufgaben souverän und ohne Stockung bis schließlich alle drei Meuten gemeinsam im „full cry“ auf der Schleppe sind, bis hinunter an die Lippe-Wiesen. Die jungen Hunde zeigten eindrucksvoll, was sie in der anstehenden Herbstsaison in Echtzeit leisten werden. „Das war klasse“, fand nicht nur der neue Vorsitzende der Deutschen Schleppjagdvereinigung, Egbert von Schultzendorff.
Zertifizierung – kaum ein erfolgreiches Unternehmen verzichtet heute darauf. Bevor der „Meute-Tüv“ Standard werden könnte, arbeiten die Meuten noch an den Bestimmungen für ein Zuchtbuch. Dazu soll die schon bestehende Zusammenarbeit mit dem Jagdgebrauchshundeverein (JGHV) und dem Verband Deutscher Hundezüchter (VDH) weiter vertieft werden. Von Schultzendorff betonte: „In der Masterrunde waren sich alle einig: wir sind auf gutem Wege. Die Einzelheiten müssen noch ausgearbeitet werden.“
Seit vierzig Jahren treffen sich die deutschen Meutehalter zur Zuchtschau am Haus Schwarzenstein. Den Hundejahrgang 2010, der jetzt gezeigt wurde, kann man wohl mit Fug und Recht als „klein, aber fein“ bezeichnen. 85 Junghunde aus elf Mitgliedsmeuten wurden vorgestellt. Davon sind 23 mit sehr gut bewertet und 13 erhielten eine gute Note.
Die Zuchtschau allein hat wieder den Besuch beim RWS gelohnt. DRFV-Zuchtwart Chris Gabrielse und der Huntingbeauftragte Dr. Michael Weiler hatten die Moderation übernommen. Die beiden Tierärzte übersetzten fachkundig die Urteile der englischen Richter und scheuten auch nicht den direkten Vergleich zwischen zwei Hunden. So erlebten die Zuschauer eine interaktive Lehrschau: Materialprüfung für Hunde – transparent gemacht. Das war nicht nur unterhaltsam sondern auch besonders wertvoll, weil die Richter in diesem Jahr den leichteren Hunden deutlich den Vorzug gaben. Der „light weight hound“ belaste sich weniger und sei dadurch länger leistungsfähig, hieß es.
Die Championats-Bewertung der Foxhounds brachte nach langer Zeit wieder einen Champion aus dem Kennel des Hamburger Schleppjagdvereins: X-mas ist ein großer Erfolg für den neuen Master Dorian Tackenberg, der sich mit seiner Belegschaft nahezu un-hanseatisch freute, auch wenn der Rüde genau genommen noch als Zuchterfolg seines Vorgängers Dieter Backasch zu sehen ist. Den Reserve-Titel gaben die Richter an Zardeck aus dem Bestand des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdvereins. Zardecks Schwester Zenzi gewann den Titel bei den Hündinnen. Für den gesamten Z-Wurf erhielt der RWS den Pokal für die beste Aufzucht. Er hat den Y-Wurf mit sieben Welpen noch übertroffen, von denen vier „sehr gut“ gesehen worden waren. Die Nienhagener Foxhound-Meute holte nicht nur den Pokal für die Reserve-Siegerin Cosy sondern landete insgesamt eine 100-prozentige Erfolgs-Quote: zwei Hunde wurden vorgestellt. Beide sind mit sehr gut bewertet.
Für die Koppelklasse hatten nur der Schleppjagdverein von Bayern und der RWS Passgespanne aufgeboten. Das große Bild als Wander-Preis für die Schwarzensteiner Siegerkoppel wurde umgehend wieder ins Schloss zurückgetragen. Die rheinische Xavi und die zwei Jahre ältere Sascia stachen beide Rüden-Koppeln aus.
Dass Qualität Zeit zum Reifen braucht, sah man in der Klasse III, wo die Meuten ihren Nachwuchs zum zweiten Mal zeigen können. Der Reservechampion des Vorjahres, X-Mas vom RWS, hat sich „excellent“ entwickelt und noch besser fiel die Bilanz für die Rheinland-Meute aus: Vier mal exzellent, darunter auch die beiden Champions von 2011, Elvis und Emelie.
Der Beagle-Ring gehörte Hans Nimrichter, der inzwischen nicht mehr als „Hansi“ läuft und Master der Vogelsberg-Meute ist. Vor 40 Jahren, mit 14, hat er zum ersten Mal im Ring gestanden, hat also die erste Schau in Schwarzenstein schon miterlebt. Er stellte die Champions Edward und Ernst und dazu die Reservesiegerin Dana. Alle Hunde wurden von ihm allein präsentiert. „Das ist in England so gewünscht, damit den Richtern nicht die Lekkerlis um die Ohren fliegen und sie die Hunde besser beobachten können“, erklärte der Vogelsberger Altmaster Dr. Michael Weiler, der die Urteile von Lynn Clinkard übersetzte. Die Beagle Meute Lübeck stellt die Championesse Visa. Die Geschwister Martens erhielten für den gesamten V-Wurf mit fünf Welpen auch den Pokal für die beste Aufzucht. Die Vogelsberger lagen besser nach Punkten, zeigten aber nur vier Welpen.
Die Harrier stehen in Deutschland allein und können demnach nicht um Championatsehren antreten. Trotzdem freute sich Master Thorsten Mönchmeyer mit seinem großen Helfer-Team über zwei „sehr gut“ für Günner und Holly, die erst wenige Stunden zuvor getauft und nachgenannt worden waren. Sie waren erst am Vortag aus der Soestdijk-Meute übernommen worden. Weil es bei Hunden geht wie bei den Pferden und man das Beste lieber behält als abgibt, dürfte der holländische Master unter den Zuschauern das Urteil mit zwiespältigen Gefühlen vernommen haben.
Text: Petra Schlemm
Bilder: Jutta Nebe und Sabine Sievers. Mehr von ihr unter sieverssabine.de.
Auch Helga Koch hat fotografiert. Sie ist zu erreichen unter h.koch@foto-biografien.de.
Ergebnisse 2012:
Foxhounds:
Champion: X-Mas (HSJV) und Reserve-Sieger: Zardeck (RWS)
Championesse Zenzi (RWS) und Reserve-Siegerin: Cosy (Nienhagen)
Beagles:
Champion: Edward und Reserve-Sieger: Ernst (beide Vogelsberg)
Championesse: Visa (Lübeck) und Reserve-Siegerin: Dana (Vogelsberg)
Schwarzensteiner Siegerkoppel:
Sascia und Xavi (RWS)