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Schau als deutsch-englische Lehrstunde 

Gleichgewicht ist alles. Beim Reiten, bei Pferden – und auch bei Hunden. Wenn alles passt, dann macht das einen guten Typ, der immer gefällt, egal ob sportlich oder eher solide. Das lernten die Zuschauer bei der Junghundeschau der Deutschen Schleppjagdvereinigung am Haus Schwarzenstein, bei der die Meutehalter vor drei englischen Richtern ihren Nachwuchs präsentierten.

 

 

Bei den Schönsten passte alles:  Yorker aus der Meute des Hamburger Schleppjagdvereins stand als Champion vor Anton (RWS) und Portos (Taunus-Meute). Alle drei erhielten das Prädikat „sehr gut“. Sieben Rüden aus sechs Meuten waren in den Championatsring durchgekommen. Bei den Hündinnen holte sich Paula von der Taunus-Meute mit dem einzigen „sehr gut“ unter sechs Finalistinnen den Titel vor Amy vom RWS. Für den besten Wurf, aus dem auch Anton und Amy kommen, wurde die Rheinland-Meute ausgezeichnet. Ein „vorzüglich“ gab es für den Reserve-Champion von 2012, Zardek, aus dem Kennel des RWS.   

 

 

 



Besonders bei der Bewertung der Foxhounds waren in der Vergangenheit bei Richtern aus England Strömungen ausgemacht worden. Vermeintlich favorisierten sie den schnittigen, eher sportlich-leichten Hund, zum Nachteil einiger Meuten in Deutschland, die weiter den „old standard“ züchten, der in England in einer eigenen Klasse präsentiert wird. Umso gespannter wurde der erste Auftritt von zwei neuen Richter erwartet. Charles Carter (29) und Andrew Sallis (32) bewiesen als erstes, dass große Erfahrung  nicht automatisch mit einem hohen Lebensalter verknüpft sein muss.  Beide haben schon alle fünf bedeutenden Hound Shows in England gerichtet. Carter ist bereits seit acht Jahren Master der West Norfolk und geht mit über 100 Foxhounds dreimal wöchentlich zur Jagd. Sallis richtet seit sieben Jahren und führt (im Hauptberuf als  Komponist und Musiklehrer) die Hunde der East Sussex and Romney Marsh im Süden Englands zwei Mal wöchentlich. Souverän trennten die beiden die Spreu vom Weizen und erklärten ihre Entscheidungen sehr ausführlich. „Streng, aber gerecht“, fanden nicht nur die unparteiischen Zuschauer sondern auch die beteiligten Master.  

 

 



Zu leicht, zu schwer, zu schwach im Rücken – vor allem auf Fehlstellungen der Rute und im Vorderlauf machten Sallis und Carter aufmerksam. Während eine abgeknickte Rute nur ein - wenn auch erblicher - Schönheitsfehler ist, können gespreizte Zehen oder „Bügeln“ der Vorderhand sehr wohl die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Die Erklärungen der Richter machten aus der Schönheits-Konkurrenz eine Lehrstunde, die dazu noch unterhaltsam war durch die Übersetzungen der Moderatoren Chris Gabrielse und Dr. Michael Weiler. Als Zuchtwart der Schleppjagdvereinigung hatte Gabrielse noch ein Lob aus eigener Anschauung parat. Er hob besonders den guten Trainings- und Pflegezustand der präsentierten Hunde hervor. „Tolles Fell“ und „gekräftigt durch Training“ wurden mehrfach angemerkt.  Das vermerkten auch die englischen Richter, die darüber hinaus mit Staunen die Bandbreite der Zucht in Deutschland in Deutschland zur Kenntnis nahmen. Angesichts maximal zweier Würfe pro Jahr in jeder Meute ist eine Vereinheitlichung – wenn sie denn überhaupt gewünscht ist - nur langsam zu erreichen. „Umso wichtiger ist die Auswahl der Elterntiere“. Die ausführlichen Bewertungs-Kommentare sind dazu hilfreich.

 

 



Die Ansichten von Lynn Clinkard über den typgerechten Beagle sind bekannt. Sie richtet schon seit Jahren in Schwarzenstein, zunächst mit ihrem Mann Roy und nach dessen Tod  jetzt schon seit einigen Jahren allein. Drei Meuten präsentierten ihr drei unterschiedliche Optionen. Alle vier Titel gingen an die Vogelsberg-Meute, deren Master Hans Nimrichter auch mit der größten Anzahl Hunde angereist war. Unter den Rüden kamen zehn aus drei Meuten auf den Endring. Finn und Franz standen bei den Rüden vorn, Frieda und Flocke bei den Hündinnen.  Finn war bester Beagle der Schwarzensteiner Schau 2013, und für den F-Wurf erhielten die Vogelsberger denn auch den Aufzucht-Pokal.  Der Vorjahres-Champion Edward und die Reservesiegerin Dana wurden auf „vorzüglich“ hochgestuft.

 

 

 

 



Jeder kann immer noch was lernen. Beim Eignungstest war die Reihe dann an den Richtern. Zwei Meuten stellten sich auf dem großen Platz dem fachkundigem Publikum, den „Fremdhunden“ und den Versuchungen der „Fährte“, die mittels eines frischen Balgs gelegt worden war.

 

 

 

Barbara Siegel führte die Junghunde der Rheinlandmeute, und Beate Rehr stellte gleich die ganze Warendorfer Meute vor: 33 Koppeln, also 66 Hunde, die sich geschlossen wie ein einzelner in allen Gangarten und in jede Richtung bewegen ließen.

 

 

 

„Das hätte auch in England Beachtung gefunden“, gab Charles Carter zu. „Ich habe viel gelernt über die Schleppjagd. Darüber wusste ich bisher nicht allzu viel,“ gab er zu. Und gestaunt hat auch Dieter Kuhlmann aus dem hessischen Örtchen Linsengericht, der als Beobachter des Jagdgebrauchshundverbands die Junghundeschau miterlebte: „Als Jäger weiß ich, wie schwer es sein kann einen einzelnen Hund auszubilden und im Griff zu behalten. Aber 30 und mehr so zusammenzuhalten – Respekt.“  

 



Hier die Ergebnisse
Es war eine kleine Schau in 2013: Nur elf Meuten mit zwei Hunderassen, nachdem die Böhmer Harrier und die Sauerland-Meute noch kurzfristig zurückgezogen hatten. Auch die Koppelklasse fiel aus. Gezeigt wurden 54 Foxhounds aus sieben und 24 Beagles aus drei Meuten. „Happy hounds“ war das Gesamturteil der Richter für alle.

Foxhounds:
Rüden: Champion Yorker (HSJV) und Reserve Anton (RWS) und Portos (Taunus-Meute)
Hündinnen: Championesse Paula (Taunus-Meute) und Reserve Amy (RWS)

Beagles
Rüden: Champion Finn und Reserve Franz
Hündinnen: Championesse Frieda und Reserve Flocke (alle VM)

 

 



Dank an Stephanie Boss

Die Siegerehrung anlässlich der Junghundeschau 2013 war auch ein Abschied: Nach zwanzig Jahren hat Stephanie Boss die Organisation der Junghundeschau abgegeben. Im Namen der Deutschen Schleppjagdvereinigung und der Master dankte Dr. Michael Weiler ihr für  die sorgfältige Vorbereitung und Protokollierung der Schau – und ihre Geduld im Umgang mit der Klientel, die Pünktlichkeit und Sorgfalt bei der Abgabe der Nennungen  nicht immer zu den obersten Tugenden zählt. Als Tochter des RWS-Masters Günther Dörken ist Stephanie Boss in diese Aufgabe hineingewachsen und hat sie seither zunächst für den Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein und seit einigen Jahren für die DSJV ausgeführt. Die Nachfolge übernimmt Julia Wiesehahn (RWS).   

 

 


Text und Bilder: Schlemm