Beaufort – der Name einer der berühmtesten Meuten Englands ist Programm beim Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein. Die beiden besten jungen Foxhounds der diesjährigen Junghundeschau gehen über ihre Mutter Daring auf die Zucht des Duke of B. zurück, deren Blutlinien beim RWS des Öfteren einfließen. Der Champion der Rüden heißt sogar nach den prominenten Urhebern. Mit Beaufort und der Hündin Burghley prägten die Gastgeber vom RWS die Veranstaltung der Deutschen Schleppjagdvereinigung (DSJV) am Haus Schwarzenstein. Der gesamte B-Wurf aus Deutschlands Vorzeige-Kennel in den Lippewiesen bei Drevenack sicherte Master Christian Coenen und Huntsman Heiko Burchardt noch dazu den Pokal für die beste Aufzucht.
Jeder Zoll ein Champion – so präsentierte sich der interessant forellengetupfte dreifarbige Beaufort schon bei der ersten Beurteilung bevor er sich mit zehn anderen „gut“ bewerteten Rüden aus acht Meuten im Championatsring zu bewähren hatte. Dreimal vergaben die englischen Richter Andrew Sallis und Charles Carter hier das Prädikat „sehr gut“. Sie machten sich die Wahl nicht leicht und sahen schließlich Hugo von der Taunus-Meute als Reservesieger vor Eddi vom Schleppjagdverein von Bayern an dritter Stelle.

Beaufort erhielt den Champions-Titel wegen seiner „ausgezeichneten Bewegungen, wunderbar ausbalanciert“. Aber, so Charles Carter, „er dürfte auch keine Unze leichter sein“. (Richter sind eben nie zufrieden.) In der Gewichtsklasse hatte der lemonfarbene Hugo ihm tatsächlich einiges voraus: ein kräftiger Foxhound, den die Taunus-Meute an die Rheinland-Meute abgegeben hat.

Bei den Hündinnen schafften neun von 48 den Durchmarsch auf den Championatsring, wo ebenfalls drei „sehr gut“-Noten vergeben wurden. Burghley vom RWS war die unangefochtene Siegerin. Um den Titel der Reserve-Championesse setzte sich Happy von der Taunus-Meute durch gegen Zita vom Hamburger Schleppjagd-Verein. Wie ihr Bruder Hugo firmiert auch Happy inzwischen für die Rheinland-Meute und wurde deshalb von Barbara Siegel mit vorgestellt.

Die Koppelklassen, bei der zwei möglichst gute Passer nebeneinander zu zeigen sind, werden gemeinhin als „Schaunummer“ angesehen. Sie ist jedoch vielmehr ein guter Maßstab, um das Gleichmaß der Zucht innerhalb einer Meute zu dokumentieren. Umso erfreulicher, dass fünf Rüden-Paare vorgestellt wurden, drei allein aus Bayern. Der Sieg ging hier an Yorker und Yes vom Hamburger Schleppjagdverein. Die Foxhounds wurden auch als Schwarzensteiner Siegerkoppel ausgezeichnet. „Schönste von allen“ sozusagen, setzen sie sich auch gegen die Koppel der Hündinnen vom RWS durch: Yoyo und Else.

Ein tiefer Seufzer dazu von Toni Wiedemann und seiner Bayern-Mannschaft, die 27 (!) Junghunde aus vier Würfen mitgebracht hatten aus Pöttmes-Koppenzell. „Schwerarbeit“, befanden die Masterkollegen, übereinstimmend neidlos bis schadenfroh. Der Bayern-Chef nahm es gelassen und gab sich pflichtbewusst.: „Es nützt ja nichts. Die Hunde müssen ja eingetragen werden.“

Spätestens bei dieser allerletzten Bewertung haben die englischen Richter ihr Können und Erfahrung bewiesen. Die beiden jungen Männer, 30 und 33 Jahre alt, scheinen ihren klassischen „old English“ Richter-Anzug mit Nadelstreifen und Melone wie eine Verkleidung beim Kinder-Kostümfest zu tragen. Aber das täuscht den flüchtigen Betrachter. Charles Carter und Andrew Sallis gehen als Huntsman und Master mit ihren Meuten – West Norfolk und East Sussex & Romney Marsh - bis zu drei Mal wöchentlich raus, und das schärft einfach den Blick. Meutehunde sind eben nicht alle gleich. Und die echten Experten ordnen sie auch nach einem Jahr noch wieder richtig zu. Sallis erkannte in der Hamburger Siegerkoppel sofort den Rüden Yorker, den Champion des Vorjahres. Einmal hingucken – das reicht dem Fachmann, der auch bei der „Mutter aller Meuteschauen“ im englischen Peterborough richtet. Aber wenn die Meutehunde alle gleich aussähen, dann bräuchte man ja auch gar keine Schau zur Begutachtung und zum Rangieren. Die beiden Richter haben jedenfalls kritisch und zielsicher mangelhaftes Fundament, steile Schultern und schwache Rücken aussortiert – alles points, die auf lange Sicht die Leistung eines guten Meutehundes schmälern. Umso mehr wiegt der Kommentar beider Richter, dass die „guten“ Foxhounds auch in England diese Prämierung erreicht hätten.
Ähnliches Lob fand auch Lynn Clinkard, die im 25. Jahr die Beagles in Schwarzenstein richtet. Aus den 26 Beagles aus drei Meuten erkannte sie den Vogelsberger Rüden Kalle als „true beagle“ und benannte ihn als besten Vertreter des Tages seiner Rasse. Vorangegangen waren durchaus spannende Vergleiche, deren Kennzeichen DSJV-Zuchtwart Chris Gabrielse und Dr. Michael Weiler als Co-Moderator wunderbar an die Zuschauer weitergaben. So sind quadratische Hunde lieber gesehen als im Rechteck stehende und ein um eine Rippe längerer Rücken ist allenfalls bei Hündinnen erlaubt, damit sie mehr Platz für möglichst viele Welpen bieten. Der dachsfarbene Kalle hatte einigermaßen starke Konkurrenz aus dem C-Wurf der Frankenmeute und ließ Clyde dann doch hinter sich. Bei den Hündinnen war die Bewertung umgekehrt: Die fränkische Cleo gewann vor der Vogelsberger Kokie. Mit fünf Geschwistern sicherte sich die Frankenmeute den Pokal für die beste Beagle-Aufzucht. Die Vogelsberger hatten dafür nur einen Vierer-Wurf zu bieten – zu wenig.

Der Beagle-Meute Münsterland wurde vor allem ein exzellenter Zustand der Hunde bescheinigt. So glänzend im Fell, dass Joint-Master Maria Gillissen sich darin hätte spiegeln können.

Die große Stunde der kleinen Beagles schlug bei der Eignungsprüfung, bei der sich die Meutehalter einer freiwilligen Selbstkontrolle unterziehen, um zu belegen, dass von ihren Hunden keine Gefahren ausgehen und dass sie ihr Fach auf der Schleppe verstehen. Im dritten Jahr findet dieser Test jetzt statt. Gillissen und ihre Equipage machten den Auftakt. Sie ernteten spontanen Szenenapplaus von den zahlreichen Zuschauern als die Meute auf Ruf ihres Horns wie an der Schnur gezogen aus dem Appell der Equipage auf „ihre Maria“ zusauste: bebend vor Ehrgeiz, ohrenbetäubend laut und vibrierend vor Eifer, wie Meute-Beagles eben sind. Nach der abschließenden Vorführung auf der Schleppe wurde das Urteil „bestanden“ verkündet.

Die Ostwestfalen-Meute als zweiter Test-Kandidat wird diese Teilprüfung in Kürze wiederholen. „Auf dem Platz hatten meine Hunde zuviel in der Nase“, erklärte Master Sielemann die Irritation seiner Foxhounds, die nach guten Gehorsamsprüfungen die Schleppe nicht fanden.

Die Junghundeschau 2014 stand im Zeichen der Gastgeber. Aber kein Grund für Depressionen bei der Konkurrenz: Im kommenden Jahr gibt es keinen Wurf im passenden Alter beim RWS. Die eine zur Zucht ausgesuchte Hündin war erst nicht läufig geworden und hat dann resorbiert. Zielsicher hat der Hamburger Schleppjagdverein sofort die Gunst der Stunde genutzt und noch in Schwarzenstein seine Hündin Zita belegen lassen – von Beaufort.


Im Hintergrund hat sich viel verändert bei der Junghundeschau: Eine neue Tierärztin, Jessica Webb, für die Begutachtung, eine neue Schau-Sekretärin und Organisatorin, Julia Wiesehahn, gemeinsam mit Jutta Nebe und ganz neue Formulare. Zum ersten Mal wurden Nennungen und Eintragungen nicht mehr von Hand sondern elektronisch abgewickelt. „Das digitale Zeitalter ist monumental über ihn hereingebrochen“, kommentierte Huntingbeauftragter Dr. Michael Weiler die Herausforderungen, die sein DSJV-Vorstands- und Berufskollege Chris Gabrielse zu bestehen gehabt hatte. Geblieben ist der freundschaftlich-private Rahmen der Meutehalter bei ihrem angestammten Jahrestreffen im Zeichen der Hunde.
Text und Bilder: Petra Schlemm
Weitere Impressionen von der Junghundeschau 2014:









