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Look und Leistung gehören zusammen

Müssen gute Hounds auch schön sein? Diese Frage taucht spätestes bei der jährlichen Junghundeschau der deutschen Meutehalter in Schwarzenstein auf. Nigel Peel, Master der North Cotswold Hunt in England, hat diese Frage vor amerikanischen Zuhörern beantwortet im Rahmen einer Tagung der Master of Foxhound Association MFHA.

Ich bin gebeten worden, den Zusammenhang zwischen Look und Leistung aufzuzeigen, bei Hunden also zwischen Schau und Jagd. Warum wollen wir Hunde, die mehr zeigen als jagen? Ist das entscheidend wie sie aussehen? Reiter können ganz viel Spaß haben mit einem “Beute-Pack”. Warum belassen wir es nicht dabei? Ich werde aufzeigen, warum wir das nicht tun sollten.
Erstens, weil ein Pack genau das ist was es sagt: ein Pack, keine Sammlung. Deshalb sollten die Hunde möglichst gleich sein in Größe und Geschwindiggkeit, damit sie geschlossen zusammen laufen können bei einer harten, schnellen Jagd.  Wer schon mal Kojoten gejagt hat, weiß wie wichtig das ist. Hunde überall in der Landschaft verteilt – das ist Verschwendung von wertvoller Zeit eines Pikörs. Damit ein pack gleichauf sein kann müssen die Mitglieder sich ähneln, im Tempo, Stirn, Schulter, Hinterhand – und in der Kondition. Eine tiefe Brust ist der breiten vorzuziehen, finde ich. Die Schulter liegt dann flach und bewegt sich gerade, anders als beim Hund mit breiter Brust wo die Schulter nicht so beweglich und deshalb nicht frei ist.
Die Zucht einer Meute nimmt eine lange Zeit in Anspruch und ich berichte, wie es meier Frau und mir ergangen ist mit der North Cotwold. Als wir die Hunde 1988 übernahmen waren sie mehr eine Ansammlung als eine Meute. Sie jagten, aber nicht gemeinsam.  In unserer zweiten Saison hatten wir eine außergewöhnliche Jagd. Neun Meilen in 50 Minuten. Sie griffen den Fuchs zu meine Füßen und die Hündin, die vorn war, war eine Tante zu meinem ersten Peterborough Champion. Ich schickte 18 ½ Koppel ab von der Dickung, da wo der Fuchs gefunden wurde,  und 12 Koppel waren dabei als er gefangen wurde. Der Rest der Hunde war weit verteilt, abgeschlagen weil zu langsam, um uns zu folgen. Nicht gut. Tempo und Stehvermögen sind ungemein wichtig und obwohl manche Hunde über beides verfügten, so war es doch nicht genügend und gleichmäßig ausgeprägt. Hunde müssen außerdem Nase haben, Jagdeifer und Geläut. Diese letzten drei Eigenschaften sind ebenfalls erblich, aber werden im Schau-Ring nicht getestet.
Es werden nur wenige schlechte Hunde gezüchtet, wenn ich jetzt von Jagdhunden rede. Schlechtes Temperament und mangelhafte Leistung ist durch Fehler in der Handhabung verschuldet. Um ein Pack richtig zu beurteilen muß es durchgängig gut gehandhabt werden, vorzugsweise von der selben Person über mehrere Saisons. Das ermöglich den Hunden das zu entwickeln, was der  verstorbene 10th Duke of Beaufort als fox sense bezeichnet hat, Fuchs Verstand. Manche Hunde entwickeln den schneller als andere, aber es ist wichtig, besonders bei schlechtem Scent, dass die Hunde die Fähigkeit haben einen Fuchs zu jagen oder wenigstens die Richtung anzuzeigen wohin er gelaufen ist, unabhängig von ihrer gegenwärtigen Situation. Das ist Fox Sense und genau wie die Fertigkeit auf einer Straße oder einem Weg zu folgen braucht er Zeit sich zu entwickeln. Wenn der Huntsman dazu neigt seine Hunde nur in der Gegend rumzugaloppieren wird sich diser Instinkt niemals entwickeln  und alle ererbte Fähigkeit des Hundes ist einfach verschwendet.
Eine Schau zeigt welchen Stadard wir anstreben sollen. In der Pferdesprache wäre das ein mittelgewichtiger Hunter. Auch wenn die meisten Meuten heute nicht mehr zu einem Meet traben, den ganzen Tag jagen und dann wieder nach Hause traben, so sollten sie dazu doch gleichwohlk in der Lage sein und und nur durch praktische Test werden wir herausfinden welcher Hund hier Mängel zeigt.
Als wir mit den North Cotswold Hounds anfingen, hatten wir das unverschämte Glück, dass Tim Unwin’s Cotswold Hounds, die vom Duke of Beaufort, gezogen von Ian Farquhar, und die Exmoor hounds von Captain Wallace im Zenit waren.  Richard Summer hatte die Heythrop noch nicht so excellent wie sie in den 1990ern wurden und VWH, gezogen von  Martin Scott war auch im Aufstieg. Also benutzten wir Rüden der Beaufort, Cotswold, VWH und Heythrop für unsere Hündinnen. Weil wir nur an drei Tagen pro Woche rausgingen, hielten wir nur genügend Hunde für ein Pack. Deshalb hielten wir nur Hündinnen und nutzten Rüden nur zum Decken. Deswegen konnten wir auch mehr Hündinnen belegen, weil wir nur die weiblichen Welpen behielten. Die männlichen gaben wir ab. Das ermöglichte es uns, die heutigen zehn verschiedenen weiblichen Linien zu halten und Deckrüden und Zuchthündinnen zu tauschen. Mrs. Gregson, die über viele Jahre Master der Crawley and Horsham gewesen ist, - eine weise und clevere Züchterin – hat mir mal gesagt, dass es zehn Jahre dauert, um eine Hündin gut genug für die Zucht zu produzieren. Ich widerspreche da nicht. Unser erster Erfolg im Schauring kam 1994 und unsere Hunde haben den Richtern seither immer gefallen. Seit einigen Jahren behalten wir auch die Rüden. Ich habe viel Vergnügen mit ihnen. Im Durchschnitt halten wir sieben Koppeln Rüden von denen wir uns Potenzial zum Decken  erhoffen. Rund 30 Hündinnen pro Jahr kommen zu uns zum Belegen, in manchen Jahren auch mehr. Mit unseren Rüden haben wir auch schon einige Preise gewonnen – „unentered champions” in Peterborough, Zwei-Koppel-Klasse und im vorigen Jahr haben wir die stallion hound class mit unserem Caliph gewonnen.
Was hat das alles im Jagdfeld gebracht?  Das Jagdgelände der North Cotswold ist nicht gut für Scent. Die  Cotswold Hügel sind karg, nur wenig Erde über dem Felsen und obwohl wir gute Runs haben, oft extreme schnell, müssen die Hunde mit wenig Scent dicht am Boden zurechtkommen. Man kann sie leicht weit verteilen in den Hügeln mit tief eingeschnittenen Tälern, deshalb ist das Geläut sehr wichtig. Genauso wie Sportlichkeit, denn das Land ist dicht bewehrt mit Schafdraht und zweireihigem Stacheldraht, dem die Hunde an jedem Jagdtag begegnen. Jagdtrieb muß da sein für alles was im Kopf des Hundes vorgeht und ihm den Mut verleiht an den anderen dran zu bleiben, den ganzen langen Tag. Und Mut ist auch nötig am Ende für den Catch.
Ich habe beobachtet, dass das Pack mit den meisten Preisen bei Hound Shows auch dasjenige ist mit dem besten Sport. Dafür gibt es Gründe. Der Hauptsächliche ist der, dass diese Hunde gezüchtet und gehandhabt werden von Menschen mit Erfahrung. Kontinuität ist entscheidend.
In den  USA zum Beispiel haben die Live Oak und die Midland oder die Blue Ridge Hunt wunderschöne Packs, die auch guten Sport zeigen. Das Gleiche in England. Der Out-Cross, den wir (in England) an amerikanischem Blut haben, kam ursprünglich von der Old Dominion und weiter in Folge von der Midland und der Live Oak, jeweils mit großem Erfolg. Kontinuität in Zucht und Handling schafft Erfolg im Sport und Glück im Show Ring. Das, denke ich, ist der Zusammenhang zwischen beiden. Bei Schauen sehen neue Master das Beste und können sich entscheiden, welchen Typ sie züchterisch verfolgen möchten. Als ich mein erstes Pack übernahm, hatte ich große Ermutigung und Unterstützung von den Großen unter den Mastern jener Zeit. Captain Wallace’s Tür stand immer offen und während er sich nie die Zeit von Dummschwätzern stehlen ließ, so hat er doch sehr viel damit verbracht, den Mastern dabei zu helfen zu verstehen, was sie mit der Meute eigentlich anfangen sollten. Er war überzeugt, dass ein Tag mit schlechtem Scent keine Entschuldigung für einen schlechten Jagd-Tag sei und dass gute Ausnutzung des Geländes und verständige Behandlung der Hunde immer der Weg zu gutem Sport ist. Der Duke of Beaufort, dessen Hunde die wahnwitzige Anzahl von 50 Championships in Peterborough gewonnen haben, war der gleichen Ansicht. Diese beiden Großen waren die von denen wir Jungen lernten.
Natürlich waren viele Dinge leichter damals. Wir verbrachten die Sommermonat damit, in anderer Leute Kennels zu gucken und Hunde bei Puppy Shows und den bedeutenden Hound Shows zu begutachten. Wir konnten nachhaltig den Wert eines Out-Cross abschätzen. Martin Letts, der in die Kategorie von Captain Wallace und dem verstorbenen Duke gehört, war einer der Wegbereiter des Hill Hound Outcross, der sich so bewährt hat und beliebt ist.  Der  West Country Harrier, den ich sehr bewundere, ist ebenfalls Wert in Betracht gezogen zu werden. Ich schätze die Kreuzungen sehr, die ich mit diesen Hunden erreicht habe. Kreuzungen sollten mit Bedacht vorgenommen werden, und von Leuten, die genug Erfahrung haben, um die Kreuzungen durch das Auf und Ab ihrer Entwicklungen erfolgreich hindurch zu geleiten.
Am Anfang des vorigen Jahrhunderts ging der Englische Foxhound durch eine Ära, die liebevoll als Shorthorn bezeichnet wurde. Eine Anzahl weitsichtiger Menschen fand, dass der Hound enorm verbessert werden könnte. Die Hinwendung zum Welsh Cross wurde begonnen von kenntnisreichen Menschen, die ihr eigenes Pack besaßen, wie Sir Edward Curre, der auch Abgeordneter im Parlament war, Captain Jack Evans, Master der Brecon, der 10th Earl of Coventry und später Sir Peter Farquhar, der Amerikaner Ikey Bell, Major Scott und der 1.  Duke of Beaufort.  Sie waren verantwortlich für die Zucht des  Brecon Paragon, Carmarthenshire, Nimrod, Croome Clansman, South and West Wilts Godfrey, Mr. Curres Danger. Sie stießen auf starken Widerstand beim traditionellen Flügel. Aber sie hatten auf ihrer Seite den 10th Duke of Beaufort, der ermutigt von Ikey Bell eine Hündin Petrel  aus dem Brecon Kennel annahm, gezogen von Captain Evans. Der 10th Duke, oder Masters wie er genannt wurde, wurde zum Bahnbrecher der Erleuchtung und so entwickelte sich der moderne Foxhound. Nicht alle Kreuzungen hatten so dramatische Resultate, aber es ist immer gut zu wissen, was man erreichen will und nicht einfach nur zu denken, dass das gerade eine gute Idee sei. Da wartet Desaster.
Erfolgreich Hunde auf Shows zu präsentieren ist ein langwieriges Unterfangen. Wir haben alle schon Hunde gesehen, die einfach schlecht vorgestellt wurden und wären sie von jemandem gezeigt worden, der sein Geschäft versteht, dann hätten sie besser abgeschnitten. Der damalige Huntsman des Duke of Beaufort, Brian Gupwell, war ein leuchtendes Beispiel. Er war ein echter Typ. Sein Vater hatte über viele Saisons und während des Krieges die Fernie gejagt und er war Huntsman der Ramle Vale in Palästina gewesen.  Ich hatte einen jungen, ganz guten Kennel Huntsman damals, der Hilfe brauchte.  Brian Gupwell kam und zeigte ihm, wie es geht. Zum Beweis nahm Brian die Hundekuchen und präsentierte die Hounds als seien sie schon immer seine gewesen.
Hounds vorzustellen ist eine große Kunst, und es braucht Zeit und Übung, bis man sie beherrscht. Wir nehmen die Hunde, die wir zeigen wollen mit auf Bauernhöfe der Umgebung, üben in Scheunen und gehen mit ihnen spazieren, in Stadt und Land, damit sie sich an Menschen gewöhnen. Man sollte das so betrachten:  Am ersten Schultag ist man noch total überwältigt von allem. Es braucht Zeit bis man sich eingewöhnt. Den Hunden geht es genau so. Nimmt man sie ohne Vorbereitung gleich mit zu einer Show, dann sind sie ungemein scheu und machen den Eindruck als sei das Ende der Welt gekommen. Gewöhnt man sie aber mit Zeit und Umsicht an das was ihnen bevorsteht, dann betreten sie den Ring wie ein König und geben ihr Bestes. Genauso ist es bei der Jagd.  Wenn man keine Arbeit in die Übungsschleppen investiert und Kondition trainiert und wenn dann auch noch die Kennel-Disziplin lasch ist, dann werden die Aussichten auf guten Sport zumindest düster sein.
Als ich mein erstes Pack übernahm, kam ich von Shows nach Hause oder von Besuchen in anderen Kennels und studierte die Pedigrees der Hunde, die mir gefallen hatten und ich fragte auch herum, warum manche Hunde wie Heythrop Craftsman, des Duke of Beaufort’s Palmer oder Portman Playfair so bedeutend waren und sie erzählten mir von diesen Hounds.  Es ist so wichtig zu wissen, wie man ein Pedigree lesen muss und was man da eigentlich sieht. Wer waren die bedeutenden Hunde in dieser Reihe und woher stammten sie? Eine Abstammung zu verstehen ist unabdingbar für einen Züchter.
Als ich die North Cotswold übernahm, gab es dort Hunde mit sehr schlechten Pfoten. Ich sah mir die Abstammungen an und fand, dass alle Hunde mit schlechten Pfoten auf einen Hound namens Atherton Tackler zurückgingen, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Ich fragte einen der alten Zuchtfachleute wer Atherton Tackler gewese war, und der antwortete wie aus der Pistole geschossen: Eine  ziemlich miese Töle, unzuverlässig in der Arbeit, mit schlechten Pfoten und der hätte nie in die Zucht gehen sollen. Was soll ich sagen? Wir merzten das Atherton Tackler Blut aus. Kenntnis dieser Art ist ungemein wertvoll und ich dränge jeden, Notizen zu machen zu jedem Hund, der in die Zucht geht, damit spätere Generationen davon profitieren können.
Wie soll eine Hundepfote aussehen? Sie ist die Basis auf der jeder Hund steht. Pfoten kommen in unterschiedlichen Formen und Größen und sind Moden unterworfen. Ich bevorzuge Pfoten, die nicht zu schmal sind, katzen-ähnlich. Aber das ist nur meine Auffassung. Martin Letts sagt immer, gute Pfoten sind die, mit denen der Hund geboren wird und mit denen er stirbt, will sagen sie sind unveränderlich und erfüllen ihre Zweck.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Um eine gute Meute zu bilden müssen die Hunde gleich groß und ähnlich gebaut sein, damit sie gut zusammen laufen. Sie müssen verständnisvoll geführt werden um alle Fähigkeiten voll ausspielen zu können. Man sollte die beste Rüden nutzen, das Pedigree genau studieren, sich bemühen um Linienzucht aber Inzucht vermeiden, es sei denn es gäbe einen sehr guten Grund dafür. Dann wird man in absehbarer Zeit eine Meute haben, die guten Sport bietet und Schau-Preise gewinnt.

Quelle: eCovertside, newsletter der amerikanischen MFHA (Master of Foxhound Association).
Nigel Peel führt seit  mehr als 40 Jahren Foxhounds. Seit gut 25 Jahren sind er und seine Frau Joint Master der englischen North Cotswold Hunt.
Übersetzung: Petra Schlemm