Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und dabei das Nutzererlebnis zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Mehr Informationen

Der Preis ist heiß

Heldenhaft – oder einfach nur total bekloppt? Am heißesten Tag des Jahres (bisher) trafen sich die Meutehalter der Deutschen Schleppjagdvereinigung zu ihrer Junghundeschau. Man weiß ja von einschlägigen Aufkleber-Sprüchen, Jagdreiter machen’s bei jedem Wetter, aber kurz vor 40 Grad – das ist denn doch alles andere als ideales Jagdwetter. Jeder Hitzewallung zum Trotz: Die vier internationalen Richter kürten neue Champions, und die Bayern-Meute holte sich erneut das „Gütesiegel“ ab – die erste in Wiederholung schon.

Die Foxhound-Titel wurden im kleinen Kreis vergeben, nachdem die DSJV-Meuten ihren Geburtenüberschuß der Vorjahre erst wieder abbauen. Bei den Rüden sicherte sich die Mecklenburger Meute des Schleppjagdvereins „von Esebeck“ beide Championstitel, für Picktus und Peggy. Um den Reservetitel bewarben sich die Junghunde aus einer Ost-Süd-„Co-Produktion“. Die Master Jörg Markgraf und Toni Wiedemann stellten Junghunde aus einer Champions-Begegnung vor: Von den Titelhaltern Djuk und Cora, die als Welpe aus Bayern nach Nienhagen kam, stammen sieben Abkömmlinge, von denen zwei dann wieder nach Gundelsdorf zurück gingen. Nicht wenige Zuschauer hatten den jetzt wieder bayerischen Fox II als Sieger gesehen. Bei den Hündinnen gelangte aus den wenigen Anwärtern nur die Esebeck’sche Peggy in den Endring, wo Marie Rodenberg dann kampflos die Sieger-Urkunde abholte.



Große Bühne dagegen für die Beagles, wo sich schließlich nicht weniger als sechzehn Hündinnen aus den vier Verbands-Meuten im Finale maßen. Sechs davon fanden die Juroren Lynn Clinkard und Georgina Leadbetter „sehr gut“, und die Titel gaben sie schließlich an Maya und Molly aus der Vogelsberg-Meute. Der Bruder Max wurde Champion bei den Rüden, gefolgt von Yahoo aus Lübeck. Der M-Wurf zu dessen Sextett auch der ebenfalls „gut“ genannte Moritz gehört, brachte dem Vogelsberger Master Hans Nimrichter dann auch erneut den Ehrenteller für die beste Aufzucht, die sich aus einem Kaiserschnitt offenbar bestens entwickelt hat. Für Lynn Clinkard hatte der DSJV-Vorsitzende Egbert v. Schultzendorff am Ende des Tages noch eine besondere Ehrung parat: Seit 25 Jahren richtet sie in Schwarzenstein den Beagle-Ring.



Nach längerer Pause war auch der Badische Schleppjagdverein mit zwei Hunden aus der Hardt-Meute wieder am Start. Andrea Wiehn und Clemens von Welck zeigten zwei Rüden, die von einem Original-Franzosen aus dem Süddeutschen Hunting-Club unter Paul Koffler stammen. Die Mutter Wiesel stammt aus der Hardt-Meute, die seit 35 Jahren von Gerd Klapschus geführt wird. Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen Wurf im Kennel  in Dunzweiler. „Die sind jetzt fünf Monate alt“, so Wiehn.



Helden – Der Rheinisch-Westfälische Schleppjagdverein und Huntsman Heiko Burchard, die für ihren B-Wurf jetzt vier mal excellent verbuchten. Champions sind Beaufort und seine Schwester Burgley 2014 schon gewesen. Im Gespann mit Bubble hat Beaufort in diesem Jahr auch die Koppelklasse der Rüden gewonnen. Die Schwarzensteiner Siegerkoppel ist aus organisatorischen Gründen diesmal ausgefallen. Aber man braucht kein Experte zu sein um zu ahnen, dass ihm dieser Titel auch zugefallen wäre im direkten Vergleich mit dem siegreichen Damen-Paar aus Bayern, Gundel und Geli. In der Klasse III, wo es um positive Typ-Veränderungen geht, die sich erst in späteren Jahren herausstellt (das gibt es  - bei Hunden), fanden die Richter auch die Vogelsberger Beagle Hündin Kukki „excellent“ verbessert. Eddi vom SvB wandelte sein Prädikat auf „sehr gut“.

Helden – auf jeden Fall die Hunde, die sich der internationalen Jury aufgeweckt und selbstbewusst präsentierten und in guter Kondition vorgestellt wurden. Höchstens beim gewünschten Galopp im Ring ließen sich manche doch sehr bitten – ihre Master übrigens auch….  Der Engländer Andrew Sallis, jetzt zum dritten Mal im Ring, lobte die verbesserte Vorstellung. Ihm zur Seite stand Tom Dempsey, Huntsman der Galway Blazers in Irland. Auf einer Urlaubsreise zum Wandern in Deutschland hatte er vorsichtshalber den Bowler eingepackt, um sich dann am Vorabend der Schau von Chris Gabrielse als Moderator offenbar nur zu gerne zum Richten verpflichten zu lassen. Der Ire fand die deutschen Foxhounds allerdings öfter „zu klein“ und beide Juroren hätten sich noch besseres Aufbauen gewünscht. „Wenn die Hunde still stehen, kann man sie einfach besser beurteilen“. Am Untergrund kann es nicht gelegen haben. Als ob die Hitzewelle erwartet worden wäre, hat der Schauring in Schwarzenstein jetzt Steinplatten im Mittelpunkt, nicht mehr länger das glatte lackierte Holz, das bisher ausgelegt wurde. Beide Richter gaben noch einen Tipp au ihrem „Nähkästchen“ preis: Größere Leckerlis, um die Hunde zum Laufen zu animieren. „Gibt es sogar in bunt. Die sehen die Hunde noch besser.“



Helden – Toni Wiedemann und seine Meute, die sich zum zweiten Mal der Gebrauchsprüfung für Sicherheit unterzogen. Bis April 2016 wird diese Prüfung nach der Vorstellung in Schwarzenstein die zweite Voraussetzung für die Eintragung von jungen Meutehunden ins Register des Jagdgebrauchshundverbandes. Eigens für diese Eignungsprüfung hatte Wiedemann 23 Junghunde aus vier Würfen über die Acht-Stunden-Strecke aus Bayern heran transportiert, darunter auch zwei „Jährlinge“, die am Vormittag erst  noch im Championat berichtet worden sind. Unbeirrt von der Hitze vertraute der Master auf seine Hunde, die sich zudem noch an ihnen unbekannten Pferden zu orientieren hatten. „Die laufen“, war Wiedemann zuversichtlich. „Ich lasse sie erst ausführlich ins Wasser vorher und dann kriegen sie Ehrgeiz in der Gruppe.“ Diese Rechnung ging auf. Sogar mit unerwartet viel Hals gingen die Hunde auf die Schleppe, die Franz Dörken den Gästen ortskundig in die Lippe-Wiesen gelegt hatte, während Ute Boss-Hekma als vierte Pikörin das Bayern-Team auf den vom RWS gestellten Pferden verstärkte.

Die zwei Prüfer, Wilfried Ebel für die DSJV und Frank Teunissen von der holländischen Soestdijk Jachtverenigung, waren beide beeindruckt von dem Gehorsam und der Leistung der Hunde an diesem Tag, wo der Scent auf dem heißen Grund im wahrsten Wortsinn „flüchtig“ war. Keine Frage, dass die Hunde ihre Prüfung bestanden haben.

Das fanden auch die Zuschauer, die wenn auch nicht eben zahlreich, aber dafür umso fachkundiger waren. Auch sie alle: Helden. Denn für ein bisschen „bekloppt“ werden Jagdreiter ja sowieso alle gehalten.



Die Ergebnisse:
Foxhounds:
Champion-Rüde: Picktus – Schleppjagdverein v.Esebeck“ Mecklenburg-Vorpommern
Reserve: Fox II – Schleppjagdverein von Bayern
Championesse: Peggy - Schleppjagdverein v.Esebeck“ Mecklenburg-Vorpommern
Beagles:
Champion-Rüde: Max – Vogelsberg-Meute
Reserve: Yahoo – Beagle Meute Lübeck
Championesse: Maya – Vogelsberg-Meute
Reserve-Championesse: Molly – Vogelsberg-Meute
Koppelklasse:
Rüden:
1. Beaufort und Bubble – Rheinisch-Westfälicher Schleppjagdverein
2. Eddi und Ernie – Schleppjagdverein von Bayern
Hündinnen:
1.Gundel und Geli – Schleppjagdverein von Bayern
2. Yoyo und Else – Rheinisch Westfälischer Schleppjagdverein
Beste Aufzucht. Vogelsberg-Meute für den M-Wurf

Text und Bilder: Petra Schlemm