
Da war sie ganz sicher nicht die Einzige. „Ich musste die Zähne zusammenbeißen im Ring“, bekannte Sissi Veit-Wiedemann am Ende der Junghundeschau 2016, wo sie nach jahrelanger Abwesenheit wegen ihrer lokalpolitischen Verpflichtungen in Bayern diesmal eine zentrale Rolle hatte in Vertretung ihres Mannes. Das war schöner als jeder Blumenstrauß, was die Deutsche Schleppjagdvereinigung dem Master der Bayern-Meute als Gruß in die Klinik schickte: Vier Titel verliehen die Richter der jährlichen Junghundeschau der Meutehalter in Schwarzenstein an Toni Wiedemann, der nach seinem schweren Reitunfall vor einem Dreivierteljahr immer noch um seine Genesung kämpft. Der Schleppjagdverein von Bayern hat die Championesse Isar und den Reserve-Champion Hubs gezüchtet und die beste Koppel und den besten Wurf gestellt. Die Auszeichnungen für Joint-Master Sissi Veit-Wiedemann und ihr gesamtes Team waren nicht die einzigen emotionalen Momente der Junghundeschau 2016 vor großer Zuschauerkulisse beim Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein.

Die beiden Championatssieger aus Bayern wurden gemeinsam mit dem RWS gezeigt, wo beide aufgezogen worden sind. Master Christian Coenen und Huntsman Heiko Burchardt haben einen guten Griff getan bei ihrer Auswahl aus dem I- und dem H-Wurf, die Toni Wiedemann im Januar 2015 in seinem Kennel in Koppelzell aufgelegt hatte. Die Hündin Heli, die mit zwei weiteren Geschwistern zur Cappenberger Meute kam und jetzt von Beate Rehr präsentiert wurde, stand mit einem „sehr gut“ ebenfalls in enger Konkurrenz zu den Champions.

Zwei Titel sicherte sich die Taunus-Meute für ihre Foxhounds Remington und Roulette. „Ein großer Erfolg für unseren kleinen Verein. Wir haben ja keine 50 Mitglieder“, freute sich die neue Vorsitzende Julia Läßig, die mit Master Brigitte Roggendorf die Hunde gründlich auf ihren Auftritt vorbereitet hat und auch selbst bei der Präsentation mit in den Ring gestiegen war. Auch bei diesem Wurf hat Toni Wiedemann Mitwirkung, denn die Bayern-Championesse Olga steht als Ur-Großmutter im Pedigree.



Insgesamt wurden 118 Foxhounds aus neun Meuten gezeigt – so viele wie schon lange nicht mehr. Von 75 Junghunden schafften es ein Drittel in die beiden Championatsringe. Der englische Richter Andrew Sallis kommentierte: „Das Zuchtniveau ist insgesamt angestiegen und auch gleichmäßiger geworden.“ Im vierten Jahr als Richter bei der Schau erneuerte er aber auch seinen Hinweis auf eine weiter zu verbessernde Präsentation. „Wenn zwei Leute im Ring sind, dürfen nicht beide der Boss sein wollen. Das verwirrt die Hounds.“


Bei den Beagles setzte sich die andauernde Konkurrenz zwischen der Vogelsberg- und der Beagle-Meute Lübeck fort, aber in diesem Jahr behielten die Nordlichter die Oberhand. Magdalena Martens stellte den mit vier „sehr guten“ Geschwistern preisgekrönten Z-Wurf vor, aus dem Zunder den Titel der Hündinnen holte und Zar Reservesieger bei den Rüden wurde. Dort war Nando vom Vogelsberg als Bester gesehen, aber im direkten Vergleich der beiden Champions verlieh die Richterin Lynn Clinkard ihren Pokal für Zunder nach Lübeck, weil Nando deutlich am obersten Limit der Größen-Skala für Beagles angesiedelt ist. Clinkard und Robert Zurl als JGHV-Richter für Jagdbeagles taten sich etwas schwer mit der Bewertung der neunzehn Hunde aus vier Meuten. „Wir hatten vier unterschiedliche Typen zu vergleichen,“ fand Clinkard, die vor 26 Jahren zum ersten Mal in Schwarzenstein gewesen ist, damals noch mit ihrem lange verstorbenen Mann Roy, der fast alle deutschen Beagle-Meuten „auf den Weg“ gebracht hat. Von ihm stammt der 1933 in Peterborough gewonnene Pokal, den seine Witwe jetzt jedes Jahr für den schönsten Beagle von Schwarzenstein auslobt.



„Volles Haus“ brachte der Auftritt der Böhmer Harrier, die mit 37 Hunden (und einem Team von neunzehn Leuten) anreisten, die zuvor noch nicht für die Eintragung ins Register der Jagdgebrauchshunde vorgestellt waren. Nach drei Jahren ohne Nachzucht war ein Großteil Ankäufe aus der Soestdijk Meute in Holland. Die anderen sind „Erbschaft“ der aufgelösten Asbach-Meute, die der Master Thorsten Mönchmeyer erst vor kurzem übernommen hat. „Ich habe sie in ihrem Kennel gesehen, wo sie keine Aufgabe mehr hatten und das fand ich einfach zu traurig.“ Schon am Vortag der Schau bei der Vorberichtung sorgte diese Masse Hunde für Aufsehen, vorgeführt ohne Leine und einzeln vor die Tierärzte gerufen. Umso mehr dann beim Auftritt im Ring, wo die in Böhme selbstgezogenen Hunde alle mit „gut“ bewertet wurden. Spätestens beim nachfolgenden praktischen Eignungstest hat Mönchmeyer seinen Ruf als ausgezeichneter Hundemann eindrucksvoll bestätigt. Obwohl die Asbach-Hunde erst seit wenigen Wochen bei ihm sind, gab es an Appell und Spurtreue nichts zu deuteln.

Das hoben auch die Vorbesitzer hervor, von denen einige am Ring und in der Equipage vertreten waren. „Die Übernahme von so vielen Hunden war ein mutiger Schritt“, wünschte der Hunting-Beauftragte der Schleppjagdvereinigung, Dr. Michael Weiler Glück für die kommende Jagdsaison.

Weiler war zusammen mit dem Zuchtreferenten und Organisator der Schau, Chris Gabrielse, Moderator des Tages in den Ringen, und beide Tierärzte zusammen standen auch vor praktischen Herausforderungen bei der Vorberichtung. „Jeder Chip sitzt anders“, fanden sie leicht genervt nach der Begutachtung aller 150 Hunde auf Zahn- und Hoden-Fehlstellung, die geraume Zeit in Anspruch genommen hatte.




Der Eignungstest ist die zweite Voraussetzung für den Eintrag in das Register des Jagdgebrauchshundverbandes. Mindestens alle drei Jahre unterziehen sich die Meuten jeweils dieser Prüfung, die von Richtern der DSJV und dem JGHV abgenommen wird. In diesem Jahr erneuerten neben den Böhmern auch der Rheinisch-Westfälische Schleppjagdverein und die Rheinland-Meute ihr Zertifikat. Auch deren Prüfungen ließen nichts zu wünschen übrig. Dazu war das weitläufige Schwarzensteiner Gelände in drei genau definierte Bereiche aufgeteilt worden, damit sich keiner in die Quere kam. Gegrummel kam dadurch höchstens bei den Zuschauern auf, die alle Meuten aus der Nähe sehen wollten. „Das nächste Mal könnt Ihr ja einen Wandertag ausschreiben“, fand einer nach seinem Fußmarsch in die Lippe-Wiesen.
Aber schließlich kann es ja nicht nur um Schönheit gehen. Auch die Leistung muss stimmen – nicht nur bei den Hunden.

Die Ergebnisse:
Foxhounds:
Hündinnen: Championesse Isar (SvB/ RWS)
Reserve-Siegerin Roulette (Taunusmeute)
Rüden: Champion Remington (Taunusmeute)
Reserve: Hubs (SvB/ RWS)
Koppelklasse:
Rüden: 1.Fox und Finn (SvB)
2.Alex und Artur (RWS)
Hündinnen:
1.Zenzi und Bonni (RWS)
2.Peggy und Piest (Mecklenburg)
Bester Wurf: SvB für den I-Wurf (Wertnote 3,25) vor Taunusmeute (3,29)

Beagles:
Hündinnen: Championesse Zunder (Beagle Meute Lübeck)
Reserve Nena (Vogelsberg-Meute)
Rüden: Champion Nando (Vogelsberg)
Reserve Zar (BML)
Bester Wurf: BML für Z-Wurf

Text und Fotos: Petra Schlemm