Zucht – ist das zielgerichtetes Ergebnis oder Zufall? Wie kann man den perfekten Meutehund züchten? Das war Thema bei der Jahrestagung der Deutschen Schleppjagdvereinigung 2017 beim Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein RWS. Der Kynologe und Fachbuchautor Bernd Krewer, der seit fast 60 Jahren Jagdhunde züchtet und führt, referierte vor den Meutehaltern und Schleppjagdreitern über Möglichkeiten und Grenzen.

Wie man den perfekten Meutehund züchte – das wisse er auch nicht, ließ der Forstoberamtsrat a.D. Krewer die verdutzten Zuhörer zunächst wissen. Um dann einzugrenzen „schließlich habe ich immer nur Einzelhunde geführt und kenne mich mit Meuten nicht aus.“ Dass Zucht kein Zufall ist, das machte er anschließend klar: „Die Grundregeln der Vererbung gelten für alle.“ Und ganz egal, was er züchten wolle, ein klar definiertes Zuchtziel sei das erste, was jeder Züchter brauche, stellte Krewer ganz deutlich heraus.
An vorderer Stelle steht für ihn neben dem standardgerechten Formwert die Lautvererbung. „Der Laut ist ungeheuer wichtig.“ Der Fachmann Krewer unterscheidet zwischen fährtenlauten Hunden – also jene, die schon durch den Geruch der Fährte zum „Hals geben“ animiert werden und den sichtlauten Hunden – jenen also, die sich erst akustisch „melden“, wenn sie das Jagdobjekt gesehen haben. Die dritte Gruppe sind die „stummen Jäger“ – unerwünscht sowohl bei Meutehaltern als auch bei der „grünen“ Jagd. Schleppjagdmeuten jagen kein lebendes Wild, aber trotzdem ist es für die Zucht wichtig zu wissen, dass stummes Jagen reinerbig rezessiv ist. Krewer: „Zwei stumme Hunde, miteinander gepaart, werden immer nur stumme Nachkommen haben. Mindestens ein Partner in der Zucht muss fährtenlaut sein. Fährtelaut dominiert über Sichtlaut, Sichtlaut über Stumm. Und ein Master, der täglich mit seinen Hunden arbeitet, der kann das unterscheiden.“
Ein guter Hund muss „wesensfest“ sein. Krewer beschreibt das so: „Ein Hund ist dann wesensstabil., wenn er nach akustischen oder optischen Einwirkungen schnell wieder in einen Zustand nervlicher Ausgeglichenheit zurückfindet. Jeder Hund darf beeindruckt sein – aber nicht zu lange.“ Nervenstärke ist wichtig, aber in der Meute nicht ganz einfach zu prüfen, weil die Gemeinschaft auch den eher unsicheren Hunden ein Gefühl der Sicherheit verleiht. Auch hier ist also der gut beobachtende Master und Huntsman gefragt.
Am besten lässt sich das Sozialverhalten in der Meute prüfen. „Stänkerer“ haben dort wenig Chancen und Unruhestifter kann jeder Kennelbetreiber leicht erkennen. Die Maßregel für die Zucht ist dann diese: „Züchte weder mit Querulanten noch mit Hinterbänklern - Zucht aus der Mitte“ empfahl der Fachmann.
„Nase“ wird oft als Zuchtziel genannt, aber ob die Nase eines Hundes gut oder schlecht ist, kann kein Mensch erkennen. Urteile kann sich der Mensch höchstens erlauben über den „Nasengebrauch eines Hundes“. Es gibt viele Erfahrungen und Geschichten dazu, aber eines weiß Krewer aus Erfahrung und gute Schleppenleger können das bestätigen: “Wenn der Scent zu dick ist, dann interessiert er weniger. Je dicker und gerader geschleppt wird, desto langweiliger ist das für einen Hund. „Hunde brauchen Herausforderung,“ riet Krewer.
Ein wichtiger Indikator für einen guten Schleppjagdhund ist sein Fährtenwille. „Der ist beeinflussbar“, meint Krewer. Entscheidend hier ist der Lebensabschnitt „Prägephase“, also etwa zwischen dem 5. und 10. Lebensmonat. Unbestritten ist aber auch, dass die praktische Erfahrung des Hundes seine genetische Veranlagung verfestigt. Umso wichtiger also, dass ein Züchter ein klares Ziel vor Augen hat.
Besonders bei Zuchthunden müsse der Geschlechtstyp klar ausgeprägt sein. Erfahrene Kynologen meinen zu wissen, dass der Vater die Form mehr beeinflusse als die Mutter, diese aber den Charakter der Rasse weitergebe. Übersetzt für den Alltag im Kennel heißt das: Bestimmte Wesens-Eigenschaften sind an X- oder Y-Chromosomen gebunden und daher sollte nur gezüchtet werden mit Hunden in ausgeprägtem Geschlechtstyp. „Eine Zarah Leander-Hündin“ ist ebenso unerwünscht wie ein ausgesprochen femininer Rüde, findet Krewer.
Text und Foto: PS