Vom Vater das Aussehen, von der Mutter die inneren Werte? So heißt es unter Hundezüchtern. Wer vererbt was? Was ist dran an den Aussagen früherer Kynologen im Spiegel heutiger Erkenntnisse? Das erläuterte der Hunde-Fachmann Bernd Krewer unlängst bei der Jahrestagung der Deutschen Schleppjagdvereinigung vor Meutehaltern und Jagdreitern in Hünxe-Drevenack. Der Rheinisch Westfälische Schleppjagdverein war Gastgeber.

Der Rüde vererbt die Form, die Hündin den „Stammescharakter“ – so hat es der legendäre Oberforstmeister Rudolf Friess („R.F.“) in einem langen Briefwechsel zwischen ihm und mir vor über 50 Jahren über die „Erbgänge“ und die daraus resultierenden Zuchtstrategien in einigen Jagdhund-Zuchtvereinen formuliert.
Und auch sein kongenialer Mitstreiter Konrad Andreas war davon offenbar überzeugt. In verschiedenen Hirschmannbriefen (jährliches Mitteilungsblatt des Vereins Hirschmann) kann man das nachlesen. Beispiel aus einem seiner Berichte über eine Schweißhundschau: „Er ist der typische Sohn seines „vorzüglichen“ Vaters, der sich auch mit in der Form weniger ausgeglichenen Hündinnen durchschlagend vererbt hat“ so beschreibt er einen Barth-Heiseke-Sohn, der aus einer in der Form nur mit „genügend“ bewerteten Hündin stammte.
Ist da etwas dran? Scheinbar ja, denn einige Zuchtvereine haben bis in die jüngere Vergangenheit für die Zuchtzulassung bei den Rüden mindestens „sehr gut“ verlangt, bei den Hündinnen hingegen war man (ist man noch?) mit Formwert „gut“ zufrieden.
In der modernen Hundezucht-Literatur wird offenbar davon ausgegangen, dass Vater und Mutter zu gleichen Teilen an der Erbmasse beteiligt sind, die sie an ihre Nachkommen weitergeben.
Was wird ererbt, was wird – bisweilen schon in der Tracht der Mutterhündin - erworben (zum Beispiel Geräuschempfindlichkeit)? Gibt es eine Möglichkeit, das heraus zu finden beziehungsweise zu differenzieren?
Von wem haben Nachkommen etwaige Erbkrankheiten (wie zum Beispiel Epilepsie) mitbekommen? Vom Vater, von der Mutter oder von beiden?
Ist die Mutter mehr für die Vererbung des Lautes zuständig als der Vater, was bisweilen vermutet wird? Oder gilt hier nur die gesicherte Erkenntnis, dass Fährte-/Spurlaut über Sichtlaut, Sichtlaut wieder über Stumm dominiert, egal, welcher Elternteil fährtelaut und welcher „nur“ sichtlaut ist?
Auch über die Vererbung der Farben wissen wir ja gut Bescheid. Aus zweifarbigen Beagle-Eltern werden niemals dreifarbige Welpen fallen, ebenso wie aus zwei hirschroten Eltern bei den Hannoverschen Schweißhunden keine gestromten Kinder fallen können. Hier gilt offenbar die „Mendel`sche Primellehre“ ohne Variationen.
Fazit: Wir wissen einiges, aber doch insgesamt sehr wenig über die genetischen Anteile von Vater und Mutter, die diese an ihre Nachkommen weitergeben und in diesen dann sichtbar werden.
Wir wissen auch nicht, warum manchmal bei einer Wiederholungspaarung nach einem in Form und jagdlichen Anlagen und späteren (jagdlichen) Leistungen überdurchschnittlichen Wurf der Folgewurf allenfalls mittelmäßig oder noch darunter ausfällt. Die Erbanlagen der Eltern haben sich doch nicht verändert?
Fragen über Fragen. Vielleicht gelingt es mir, mit diesem kleinen Beitrag eine Diskussion anzustoßen.
Text: Bernd Krewer und Foto: Archiv (Annika Deckena)