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Gute Hunde - wie Pferde - haben keine Farbe

„Ein guter Hund kann keine schlechte Farbe haben!“ – diesen Spruch habe ich vor mehr als fünfzig Jahren gehört und er gilt sicher auch noch heute.
Die möglichen Farben und Farbkombinationen bei unseren verschiedenen Jagdhundrassen sind in den bei der FCI (Fédération Cynologique Internationale) hinterlegten Standards festgeschrieben und an die müssen sich die Zuchtvereine halten. Dennoch kann es für Züchter und Zuchtverantwortliche hilfreich sein, zu wissen, welche Farben dominant und welche rezessiv vererbt werden. Auch über die Begriffe Reinerbigkeit (Homozygotie) und Mischerbigkeit (Heterozygotie) sollten alle mit der Zucht unserer Jagdhunde betrauten Personen ein wenig Bescheid wissen.

Ich bin kein Wissenschaftler, sondern ein Jäger, der sich ein langes Leben mit der Führung von Jagdhunden und deren Zucht beschäftigt hat. Die nachfolgend für einige wenige Jagdhundrassen dargelegten Erkenntnisse basieren also auf praktischen-züchterischen Erfahrungen und nicht auf wissenschaftlichen Testreihen. Einige (Er-)Kenntnisse über Regeln der Farbvererbung habe ich auch aus persönlichen Schriftwechseln und Veröffentlichungen der großen Kynologen Konrad Andreas und Rudolf Frieß übernommen.
Die meisten Jagdhundrassen sind mehrfarbig und diese Mehrfarbigkeit ist – so glaube ich – (fast) immer mischerbig. Daher ist eine Prognose, wie die Farben sich bei den Nachkommen zweier mehrfarbiger Eltern darstellen werden, fast unmöglich.
Es gibt aber auch Ausnahmen.
Beim Beagle ist die Zweifarbigkeit rezessiv reinerbig. Das heißt, dass aus zwei zweifarbigen Eltern keine dreifarbigen Welpen fallen werden. Liegen in einem solchen Wurf dennoch Tricolor-Welpen, dann muss noch ein dreifarbiger Partner „nachgeholfen“ haben. Weil aber die Dreifarbigkeit nahezu immer mischerbig ist, können in einem Wurf nach zwei dreifarbigen Eltern durchaus zweifarbige Welpen liegen.
Die Farbe Schwarz ist fast immer dominant und Einfarbigkeit dominiert über Mehrfarbigkeit! Daher ist bei der Rasse Deutsch-Drahthaar die Paarung rein-brauner DD mit Schwarzschimmel-DD nicht erlaubt. Das Ergebnis wären rein -schwarze Nachkommen, weil hier die dominante Farbe Schwarz mit der ebenfalls dominanten Einfarbigkeit zusammen käme. Aus dem gleichen Grunde ist die Verpaarung zweier schwarzer Pudelpointer nach der Zuchtordnung dieses JGHV-Vereins nicht zulässig, die Nachkommen wären alle schwarz und es würde so die braune Farbe in dieser Rasse allmählich zurück gedrängt. Und das will man nicht.
Vor vielen Jahrzehnten deckte einmal ein rot-schwarz gestromter Hannoverscher Schweißhundrüde eine rein-braune Deutsch-Langhaarhündin. Der Wurf bestand aus zehn „lackschwarzen“ Welpen. Hier wurde das dominante Schwarz der Stromung beim Rüden mit der ebenfalls dominanten Einfarbigkeit der Hündin „genetisch“ kombiniert.
Beim Hannoverschen Schweißhund ist die hirschrote Farbe reinerbig-rezessiv, die Stromung dagegen dominant, aber fast immer mischerbig. Ein gestromter HS muss daher immer mindestens einen gestromten Elternteil haben, sonst stimmt etwas in der Ahnentafel nicht…
Aus zwei hirschroten Eltern werden stets nur hirschrote Welpen fallen. Umgekehrt können durchaus in einem Wurf aus zwei gestromten Eltern hirschrote Nachkommen liegen. Das entspricht übrigens auch den Zuchterfahrungen bei den ähnlich gefärbten Doggen- und Boxern.
Farbverändernde Mutationen kommen gewiss manchmal auch bei unseren Jagdhunden vor. Unter Mutation versteht man eine meist sprunghafte Veränderung des Erbgutes, also auch der Fellfarben. Mutationen sollen insbesondere bei Nachkommen aus stark ingezüchteten Linien vermehrt beobachtet worden sein. Die „plötzliche“ Präsentation blauer Weimaraner in jüngerer Zeit sollte auch eine solche Mutation sein. Wissenschaftler haben aber herausgefunden, dass das nicht sein kann. Aus zwei grauen Eltern kann keine blaue Farbe heraus „mutieren“, das haben Genetiker dem Weimaraner-Klub in einem Gutachten bescheinigt.
Rudolf Friess schrieb mir einmal, dass es nach seiner Erfahrung Ewigkeiten dauern würde, bis sich lange Zeit „durchgezüchtete“ und in ihren unterschiedlichen Formen jeweils homogene Rassen zu einer gewollten Mischform kombinieren ließen. Die Ausgangsrassen würden immer wieder herausmendeln. Das haben wir beim Hannoverschen  Schweisshund erlebt, bei dem bis in die jüngere Zeit schwere Leithundtypen und leichtere Brackentypen, oft aus einem Wurf, zu beobachten waren. Und das, obwohl die Einkreuzung der (leichten) roten Hannoverschen Haidbracke in den (schweren) Leithund schon mehr als hundert Jahre zurück liegt.
Auch bei der „jungen“ Rasse Deutsch-Drahthaar mendeln bis heute Hunde heraus, die ihre Deutsch-Kurzhaar, Pudelpointer oder Deutsch-Stichelhaar-Ahnen nicht verleugnen können.
Die Zucht von Jagdhunden – auch auf körperliche Merkmale – ist umso weniger ein Lotteriespiel, je mehr sich Züchter und Zuchtleiter in der Vererbung auskennen. Gewiss, die Farbe ist gegenüber den rassetypischen jagdlichen Anlagen nachrangig. Ihr Erbgang kann aber dem Züchter und vor allem auch dem Zuchtleiter Aufschluss darüber geben, ob die in den Ahnentafeln angegebenen Eltern auch tatsächlich die Eltern sein können. Wie sagen die Lateiner? Mater certa – pater semper incertus (die Mutter ist immer sicher, der Vater nie).
Noch einmal zurück zur Farbe: Die Farbvererbung bei unseren Hunden ist ziemlich kompliziert und auch innerhalb der einzelnen Rassen und deren Farbschlägen unterschiedlich. Es gibt nur wenige Grundregeln, die immer Gültigkeit haben.
Einige habe ich bereits aufgezählt. Stromung dominiert über Hirschrot, Stromung ist fast immer mischerbig, Hirschrot immer rezessiv reinerbig.
Dreifarbigkeit dominiert über Zweifarbigkeit, Dreifarbigkeit ist wohl stets mischerbig, Zweifarbigkeit gegenüber Dreifarbigkeit rezessiv-reinerbig (das gilt zumindest für Beagle).
Einfarbigkeit dominiert über Mehrfarbigkeit – davon war ich bisher stets überzeugt und kenne auch viele Beispiele dafür. Die Tirolerbracken haben mich aber ins Grübeln gebracht. Diese werden in zwei Farbschlägen gezüchtet: einfarbig hirschrot und schwarz-rot, beide Schläge dürfen weiße Abzeichen haben. Paarungen beider Farbschläge untereinander sind erlaubt und es fallen dann sowohl einfarbig-hirschrote als auch schwarz-rote Welpen in einem Wurf. Bei dieser Rasse gilt also auch nicht, dass die Farbe Schwarz immer gegenüber allen anderen Farben dominant ist.
Fakt ist aber auch: Weiss ist niemals eine Farbe, sondern ist Farblosigkeit, also Pigmentarmut bzw. Fehlen von Pigment. Es wird vermutet, dass Pigmentarmut bzw. Pigmentfreiheit genetisch gekoppelt sein könnte mit geringer „biologischer“ Widerstandskraft.
Das ist mein Wissensstand – und der ist spärlich. Ich wüsste auch niemanden, der sich „rasseübergreifend“ in der Farbvererbung bei den verschiedenen Hunderassen so gut auskennt, dass es sich lohnen würde, nach einem solchen Fachmann zu fahnden und ihn zu fragen. Aber eines wäre für die Zukunft wichtig: im geplanten bzw. demnächst vorhandenen zentralen Zuchtbuch müssten die einzelnen Meuten die Farben der Elterntiere bei allen Paarungen exakt angeben. Diese Angaben müssten in das Zentral-Zuchtbuch übernommen werden, und dann würde man sehen, wie sich die Farben der Eltern in den „Kindern“ wieder finden. Über mehrere Generationen könnte man sicher klarere Erkenntnisse – auch bei der Farbe „Black & Tan“ – gewinnen.


Text: Bernd Krewer  und Fotos: Archiv (Läßig und Sievers)