Welpen-Aufzucht für ein Leben als Meutehund ist eine Weltanschauung. Betriebssicher in jeder Hinsicht kann eine Meute nur sein, wenn jeder einzelne Hund sich in jeder Situation zu benehmen weiß. Aber wer bringt ihnen das bei? Da hat jede Meute, abhängig von den Verhältnissen, ihre eigenen Methoden. Im Schleppjagdverein von Bayern ist sie die „Hundemama“: Birgit Queissner ebnet den Welpen den Weg in ihr aufregendes Leben.
„Das jetzt ist der schönste Teil meiner Pikörzeit“, sagt Queissner über ihre ganz besondere Form der Hundearbeit. Zwölf Würfe hat sie für den SvB bislang großgezogen, vier sind sogar bei ihr zu Hause geboren.
Pferde und Jagdreiten gehören seit ihrer Kindheit zum Leben der Huntslady. Mit acht Jahren erhielt sie ihren ersten Reitunterricht in Frankfurt am Main. Der Vater Lorenz Behr ritt in den 50er Jahren auf Gut Neuhof die ersten Schleppjagden mit dem RWS. „Ich durfte sein Pferd, aus einem Reitstall in Frankfurt geliehen, hin und zurück reiten! Ich war damals schon fasziniert!“
Seit 1962 ist Queissner Bayerin. Da zogen die Eltern auf ein eigenes Anwesen nach Niederbayern, in Winterstetten. Der Vater organisierte sogleich die ersten Schleppjagden mit den Bavarian Beagles (Uttlinger) und dem Cappenberger Schleppjagdverein – Otto Sempell kam 1980 nach Winterstetten. Toni Wiedemann gehörte damals zur Equipage und Birgit legte mit ihrem vierjährigen Pferd die Schleppe. „Das fand ich so toll, dass ich weiter mit den Cappenbergern und Toni Wiedemann in Bayern ritt.“
Ganz folgerichtig war Queissner dann 1986 auch Gründungsmitglied beim SvB und hier acht Jahre im Sekretariat und in der Equipage. Das Sekretariatsamt gab sie schließlich wieder auf. Neben den vielen Einsätzen bei Jagden, Jagdtrainingswochen, Schaubildern und Filmen wäre dazu gar keine Zeit mehr gewesen.
Seit 2001 schon sowieso nicht länger, denn da übernahm sie die Betreuung der Welpen. „Bis jetzt 12 Würfe, davon sind 4 Würfe direkt bei mir zur Welt gekommen.“
Seit Dezember 2008 ist wieder eine neue Zeit angebrochen. Nach dem Tod des Vaters gab Queissner die große Reitanlage in Winterstetten auf und zog mit ihrem Mann und sämtlichem vierbeinigen Gefolge nach Göttleinsberg in den Bayerischen Wald. „Kleiner und handlicher ist hier alles als in Winterstetten, aber Platz für die Hunde musste natürlich sein.“
Dort ist im Frühjahr 2009 der zweite A-Wurf des SvB zur Welt gekommen.
Welpen-Aufzucht ist 24-Stunden-Dienst. Und dabei ist es mit Zeit und Liebe allein nicht getan. „Bei der Betreuung und Erziehung der Hunde lege ich großen Wert darauf, dass die Welpen zwar er- aber nicht ver- zogen werden,“ betont Queissner.
Ihr „1x1“ für Meutehunde ist klar und einfach:
Den Namen lernen,
Leine akzeptieren und sich führen lassen,
Andere Hunde kennen lernen (nicht alles, was fürchterlich kläfft, muss man angreifen)
Das gleiche gilt für Katzen!
Die Hand des Menschen ist nichts zum Fürchten
Anspringen ist nicht erwünscht
„Nein“ heißt wirklich „Nein“
Pferde, den Knall der Hetzpeitsche etc. muss man respektieren aber nicht fürchten
Tür auf heißt nicht, rausstürmen sondern bei „bleib und nein“ bleibt man einfach „drin“
Scent riecht fein – (das lernt sich leicht aus einem mit Scent getränkten Lappen unter der Futterschüssel)
Kommen, wenn der Mensch ruft oder pfeift = Leckerli.
„Bei aller Erziehung sollen unsere Hunde Meutehunde bleiben, mit aller Freiheit und Einschränkungen, die dazugehören. Das soll ihnen und uns die Arbeit auf der Jagd und im „richtigen Kennel“ nur erleichtern,“ fasst die „Hundemama“ zusammen. Die überzeugenden Darstellungen „ihrer“ Hunde bei den Jagden des SvB geben ihr Recht. Wiedersehensfreude ist immer groß, wenn die Hunde ihre „Kindergarten-Tante“ wiedersehen. „Sie kennen mich halt besser als manche anderen Reiter, aber nach der Currée gehen sie auch ebenso gerne mit den anderen Hunden auf den Transporter.“ Sie sagt das nicht traurig, sondern nimmt es als Beweis einer gelungenen Erziehung. Den Kindern den richtigen Weg ins Leben zeigen – das tun doch alle guten Eltern.
Text: Petra Schlemm, Foto oben: Jacques Toffi, andere privat