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Sechs neue Champions und eine Siegerkoppel

Einmal im Jahr gehört die ganze Aufmerksamkeit der Jagdreiter in Deutschland ausschließlich den Hunden der Meuten. Sechs neue Champions aus drei Rassen und eine Siegerkoppel feierte die Deutsche Schleppjagdvereinigung (DSJV) bei ihrer traditionellen Junghundeschau am Haus Schwarzenstein in Drevenack. Seit 50 Jahren wird die Schau der Meutehalter beim Rheinisch–Westfälischen Schleppjagdverein ausgerichtet, und auch das Jubiläum war ein Anlass zum Freuen.

Es passte kaum auf eine Urkunde, was der RWS in diesem Jahr alles zu feiern hat: 90 Jahre der Urgründung als Rheinischer Parforce Jagdverein, 70 Jahre Wiedergründung als RWS, 60 Jahre auf Schwarzenstein und eben 50 Jahre Ausrichter der „JuHu“. Die DSJV bedankte sich mit der Bronzestatue eines Fuchses, die einen würdigen Rahmen in der Bar findet, die der RWS-Präsident Ulrich Hocker aus Anlass seines 70. Geburtstag stilvoll – und mit mehr Platz zum Feiern – umgestalten ließ.


Die Schau von 2022 war eher eine kleine Ausgabe - nur 70 Hunde aus neun Meuten. Aber es war voll im Ring für die Championatswertung. Bei den Foxhounds geriet sie zu einem Zweikampf zwischen den Hamburgern und der Taunusmeute. Bei den Rüden siegte Osborne aus Hamburg vor Varus von der TM. Dafür war es bei den Hündinnen umgekehrt. Hier sahen die englischen Richter Andrew Sallis und William Cursham  die Reihenfolge anders herum: die hessische Vicky vor der Hamburger Deern Opal. Für ihren V-Wurf erhielt Brigitte Roggendorf als Master auch den Pokal für die beste Aufzucht.  Fünfzehn Rüden aus fünf Meuten wurden bei den Wurf-Besichtigungen mit „gut“ gesehen und rückten somit ins Finale vor. Die beiden Champions wurden hier mit „sehr gut“ nach oben korrigiert. Bei den Hündinnen  wurden die Championessen und auch die drittplatzierte Kati aus der Niedersachsenmeute  alle drei für „sehr gut“ gehalten.

In diesen beiden Finalringen wurde auch augenfällig, was ein paar Monate im Leben eines Junghundes ausmachen. Der gerade ein Jahr alte K-Wurf der Niedersachsen präsentierte sich aufgeweckt und insgesamt sehr ansprechend, aber konnte in der Statur mit den „großen Jungs (und Mädels)“ mit achtzehn Monaten noch nicht recht mithalten.  Das sagt allerdings nichts über deren Einstellung: Fröhlich-frei bewegten sie sich wie selbstverständlich im Ring mit ihrem Huntsman Johan Ellenrieder und Hans Hubertus von Pander.  


Die Berichtung der Beagles war in diesem Jahr eine One-Meuten-Show vom Vogelsberg. Nathalie Wiederspahn - inzwischen befördert zur Vize-Master - zeigte den W-Wurf aus sechs Rüden und zwei Hündinnen und die Beagle Meute Münsterland präsentierte Vasco und Vicky, die beide ebenfalls aus dem Kennel in Spielberg stammen. Der Championstitel ging an Webster, während Vasco eigentlich besser gesehen wurde, aber wegen eines Rückbisses für die Zucht nicht in Frage kommt. Bei den Hündinnen tobten sich Whoopi und Wilma in aufgeweckter Beagle-Manier die Herzen der Richter und der Zuschauer.  


Ohne Konkurrenz trat Andrea Wiehn mit drei Rüden und vier Hündinnen vor die Richter. Die Hardt-Meute führt als einzige in Deutschland große französische Laufhunde und die Anglo-Francais aus dem Kennel in Dunzweiler begeisterten sogar die auf Foxhound geprägten englischen Richter. Wenn es nach denen gegangen wäre und die Ausschreibung das vorgesehen hätte, hätten sie den großen zweifarbig schwarz-weißen Suomo sogar zum „Champion of Champions“ gemacht. So blieb ihm nur der „einfache“ Titel. Seline – „a lovely hound“ - und Solveig sicherten sich die Titel bei den Hündinnen.


Die Koppelklasse gewinnt wieder an Bedeutung. „Das ist uns wichtig, weil hier am besten das Gleichmaß der Zucht sichtbar wird“, betonte der Zucht-Referent der DSJV, Chris Gabrielse. Als Moderator der Schau begrüßte er fünf Koppeln, wie die Meutehalter ihre Zweier-Passgespanne nennen. Überragende Sieger waren hier die RWS-Vertreter Fives und Felix, die als Welsh Drahthaar besonderes Augenmerk auf sich zogen und sich hervorragend bewegten. „Zwei völlig identische Hunde und beide gut“, lobte Andrew Sallis, zumal die beiden Sieger aus sehr, sehr guter Familie kommen. Vier Hounds aus ihrem F-Wurf wurden in diesem Jahr in der Klasse III zur Nachberichtung wiedervorgestellt und drei von „sehr gut“ auf „excellent“ angehoben.   


Aber es war nicht alles wunderbar an dem jetzt vorgestellten Jahrgang der Junghunde. Laut und unmißverständlich bemängelten Robert Zurl und Dr. Gerhard Bosselmann bei den Beagles die Hochläufigkeit und beagle-untypische schmale Gesichter. „Die längeren Beine sind der Verwendung für den Reitsport geschuldet, aber es ist Vorsicht geboten, damit diese Meutebeagles keine Deutsche Bracke werden.“

Die beiden englischen Richter wurden noch deutlicher, allerdings hinter vorgehaltener Hand - und vielleicht auch nach zwei Jahren Abwesenheit wegen Corona-Reiseverboten auch entwöhnt von deutschen Verhältnissen. „Insgesamt zu leicht“, fanden sie diesen Jahrgang, aus dem aus ihrer Sicht allenfalls Osborne als Deckrüde in Frage kommen könnte. Andrew Sallis, bis Mai 2022 Joint-Master und Huntsman der Kimblewick Hunt, formulierte eine drastische Warnung: „Wer mit solchem Kaliber züchtet, der ist auf dem Weg zum Harrier. Das ist in Ordnung – aber dann sind es eben keine Foxhounds mehr“.


Schön aussehen im Ring, das ist das eine bei der Junghundeschau, die für die Meutehunde auf Eintragung ins Stammbuch des Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV) zielt. Leistung, Gehorsam und „Betriebssicherheit“ ist das andere. Alle zwei Jahre unterziehen sich die Meuten dieser Prüfung und in diesem Jahr stellte sich die Rheinlandmeute den Richtern. Barbara und Ralf Siegel mit der ganzen Familie und ihren Pikören hatten zwölf Foxhounds, darunter fünf Junghunde, mitgebracht und der DSJV-Vorsitzende Egbert von Schultzendorff signalisierte hinterher „bestanden“.  


Junghundeschau 2022
Champions – Rüden
Foxhounds
1. Osborne- HSJV
2.Varus – TM
Beagles
1.Webster – VM
2. Vasco – BMM
Anglo-Francais
1.Suomo – HM
2.Sebastian – HM
Championessen – Hündinnen
Foxhounds
1.Vicky – TM
2.Opal – HSJV
Beagles
1. Whoopi
2.Wilma
Anglo-Francais
1.Seline – HM
2.Solveig – HM
Koppelklasse:
Felix und Fives – RWS (Foxhounds)
Beste Aufzucht: Taunusmeute



Text und Fotos: Petra Schlemm – Weitere Bilder finden Sie bei givemeasmile.de