Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und dabei das Nutzererlebnis zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Mehr Informationen

Dank an die Hunde


Welchen Charakter eine Jagd hat, das bestimmen die Hunde - vom Foxhound, über Beagle und französischen Laufhund bis hin zum Bluthund. (Foto Toffi)
Bald dürfen wir auch mitmachen. "Krabbelgruppe" der Beagle Meute Lübeck
Die Hunde sind die Hauptakteure einer Jagd. Das war früher so, als die Meute das Wild stellte, und das ist auch heute mit der künstlichen Fährte noch so.

Streng genommen folgen die Reiter nur als Beobachter. Dass sie selbst dabei das Jagdfieber packt, dafür sorgt das "Geläut" der Hunde - sagen sie bloß nie "Gebell"!

Der Jagdreiter sollte 'mit den Ohren' hinter den Hunden reiten, um mitzuerleben, wie die Hunde laut auf der Schleppe jagen (fährtlaut), wenn sie diese geortet haben, wie sie stumm werden, wenn der Scent (künstliche Fährte) verloren ist und wie sie lauthals weiter jagen, wenn der Kopfhund die Fährte neu aufgenommen hat", schreibt Hubert Stegmann, ehemals Zucht-Referent der Meutehalter und Herausgeber verschiedener Standardwerke. Hunde machen für den Jagdreiter den Dreiklang aus Mensch, Tier und Umwelt erst vollkommen.

26 Meuten sind der Deutschen Schleppjagdvereinigung angeschlossen, 14 führen Foxhounds, acht Beagles und drei Französische Laufhunde. Auch eine Meute aus Bloodhounds gibt es. Um die 1200 Jagdhunde halten die deutschen Meutehalter in ihren Kennels (Hundezwinger). Die Größe der Meute sagt dabei wenig über ihre Leistung aus, allenfalls über die Finanzkraft ihres Halters (Futter, Tierarzt etc.). Es ist allerdings weniger Bescheidenheit als Tradition, wenn die Master von ihren "Koppeln" sprechen und dabei die Anzahl ihrer Hunde paarweise angeben - durch das Anbinden mit der Koppel an einem Althund lernen junge Jagdhunde ihren Job.

 

Außerhalb der Meute fühlen sich viele Jagdhunde nicht sonderlich wohl.
(Foto: Toffi)

Der Foxhound ist eine englische Rasse, die seit 1860 im Zuchtbuch der Master of Foxhound Association geführt wird. Er hat ein Stockmaß zwischen 53 und 63 Zentimetern, ist zwei- oder dreifarbig und fühlt sich nur im Meuteverband wirklich wohl. Wer einen versprengten Meutehund im Wald findet, sieht sich keinem Werwolf gegenüber, sondern viel eher einem verängstigten Wauwau, der sich nichts sehnlicher wünscht als den Anschluss an seine "Familie" wieder zu finden.

Die Beagles sind vermutlich bereits über 600 Jahre alt. Der Rassestandard liegt bei maximal 40 Zentimetern Schulterhöhe, aber die deutschen Meutehalter züchten fast alle am oberen Limit, damit der fährtenlaute, quirlige Hund schneller ist. In England wird der kleine Beagle traditionell zu Fuß verfolgt. Der Beagle ist freundlich, neugierig, an allem interessiert und auch als Familienhund beliebt. Eine wache Beagle-Meute zu führen gleicht auch dem oft zitierten "Flöhe hüten".

Der französische Laufhund ist ein Oberbegriff für verschiedene Rassen, die der Volksmund auch als "Tricolore" bezeichnet, obwohl durchaus auch andere Farbkombinationen als weiß-braun-schwarz gezüchtet werden. Mit einer Schulterhöhe bis zu 71 Zentimetern erreicht er atemberaubende Geschwindigkeiten und bleibt dabei "verlässlich fährtelaut". In Frankreich werden sie noch heute stundenlang auf lebendes Wild wie Hirsche eingesetzt.

Der Bluthund geht auf den Hund aus der Legende des heiligen Hubertus zurück. Er wiegt bis zu 50 Kilogramm, hat die typischen Gesichtsfalten und ist nicht sehr schnell, aber seine Nase so fein, dass sie auch zwei Tage alte Fährten aufnimmt. In Belgien gibt es mehrere Meuten, die von Reitern zumeist im Trab begleitet werden.

Die Rasse der Meutehunde bestimmt den Charakter der Jagd. Beagles oder "Franzosen" - das ist als ob man eine Rallye mit einem Formel-1-Rennen vergleicht. Beide haben ihre Fans.

Die Meutehalter in Deutschland sind Mitglied im Jagdgebrauchshundverband (JGHV). Ihre Hunde gehören nicht von ungefähr zu den 59 dort vertretenen Rassen. Der Hundefachmann Bernd Krewer erklärt: "Foxhound und Beagle sind Urformen unserer Jagdhunde und mit ihrem Blut in vielen dieser Rassen vertreten." Geschätzt wird auch die "genetische Reserve", die die Meutehunde mit ihrem intakten Sozialverhalten für andere Jagdhunderassen bieten, die heute meist als Solisten gehalten werden.

"Stinkemann" mit einem Tropfkanister (Foto: Archiv Boiselle/Neddens)

Wie laufen sie denn?

Schleppjagdhunde in Deutschland laufen seit 1934 auf einer künstlichen Fährte und werden am Ende mit einem Stück Pansen belohnt. Die Schleppe legt heute der "Stinkemann", der einen Tropfkanister hinter dem Sattel aufgeschnallt hat. Wie früher wird oft noch Fuchslösung verwendet, aber auch Heringslake oder Anislösung kommen zum Einsatz. Einige Meuten jagen auch auf "Trittsiegel (Hufabdruck) eines bestimmten Pferdes ("clean boot").

Eine spurtreu jagende Meute ist ein Kunstwerk, das nur geschaffen wird über die gezielte züchterische Auswahl, optimale Haltung und Fütterung sowie systematisches Training, damit die Hunde im Appell von Huntsman, Master und Equipage stehen und konditionell in der Lage sind, lange Strecken zu galoppieren. All das zeigt sich an einem Jagdtag. Aber gearbeitet werden muss daran mit Konsequenz und viel Zeit das ganze Jahr über. Wer sich mit einem Jagdhund beschäftigt oder auch nur seinen "gewöhnlichen Haushund" zu einem Mitglied der Gesellschaft erzogen hat, wird das Engagement der Beteiligten ermessen können. So gehorsam wie der einzelne Hund ist die gesamte Meute. "Die Ausbildung ist von der normalen Hundearbeit nicht zu trennen", betont Wilfried Ebel, der nach mehr als 30 Jahren professioneller Hundearbeit beim Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein und 1200 Jagden dort zum Ehrenhuntsman ernannt wurde.

Die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Integration von Jagdhunden: eine gehorsame Altmeute und eine Vertrauensperson, die auch den Respekt der Altmeute besitzt. Diese Rolle muss der Huntsman ausfüllen. Dazu bedient er sich seiner Piköre. Er selbst belohnt die Hunde mit Hundekuchen und greift bei der Arbeit möglichst nie strafend ein. Die Piköre verfolgen den ausreißenden Jagdhund, überholen ihn und treiben ihn zur Meute zurück. Eine Bestrafung im Pack ist falsch. In der Meute muss sich der Junghund immer sicher fühlen.

Die Hunde jagen einer künstlichen Fährte hinterher, die der "Stinkemann" mit einem Tropfkanister legt.                             Foto: Archiv Baiselle/Neddens


Schönheitskonkurrenz

Seit über 30 Jahren treffen sich die Meutehalter Deutschlands im Juli zur Junghundeschau auf Haus Schwarzenstein bei Wesel, die der Zuchtwart der Deutschen Schleppjagdvereinigung organisiert. Gezeigt werden Junghunde, die in der kommenden Saison in die Meute eingestellt werden sollen und ältere Jahrgänge und Ankäufe, die noch nicht vorgestellt sind. Klasse III beurteilt Champions und Reservesieger aus dem Vorjahr und Hunde, die sich seit dem Vorjahr deutlich besser entwickelt haben. In der Koppelklause werden Rüden und Hündinnen aus der Jagdmeute gekoppelt vorgestellt, um gleichmäßige Linienzucht zu zeigen. Der Formwert eines Hundes setzt sich zusammen aus dem Gebäude mit seinem Charakter, auf den aus dem Verhalten im Ring geschlossen wird. Nicht überprüft wird die Jagdleistung, die mit dem Formwert den Zuchtwert ausmacht.

Nase, Schnelligkeit, Ausdauer, Passion und nicht zuletzt das Geläut machen einen guten Meutehund aus. Angesichts von Forderungen nach Leinenzwang und Kampfhundeverordnung hat die "Betriebssicherheit" einer Meute Priorität. Wild- und Fremdhundesauberkeit sind oberste Anforderungen an einen Schleppjagdhund. Wesensfestigkeit und Sozialverhalten Auswahlkriterien für die Nachzucht. Die Autorität des Kopfhundes muss akzeptiert werden. "Stänkerer" scheiden aus. Zum positiven Sozialverhalten gehört der freundliche Umgang miteinander, im Kennel und bei der Jagd. Solche Meutenhunde lecken sich gegenseitig ihre Wunden und schlafen eng aneinander gekuschelt.

Im Gegensatz zu Hundezüchtern, die ihre Hunde zum Verkauf anbieten, behalten Meutehalter meist ihre Zucht. Sie können das Resultat ihrer Arbeit über Jahre beobachten und von A bis Z - über die Anfangsbuchstaben der Wurfnamen - vergleichen. Es Öfteren zeigt sich dann, dass gute Noten noch kein Garant für einen fähigen Kopfhund sind.

 
QUELLENNACHWEIS: St. Georg 10/2005
Text: Petra Schlemm