„Bei uns geht es nicht um Ruhm, um Gewinnen - es geht um Ankommen, um Gemeinschaft, Fairness, gegenseitige Achtung und Anerkennung, um Füreinandereinstehen“
Das ist die Philosophie seines erklärten Sports, die Jagd in Rot, genauso wie seine Lebenseinstellung.
Jagdreiten ist Familiensache für den Master der Niedersachsen-Meute, im engeren und auch im weiteren Sinn. Im Süddeutschen ist seine Familie zu Hause, im Osten ist er geboren, in Hannover aufgewachsen.
Camill von Dungern war 20 Jahre alt, als er bei einer Einladung im Hause von Loesch die Tochter Camilla kennenlernte. „Nächstes Jahr ist 40. Hochzeitstag.“
Sechs Kinder hat das Paar: Celestina, Cinderella, Caroline, Cesalie und die Söhne Cecil und Cosimo – alles Jagdreiter - und zehn Enkel. Davon reiten schon fünf. Die anderen sind noch zu klein, einer spielt lieber Ball.
Oft sind drei Generationen von Dungern im Jagdfeld unterwegs, verstärkt von der Verwandtschaft, die für den engagierten Christen ein zentrales Thema ist neben dem Beruf als Bankier.
Außer Camill von Dungern hat die Meute zwei weitere Master: Constanze Stahlberg, geborene von Loesch, und Egbert von Schultzendorff, der Cosima von Loesch geheiratet hat. Die vierte Loesch-Tochter, Carmen, fand ebenfalls einen Jagdreiter, Dr. Moritz Sponagel. Zusammen kommen die vier Familien auf 18 Kinder – bis auf zwei Ausnahmen alles Jagdreiter! In der Pferdezucht nennt man das einen erbsicheren Stamm.
Sein Jagdreiterleben im Zahlenspiegel: 1965 Eintritt in die Niedersachsenmeute, seit 30 Jahren führt er sie als Master. Engagierter „Berufsjugendlicher“ seit 42 Jahren bei der Jugendwoche der Meute, die inzwischen schon Jagdreiter in dritter oder gar vierter Generation produziert hat. „Einmal konnte ich nicht dabei sein. Sonst habe ich dafür immer Urlaub genommen.“ 37 Jahre engagiert in der Deutschen Schleppjagdvereinigung, die er zuletzt als stellvertretender Vorsitzender leitete. Seit 2007 ist er Ehrenvorstand.
Der runde Geburtstag, am 10. Dezember, wird ohne Trubel, fern von Fuhrberg, zur Kenntnis genommen, bewirkt aber keine gravierenden Veränderungen. Die Leitung des privaten Bankhauses in Wolfenbüttel, das er als persönlich haftender Gesellschafter mit einem zweiten Partner seit dem Jahr 2000 führt, geht weiter. „Eine große Verantwortung.“ Und auch das Meuteleben geht weiter wie geplant: „Wenn ich mal Angst habe, vor den Jungen vorweg zu springen, dann höre ich auf.“ Bis dahin glänzt er weiter durch brillantes Reiten und mit Witz und Stil und prägt die Niedersachsenmeute auf unnachahmliche Weise im Sinn der Familie, die wiederum ganz in der Nachfolge von Christian von Loesch steht. Der kam als Flüchtling aus Schlesien, übernahm den Hof in Dorfmark und baute sich mit seiner Frau Sigrid eine neue Existenz auf, in der das Jagdreiten hinter Hunden eine zentrale Rolle spielte. „Ich habe viel von meinem Schwiegervater gelernt, viel geschleppt und viel als Pikör in der Equipage gearbeitet.“ Diese Tradition verpflichtet, und „Mit Bedacht“ steht über dem Eingangsportal des Bankhauses in Wolfenbüttel. Sorgen um die Meute macht er sich immer, aber um die Nachfolge braucht ihm nicht bange zu sein. „Mein Schwager ist ja ein paar Jahre jünger als ich.“ Und dann sind da ja auch noch andere Familienmitglieder, die das Füreinandereinstehen verinnerlicht haben.
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© Text: P.Schlemm Fotos: B.Eylers