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Günther Dörken 70

„Eule!“ – Da kann Günther Dörken nicht weit sein. Kein Foxhound, kein Pferd, und keiner weiß mehr so recht warum – aber dieser Nachtvogel ist der Erkennungsruf des Masters für die Mitglieder seiner Familie. Wer ist wo? Wo wollen sie hin? „Eule“ rufen die Dörkens nicht nur bei der Hundearbeit des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdvereins in Schwarzenstein sondern auch auf den Skipisten im schweizerischen Verbier, wo die ganze Familie viel unterwegs ist. 

 

Mehr als ein halbes Jahrhundert Jagdreiter – da wird man zum Urgestein, und Günther Dörken hat sein Wissen auch gedruckt dargelegt als Autor des „Handbuch Jagdreiten“ und als Verfasser etlicher Beiträge über die Geschichte des RWS. 1953 lernte der Industrielle aus der Stahlbranche in Ennepetal den RWS kennen, damals noch auf Gut Hugenpoth in Essen beheimatet. Dort traf er auch seine Frau Ingrid, die zu der Zeit sehr engagiert im ersten Feld unterwegs war.  Seit 46 Jahren sind sie verheiratet und haben gemeinsam ihren drei Kindern Petra, Stephanie und Franz die Leidenschaft für die „Jagd in Rot“ weitergegeben.


 
Im RWS trat Dörken 1976 der Equipage bei und wurde 1980 Joint-Master mit Dr. h.c. Rolf Schwarz-Schütte und später Master of Foxhounds. Das Masteramt gab er 1996 nach einem schweren Reitunfall in Bielefeld auf, gesundete aber wieder so weit, dass er noch einmal als Joint-Master mit Prof. Dr. Wolfgang Stock reiten konnte. 2006 hat er offiziell die letzte Schleppe gelegt und sich jetzt, drei Jahre später, aus allen Vorstandsämtern des RWS gelöst, wo er seit 1983 engagiert war. 

Ein Master lebt nicht nur von der ihm eigenen Art mit Menschen und Hunden sondern auch mit seinen Pferden. Dörkens Name ist verbunden mit vielen. Der bekannteste ist der große Schimmel Walkman, mit dem er sechs Jahre lang in seiner aktivsten Zeit als Master „vorneweg“ war. Nach ihm kam Ryan. Der Engländer war als Masterpferd schon unter Stephen Lambert in Gloucestershire unterwegs gewesen. „Ein typischer Hunter, kompakt, sehr muskulös“, beschreibt ihn Franz Dörken, der als Schleppenleger seinen Vater in der Equipage abgelöst hat und jetzt den Schimmel Mandela, ehemals von Karl Schneider geritten,  mit ihm teilt. Weggefährten erinnern sich auch an die Braunen Manitou und Much oder an Leicester. Den Dunkelschimmel Royal Adventure setzte Dörken nur sehr gelegentlich im Jagdfeld ein. Er gehörte eigentlich der ältesten Tochter Petra, die mit dem Iren Anfang der 80er Jahre Deutsche Meisterin der Jungen Reiter in der Vielseitigkeit gewesen ist. Der Vater hat sie als Fahrer, Trainer, Manager auf vielen Turnieren begleitet.


 
Der Pferdesportverband Rheinland  hat ihn im Mai mit der Ehrennadel mit Lorbeerkranz ausgezeichnet. Der Ehrenvorsitzende der Deutschen Schleppjagdvereinigung nahm die Auszeichnung entgegen im Rahmen der Siegerehrung des Geländerittes beim Rheinisch-Westfälischen Schleppjagdverein. Der PSV-Vorsitzende Friedrich Witte war dazu nach Drevenack gekommen. Die Ehrung ist bestimmt für außergewöhnliche Verdienste um die Förderung des Reitsports, nicht nur im eigenen Verein sondern auch überregional. Da schlägt bei Dörken einiges zu Buche: Dreizehn Jahre, von 1989 bis 2002, war er Vorsitzender der Deutschen Schleppjagdvereinigung, die er zuvor auch schon fünf Jahre lang als Stellvertreter von Hans Giele (Hamburger Schleppjagdverein) geleitet hat. Seit Dörkens Rückzug vom Bundesvorsitz ist er Ehrenpräsident neben Giele.

„Vor dem 70. Geburtstag soll Schluss sein“, hatte Günther Dörken angekündigt und sich aus allen Ämtern gelöst. „Jetzt bin ich frei von Rundschreiben und Terminen.“ Geritten wird aber weiterhin, „Jede Zeit, die ich dafür frei habe, die nutze ich allein oder in Begleitung zum Reiten in Schwarzenstein,“ sagt der Jubilar. 
Heute, am 19. Dezember, wird im Familienkreis der 70. Geburtstag gefeiert. Seine Frau hat gestern die 69 vollendet. „De Omma“, spricht er oft von ihr, sehr westfälisch-direkt. Er selbst bezeichnet die ihm eigene Art des öfteren ironisch als „Gesenkschmiede-Charme“.
Im Februar geht dann noch einmal eine Festtags-Jagd in Schwarzenstein ab, wenn Sohn Franz die 40 erreicht. 110 Jahre Dörken... mindestens - und der RWS ist über die Jahre geprägt davon.
Petra Schlemm