60 Jahre und kein bisschen Senioren-Rabatt. Toni Wiedemann, Meutegründer und Master beim Schleppjagdverein von Bayern, hat am Montag (27.September) „genullt“ und entsprechend gefeiert. Es war eine (fast) spontane Riesen-Sause und hat Spaß gemacht.
„Dieser Motor stottert nicht“, befand die „Jagdreiterfamilie“ bei dem großen Fest in Pöttmes im Gut Sedlbrunn, mit dem Toni Wiedemann seinen 60. Geburtstag feierte. Gäste kamen auch aus anderen Meuten, und der Vorsitzende der Deutschen Schleppjagdvereinigung, Stefan Entel, hob (nicht nur) die gelungene Kombination von modernem Marketing und Brauchtumspflege hervor, mit der Wiedemann den Verein zu einer echten Größe gemacht hat, die auch über die Grenzen des Bayernlandes Einfluss nimmt und die Schleppjagd positiv darstellt.
Ein „Monsignore“ (Hans Schaller) hat gratuliert und festgestellt: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Toni Wiedemann in den Himmel kommt – denn in Pöttmes hat er sein Paradies ja schon gefunden.“ Die Equipage kündigte ihm verschiedene Wellness-Optionen in Deutschland an und hat für ihn gesammelt. Kommentar von Toni W. dazu: Da muß ich also in einer Nacht – denn mehr Zeit habe ich für so was ja nicht - also ziemlich viel Geld auf den Kopf hauen.“
Aus den 365 Tagen eines Jahres macht der Jubilar mit Energie und Zielvorstellungen „gefühlte 550“ und da kann man ’was schaffen: Er war noch nicht 14 als er in der elterlichen Bäckerei im bayerischen Friedberg seine Lehre begann, Bäckermeister mit 20, selbständiger Versicherungsagent mit 34 („genug den frühen Morgen gelobt“) und außerdem engagierter Jagdreiter und zunächst Meuteführer des nach Bayern emigrierten Süddeutschen Pack des Cappenberger Schleppjagdvereins. 1986 gründete Wiedemann den SvB, der heute über 400 Mitglieder hat. Seit 1989 führt er die eigene Meute. Frau (seit 1990) und Sohn (seit 2000) hat er auch. Sissi und Simon feierten mit. Haus und Apfelbaum sind sowieso selbstverständlich.
Die größte Herausforderung kommt aber jetzt noch: auf zwei Hektar Eigenland wird im nächsten Jahr der neue eigene Kennel des Schleppjagdvereins gebaut. Ein weiter Weg „von der Kartoffelkiste und aus dem Schafstall“, wie Wiedemann selbst die Anfänge der Meute beschreibt. Da war das damals noch kleine Pack im Koffer-Aufbau eines Lkw zu Hause, und der wurde Nacht für Nacht in eine stillgelegte Sandgrube gefahren, damit die Hunde niemand stören konnten. Fünf Jahre lang hat er den mit einer Kartoffelkiste verglichenen Lkw hin- und herbewegt. Dann kam ein Schafstall in Dasing und schließlich Gut Koppenzell, wo ein vorbildlicher Kennel eingerichtet ist. „Aber bald wird alles noch schöner!“, wird ohne Rast und Ruh schon wieder weiter motiviert.
Text und Fotos: Schlemm