Aidan O’Connell rief und alle kamen!
Schon im Frühjahr zu seinem 60. Geburtstag sollte eine große Geburtstagsjagd in Sudermühlen stattfinden. Doch ein ferner Vulkan in Island verhinderte die Anreise seiner Gäste, weshalb die Jagd kurzfristig entsprechend des typisch irischen Pragmatismus auf das 60 ½ Wiegenfest des bekannten Iren verlegt wurde.
Der Ort war gut gewählt, denn zum Einen weilt Aidan seit fast 30 Jahren regelmäßig in Sudermühlen und zu Anderen verfügt Sudermühlen bekanntlich über eine der besten Schleppjagdstrecken Deutschlands.
Seit Monaten waren alle Zimmer im Tal der Sudermühle ausgebucht und die Familie Rabeler hatte alles unternommen, um ihrem Stammgast auch ein würdiges Fest und eine gute Jagd zu gestalten. Das Hotel war auf die vielen internationalen Gäste vorbereitet und die ohnehin bekannt gute Jagdstrecke war ungewöhnlich früh im Jahr bestens präpariert worden. Schließlich sollte ja nicht nur gefeiert sondern auch geritten werden. Dazu war die logistische Meisterleistung vollbracht worden, fast 30 Leihpferde für die internationalen Gäste zu Verfügung zu stellen. Schon am Mittwochabend platze Sudermühlen aus allen Nähten, 80 Gäste aus den USA, Kanada, England, Schottland, Belgien, Dänemark, Tschechien und natürlich jeweils eine starke Streitmacht aus Irland und Deutschland bevölkerten die Bar und hielten den bekannten Smalltalk bevor das reichlich verstimmte Klavier von den Iren gekidnappt und bis spät in die Nacht gesungen wurde - selten zuvor war Sudermühlen so international.
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Als am Donnerstag pünktlich „at noon“ zum Stelldichein von der Trompes de la Bruyère angeblasen wurde, zeigten sich die großen kulturellen Unterschiede, die in der Welt des Jagdreitens herrschen. Alle Gäste aus Übersee fühlten sich wie im „World Hunting Showcase“ und zückten ihre Fotoapparate, die Skandinavier hatten stattdessen ob des Getöses nur noch Angst um ihre Pferde, während die Iren und Engländer lieber noch einen letzten Whiskey in der Bar zusprachen. Endlich saßen alle auf den Pferden. „Draghunting is like kissing your sister“ hatten unsere irischen Freunde noch am Abend zuvor getönt. Zur Überraschung vieler traten die lautesten der Iren nun aber nur als Infanteristen an. Offensichtlich schien die Schwester doch im Vorfeld schon Eindruck hinterlassen zu haben.
Drei Meuten, zu denen Aidan O’Connell seit Jahren besondere Beziehungen unterhält, waren angetreten, um Aidan ihre Aufwartung zu machen. Allen voran der Hamburger Schleppjagdverein, zu dem Aidan bereits seit 30 Jahren gute Kontakte unterhält und deren Mitglied er zudem ist. Auch Otto Schütz hatte es sich mit seinen Asbach Foxhounds nicht nehmen zu lassen, seinem alten Freud und Weggefährten mit seinen Hunden zu begleiten. Das Trio komplettierte die Böhmer Harriermeute, der Aidan wesentlich bei dem Import der Hunde und der Ausbildung der Reiter geholfen hatte. Noch niemals hatten die Hunde in dieser Konstellation zusammengejagt, so dass die Spannung groß war, ob den Gästen auch eine gute Jagd geboten werden konnte.
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Aidan O’Connell fungierte selbst als Jagdherr und führte damit ungewohnte irische Sitten ein. Wer eine Ansprache und eine kurze Einführung in die Regeln der Schleppjagd erwartete, wurde enttäuscht, denn Aidan wünschte allen Reitern lediglich kurz „a good hunt“. Die Dänen ritten also dänisch, die Amerikaner amerikanisch und die Iren irisch. Die Hunde schien es nicht zu stören, denn es ging in rasendem Tempo und ungeheurem Geläut auf den Weg.
Sechs anspruchsvolle Schleppen waren vorbereitet worden. Schnell ordneten sich die Felder. Während die Deutschen, Belgier, Dänen und Tschechen kein Problem hatten, das Tempo der Schleppjagd aufzunehmen, reagierten die Angelsachsen verunsichert auf die höllische Geschwindigkeit des großen Packs. Es dauerte einige Lines, bis die ersten Iren hinter den Hunden auftauchten, offensichtlich verwechselten sie nun die Schleppjagd mit einem Point to Point. Ein Teil der Equipage war jedenfalls damit beschäftigt, die Hunde vor dem einen oder anderen wilden Iren zu schützen. Nach hinten Chaos und vorne reine Freude, die Hunde nämlich ergänzten sich prächtig und präsentierten allen Gästen ein phantastisches Schauspiel.
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Laut, schnell und ehrgeizig. Selten zuvor wurde ein solches Pack gesehen. Ermöglich wurde dieses durch drei Master, die sich allesamt dem sportlichen Ziel unterordneten und so eine perfekte Harmonie und Symbiose unter den Hunden herbeiführten. Zudem schien auf jedem Hügel ein Bläser verteilt worden zu sein, so dass an diesem Donnerstag eine wunderbare Stimmung aufkam. Besser konnte den Gästen das Wesen und der Reiz einer Schleppjagd nicht vorgeführt werden. A perfect show and a good hunt, urteilten die internationalen Gäste am Ende und zeigten sich von den Ansprüchen der Schleppjagd stark beeindruckt. Insbesondere das hohe Tempo war für die Angelsachsen und Amerikaner eine echte Herausforderung.
Jedenfalls hörte man am Abend von den reitenden internationalen Gästen keine abfälligen Bemerkungen über die Schleppjagd mehr sondern bemerkte stattdessen einen gewissen Respekt für unsere Art des Jagens.
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Im roten Frack und Abendkleid wurde bis tief in die Nacht gefeiert. Jeder überreichte Jedem eine Jagdeinladung und am Ende rückte die Welt des Jagdreitens wieder ein Stück näher zusammen.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass an diesem Tag drei Meuten wunderbar zusammenarbeiteten, der HSJV und die Familie Rabeler einen perfekten Rahmen boten und wir uns mit unserer Art des Jagdreitens nicht verstecken müssen.

Text: Eugen Klein
Fotos: Thomas IX