Wie das Leben so spielt: erst waren es die Pferde, die Wulf Otto als kleines Kind aus Schlesien Richtung Westen brachten, dann lockten sie ihn vor 41 Jahren in Hessen zu seiner Frau Anneliese, schließlich zum Jagdreiten und von dort in ein ganz neues Berufs-Feld. Seit vier Jahren ist Wulf Otto Präsident der Taunus-Meute. Heute, am 15. Februar, wird er 70 und die Pferde sind immer noch ein wichtiger Teil seines Lebens.
Ende Januar 1945 schirrten die Eltern den Treck vom Rittergut Birkenhöhe bei Breslau an. Der Brand von Dresden steht dem damals Vierjährigen heute noch vor Augen. Flüchtlings-Leben und Weiterzug bis in die Pfalz, wo die Eltern sich einen Gemüsebetrieb neu aufbauten. Die praktischen Erfahrungen dort mündeten schließlich in ein Agrar-Ingenieur-Studium.
Als Geschäftsführer eines großen Betriebes im Dillkreis sah er sich umgeben von Legehennen, Schweinen und Forellen. Aber er hatte die Pferde nicht vergessen. Im Reiterverein Herborn wollte er endlich reiten lernen. Dabei sind ihm dann auch Anneliese und Tamara begegnet. Tamara war sein erstes Turnierpferd, Anneliese wurde 1971 seine Frau. Seit 1971 züchten sie gemeinsam. Dreizehn Hessenfohlen und dann eine große Anzahl Trakehnerfohlen mit hohen Auszeichnungen auf Zuchtschauen sind dabei entstanden. Trakehner aus der Zucht in Herborn-Burg sind nach Kanada und in die Schweiz gelangt, u. a. zur Olympiasiegerin und Weltmeisterin Christine Stückelberger.
1972 der erste Start von Wulf Otto mit Tamara in einer Vielseitigkeitsprüfung, dann viele Erfolge bis zur langen L-Vielseitigkeit, Dressur und Springen bis Kl. L-M, teils auf den selbst gezüchteten Trakehnern. 1983 war er Kreismeister Lahn-Dill - Vielseitigkeit, ein Jahr später Vize-Hessenmeister. Da war er schon lange Mitorganisator des großen Turniers von Herborn, wo die Taunus-Meute vor dem Großen Preis das Schaubild gab.
Seit 1971 waren Wulf und Anneliese gemeinsam hinter den Hunden der Taunusmeute unterwegs. Zwei Jahre später unterzeichneten sie den Mitgliedsantrag. Ihr Pate damals war Josef Pracht. Zu der Zeit musste man für die Mitgliedschaft in der Taunusmeute noch von einem Paten vorgeschlagen werden und zwei Jahre „zur Probe“ reiten. Drum prüfe, wer sich ewig bindet… Nicht zu unrecht: vier Jahre, von 1992 bis 96, Vize-Mastership, seit 2007 die Präsidentschaft im Verein. Und aus der Taunus-Meute heraus kam dann auch die berufliche Kehrtwende aus der Landwirtschaft. Otto wurde bei Möbel-Franz in Haiger zuständig für die Beschickung der Möbelhäuser in ganz Deutschland. Der „Möbel“ Franz war privat Jagdreiterfreund Eberhard und ebenfalls Mitglied der Taunus-Meute. Aus leitender Funktion in einer Versicherung begann dann 2003 der (Un)-Ruhestand für Wulf Otto.
Die Turnierpferde des Stall Otto gingen über viele Jahre zum Saisonabschluss noch etliche Jagden hinter der Taunusmeute. Die ganz besonderen Jagdpferde sind Ragusa, das Hessen-Meister-Pferd und nach Ende der Turnier-Karriere bis zu ihrem 23. Jahr noch Jagdpferd. Sie wurde 28 Jahre alt. Korduca ist jetzt 22 und noch aktiv, erst als Schleppenleger-Pferd unter Wulf, heute als Pikörpferd mit seiner Frau. Der Jubilar favorisiert inzwischen die Fuchsfarbe und ist mit Kaskade („Kessy“) unterwegs.
Drei Würfe Foxhounds sind auf Anneliese Ottos elterlichem Anwesen in Burg zur Welt gekommen. Von Dragan und anderen Stars der Nibelungen-Festspiele in Worms, die dann heiß geliebte Privathunde geworden sind, ist hier berichtet worden, und das Schicksal von Isa - Wulf Ottos „Patenhund“ - hat die Leser von Schleppjagd24 und auch des englischen „Baily’s“ bewegt. „Wir haben von vielen fremden Menschen dazu Post bekommen.“
Und - nicht als ob das unwichtig wäre: zwei Kinder sind in diesem an Pferden reichen Leben auch noch geboren. Den drei Enkelsöhnen von Sohn und Tochter ist Otto begeisterter „full time Opa“.
Ämter, Ehrungen und Verdienstnadeln kann der Jubilar zuhauf vorweisen. Und beinahe wäre er auch noch Olympia-Event-Manager geworden. Für die Olympia-Bewerbung von Frankfurt und Wiesbaden war der Raum Herborn als Austragungsstätte für die Vielseitigkeit im Gespräch gewesen und Otto lotete dafür die Möglichkeiten aus. Aus Olympia 2012 in Franfurt ist bekanntlich London geworden und dementsprechend sind auch seine Pläne Makulatur.
Die „kleine Schwester“ – zwei Jahre jünger – ist als Überraschungsgast aus Kanada eingeschwebt. „Richtig groß“ gefeiert wird im Sommer, wenn das Wetter beständiger ist. Spätestens seitdem sehr viele der Festgäste zum 50. Geburtstag auf der verschneiten Autobahn steckengeblieben sind und ihre gebuchten Hotelbetten anderen Gestrandeten zugute kamen, hat diese Termin-Verbiegung bei Ottos Tradition. Aber die Queen von England macht das schließlich auch nicht anders. PS