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Grande Dame Erika Andersen

Sie war siebzehn und noch Schülerin als sie die Mitgliedschaft im Hamburger Schleppjagdverein beantragt hat. Im August 1938 war das, und Erika Andersen ist 72 Jahre Mitglied in Deutschlands ältestem Schleppjagdverein - die einzige noch lebende Zeitzeugin der Vorkriegsjahre. Heute wird sie 90.

 

 1938 wurde noch die „Nazi-Erklärung“ gefordert. („Ich erkläre, dass ich meine deutschblütige oder artverwandte Abstammung jederzeit nachweisen kann und nicht einer Loge, logenähnlichen Organisation oder der Ersatzorganisation einer solchen angehört habe.“) Erika Andersens „Abstammung“ ist eindeutig. Sie ist in Hamburg geboren und dort zu Hause geblieben, sogar in der gleichen Straße wie vor dem Krieg. Die Eltern waren passionierte Reiter und haben diese Leidenschaft der Tochter vererbt. Als Zehnjährige begann sie mit Voltigieren und erhielt Reitunterricht im Uhlenhorster Reiterverein, wo auch Hans Giele groß geworden ist. Der heutige Ehrenmaster des HSJV kam allerdings erst zehn Jahre nach Erika Andersen zu den Schleppjägern. Da hatte sie bereits als Remontereiterin an der Wehrkreis-Reit- und Fahrschule Soltau gedient und erste Erfolge mit verschiedenen, niemals eigenen Pferden in der Dressur, im Springen und in der Vielseitigkeit. 1951 gewann sie den HSJV-Geländeritt am Kennel am Wiemerskamp mit Draufgänger.

1958 glänzte sie mit der achtjährigen braunen Stute Fachwelt in Luhmühlen. Die beiden wurden siebte in der Stubbendorf-Vielseitigkeit, nach fehlerfreiem Ritt im Gelände.

 

Gewonnen hat die Prüfung Reiner Klimke, damals 21 und Jura-Student. Vierter war Fritz Ligges. Mit Fachwelt gewann Erika Andersen auf dem Turnier auch die L-Dressur und eine Abteilung der Eignungsprüfung für Jagdpferde. Diese Eignungsprüfung testete Gebäude, Gang und Temperament, ferner das Verhalten des Pferdes im Feld, in der Gesellschaft anderer Pferde und am Sprung. Gerichtet wurde in zwei Gruppen: Pferde aus der Landwirtschaft in der ersten, alle anderen in der zweiten Gruppe. Zum Abschluss ging es in vollem Jagdgalopp hinter einem Master („der jugendliche Reiter G.W. Rüter“, berichteten die Zeitungen) durch das Feld. Andersen erhielt als beste Reiterin in beiden Abteilungen noch einen Sonderehrenpreis. Luhmühlen 1958 bot auch eine Vor-Military als Olympia-Vorbereitung für Rom. Hinter dem Sieger August Lütke-Westhues stand als Vierter ein weiterer Schleppjäger aus Hamburg: Fritz von Blottnitz.

Damenjagd 1961: Die Brüche übrreicht Dr. Ernst Schaper, Vater des heutigen HSJV-Präsidenten 

Über viele Jahre war Erika Andersen im Jagdfeld aktiv. Dazu in den 50er und 60er Jahren auf allen norddeutschen Turnierplätzen in allen Disziplinen -  ganz besonders erfolgreich mit Felix im Springen. In den 60er Jahren verlegte sie sich auf den Reitsport-Journalismus und saß am Richtertisch, ganz besonders häufig bei Vielseitigkeitsprüfungen. Dort war sie auch international im Einsatz. Dem Jagdreiten bleibt sie bis heute verbunden.
ps und HSJV-Archiv