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Ernst von SCHWERDTNER

Fünfzehn Kilometer vom elterlichen Gut in Großendorf in Pommern entfernt lagen die Sommerweiden für die Jungpferde. Auf dieser Strecke hat Ernst von Schwerdter als Kind mit seinem Pony erste Reiterfahrungen im Gelände gesammelt, und diese Faszination hat ihn bis heute nicht losgelassen seit er mit elf Jahren als Ältester von sechs Geschwistern die Flucht antreten musste. Seit mehr als dreißig Jahren ist er engagierter Jagdreiter, davon sechzehn Jahre als Master der Vogelsberg-Meute. Seit 1994 ist er dort Ehrenmaster und zwar alles andere als passiv. Mit seinen drei Jagdpferden hat er in der Saison 2007 in der Equipage die meisten Jagden bestritten. Wenn er selbst nicht im Grünen Rock der VM unterwegs ist, dann macht er die Equipage beritten. Oder er reitet zwischen Usedom und Bayern hinter anderen Meuten. Dazu sattelt er die beiden letzten Jagdpferde seines verstorbenen Freundes Klaus Tessmann, den Fuchs Godell und den Schimmel Griselle. Ohne viel Aufhebens hat er der Familie Tessmann in Ahlden den Abschied leicht gemacht als Deutschlands bekanntester reitende Jagdhorn-Bläser nach schwerer Krankheit gestorben war. Das bekannteste Pferd von Schwerdtners ist der Schimmel Teddy gewesen, ein Masterpferd wie aus dem Bilderbuch.

 

 

Ernst von Schwerdtner

Erstes Ziel der Familie von Schwerdtner nach der Flucht aus Pommern war Wendischbora in Sachsen. Hier wurde Ernst schwer krank und in ein Sanatorium in Niedersachsen verlegt. Glück im Unglück: die ganze Familie durfte mit ihm ausreisen. Über lange Zeit blieben Pferde für den entwurzelten von Schwerdtner „eine Utopie“, aber wenigstens zur Landwirtschaft fand er zunächst zurück über ein Studium und später Anstellungen bei der DLG in Frankfurt und im hessischen Landwirtschaftsministerium. Seine Frau Gabriele Jeimke-Karge, die er in Kappeln an der Schlei geheiratet hat, teilte die geheimen Träume, und plötzlich waren die Pferde wieder da. Ein Jahr nach der Geburt von Sohn Achaz wurde 1967 der Rosenhof in Oberissigheim bei Bruchköbel gefunden, renoviert, ausgebaut. Heute stehen dort 40 Pferde und Ponys und erfreuen Ferienkinder. Nach seiner Pensionierung ist Ernst von Schwerdtner dort für die Organisation vor allem der Futterbeschaffung zuständig und hilft seiner Tochter Alice Knop-von Schwerdter, die den Rosenhof nach dem Tod ihrer Mutter 2002 übernommen hat. Alice hat die Leidenschaft des Vaters für schnelles Galoppieren geerbt und war lange im Vielseitigkeitssport aktiv.

Über befreundete Reiter kam von Schwerdter zur Vogelsberg-Meute. Die stand vor der Auflösung als der damalige Master, der die Beagles als Privatmeute führte, plötzlich starb. „Verkauf ans Labor kam nicht in Frage“, stand für von Schwerdtner fest. Nachdem die bisherige Equipage ihre weitere Unterstützung zugesagt hatte, forcierte er mit seinen Freunden die Umwandlung in einen Verein. Neben der Vogelsberg-Meute engagiert sich von Schwerdtner auch im Jagd-Club-Hofgut-Hauenstein bei Aschaffenburg, den er mit begründet hat und seit zwanzig Jahren als Vorsitzender führt. Dafür hat er den Vorsitz über den Reiterbund des Main-Kinzig-Kreis aufgegeben: 5000 Mitglieder in 50 Vereinen. Alle seine Ehrenämter in der Reiterei stehen unter dem Gebot eines gutnachbarlichen Verhältnisses und ohne Konkurrenzansprüche, dafür mit der unumstößlichen Forderung nach Reiten in der freien Natur, nach Jugendarbeit und ohne elitäres Denken. „Alle Turnierreiter in Hauenstein müssen auch im Gelände starten“, betont von Schwerdtner. Kein unzumutbares Opfer, denn das Gelände ist erstklassig.

Am 3. Juni wird Ernst von Schwerdtner 75 Jahre alt, und für den ersten Herbst nach seiner schweren Herzoperation im vorigen Winter hat er große Pläne. „Dann geht es wieder los“, kündigt er an. Nicht zuletzt bei einer großen Einladungsjagd im Oktober anlässlich des runden Geburtstags.

Ernst von Schwerdtner und Klaus Tessmann

 


 



 

TEXT: Petra Schlemm

FOTOS: Eigen