Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und dabei das Nutzererlebnis zu verbessern. Mit der Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Mehr Informationen

"Maddins Tag" im hessischen Wetter 

 

 

Bodenständig kann manMartin Kessler nennen. Vor 50 Jahren geboren als zweites von sechs Kindern, Maurerlehre und jetzt als Baumaschinenführer seit mittlerweile 27 Jahren in der selben Firma beschäftigt. In Wetter lebt er. „Da krieg ich ihn auch nicht weg“, klagt seine Partnerin Julia Läßig gar nicht sehr unfroh. („Und eigentlich ist das auch gut so.“)  Der Reitverein Wetter hat dieses Jahr 35jähriges Jubiläum. Vor zehn Jahren fand die letzte Meutejagd dort statt.

Das Interesse an Pferden ist fast so alt wie Kessler selbst. Als Kind war er regelmäßiger Gast bei einer Wanderreitstation im Burgwald bei Wetter, wo man sich für 10 Mark ein Pony ausleihen konnte.  Und bei aller Bodenständigkeit: Die Pferde treiben ihn um, den Eugen Klein (Isernhagen) mal den „Robert Redford der Böhmer Harrier“ genannt hat.  Nach Ehescheidung hat er den Erlös aus dem Verkauf des bis dahin gemeinsamen Hauses in ein Pferd, ein Auto und einen Anhänger investiert. Seine Tochter hat den Pferdevirus geerbt. Sie reitet zwar lieber Turnier als Jagd - bei der Geburtstagsjagd wird sie aber die Schleppe begleiten. 2011 hat Kessler die 100 Jagden hinter der Taunusmeute voll gemacht.  Jeweils bis zum Saison-Abschluß der Taunusmeute reitet er vornehmlich dort. Danach werden die Pferde verladen und es wird im Norden weitergeritten - meist hinter den Harriern. Manchmal hinter den Niedersachsen. 



Außerhalb der Jagdsaison geht es flott weiter bei Amateur-Rennen: Duhner Wattrennen (Foto: Svea Winter), Stover Rennen, Trakehner Rennen oder Pont to Point bei den Hamburgern. Als Kontrastprogramm (?) ist Kessler auch Mitglied bei der Reitsportgruppe Rosshof - die eigentlich als die reitende Außenstelle der Mainzer Jocusgarde gegründet wurde. Er reitet den "Fassenachtsumzug" mit und in der Zeit herrscht Ausnahmezustand. („In Rhein/Main heißt das nicht Karneval, sondern "Fassenacht". Ein Foto von Martin in Uniform anbei, schreib bloß nicht "Kostüm" - das mögen die da nicht so....“)

 

 


Vollends verrückt wird es beim „Grenzegang“ in Wetter. Das ist ein Brauch aus dem Mittelalter, der jeweils zwei Tage in Anspruch nimmt. Aber das Fest drum herum dauert eine ganze Woche. Vermutlich wird Grenzegang daher nur aller sieben Jahre veranstaltet. Im Mittelpunkt des Festes steht ein Theaterstück - aufgeführt  mit Pferden, und demnach auch mit „Maddin“. Bei der jüngsten Aufführung war er der "Fliehende Reiter“. Sein Text war kurz aber inhaltsschwer: "Flieht, flieht, alles ist verloren! Sie brennen und sie morden!" Aber von dem Szenenapplaus träumt er heute noch, wenn er mit dem Pferd den Marktplatz hoch galoppierte, mitten durch die Nacht, von einem einzelnen Lichtkegel angestrahlt.

 

 

Das nächste Grenzegangfest ist 2015 und Martin will wieder den fliehenden Reiter geben. Wer ihn aber live erleben will, muss ja nicht ganz so lange warten, er kann gern auch die Geburtstagsjagd mitreiten. Stelldichein am 27. Oktober, Samstag, um 13 Uhr.
Text: PS/ Julia Läßig (auch Fotos)