| Ein General-Experte des Reitsports, Pferdezüchter par excellence und Grandseigneur im Roten Rock – das ist Fritz von Blottnitz, geboren im Oktober 1939, aufgewachsen auf dem seit 300 Jahren in der Familie befindlichen Untergut Grabow bei Lüchow im Wendland. |
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Fritz von Blottnitz
„Jagdreiten ist Party zu Pferd“, findet er, der gerne stilvolle Feste feiert. „Hunde und der Jagdgedanke bestimmen das Wesen der Schleppjagd, auch wenn man die Hunde nicht an jeder Stelle im Jagdfeld im Blick hat.“ Fröhliches, aufgeschlossenes Miteinander mit Gleichgesinnten lockt, auch vor und gerade nach dem Ritt. „Man hat Spaß miteinander und das in einem sportlichen Umfeld.“ Sprünge sind auch wichtig – „man will ja was geleistet haben“ – aber sie sind „nicht das Wichtigste überhaupt“.
Hohe Sprünge sind ihm nicht fremd. Schon in jungen Jahren war er international erfolgreicher Spring- und Vielseitigkeitsreiter bis zur Klasse S mit Siegen u.a. 1959 im Großen Preis von Rendsburg (Springen) und in Nörten-Hardenberg (Vielseitigkeit). Vierter in Luhmühlen, Sieger in vielen Prüfungen, die damals noch „Vormilitary“ hießen und auch durchaus Martialisches an sich hatten. „Lieber tot als zweiter“ war damals eine ganz unbefangen benutzte Redewendung.
Heute ist er als Richter im Einsatz bis zu 3*-Prüfungen, hat unter anderem die EM der Junioren und Jungen Reiter in Bonn-Rodderberg gerichtet und eine Pony-EM in Luhmühlen, für die Senioren Achselschwang, den Donau-Alpen-Pokal, seit vielen Jahren Luhmühlen. Vor allem in Geländepferdeprüfungen bis hin zum Bundeschampionat und im Ausland wird sein Urteil geschätzt. |
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Fritz von Blottnitz - Hohe Sprünge sind ihm nicht fremd.
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Die ersten Jagden hat er direkt nach dem Krieg geritten als die Niedersachsenmeute neu gegründet wurde. „Aber wenn man gleichzeitig die rote und die grüne Jagd mit Leidenschaft betreibt, dann leidet zumeist der Betrieb darunter. Und das wollte ich nicht.“ Außerdem hielt das Leben, zumal im Wendland, auch noch andere Herausforderungen als im Sattel bereit. Im Rahmen der Anti-Atomkraft-Bewegung und der Auseinandersetzungen wegen der Castor-Transporte wurde der Landwirt zum aktiven Widerstandskämpfer. Die Geldstrafe, die ihm auferlegt wurde, weil er mit seinem Traktor eine Baustellenzufahrt versperrte, war gering im Vergleich mit dem Bedürfnis, seine angestammte Heimat vor Bedrohung zu schützen. „Es dauert lange bis Bauern aufstehen, aber wenn sie es tun, dann hat es immer eine gesellschaftlichen Umbruch gegeben“, hat er einmal gegenüber dem „Spiegel“ formuliert. Seine Frau Undine gründete die „Bäuerliche Notgemeinschaft“, vertrat in zwei Wahlperioden die Grünen im Europaparlament. 2001 starb sie an Krebs. Ihr Mann ist der Politik weiter verbunden, sitzt für die UWG im Stadtrat von Lüchow. Seit zwanzig Jahren ist v.Blottnitz der Schleppjagd wieder sehr engagiert nahe gekommen. Auslöser war eine Veranstaltung in Sahrendorf, wo er als Vielseitigkeitsrichter geladen war. Carlo Rabeler und seine Mitarbeiter haben ihn wieder auf den Geschmack gebracht und ihm dann auch zur Jagd ein Pferd zur Verfügung gestellt. Zwei Erkenntnisse sind ihm aus diesem Ritt verblieben. „Ich muss mir wieder ein Jagdpferd machen und ich will den Hamburgern eine Jagd ausrichten.“ Seine Jagd in Grabow gilt heute als eine der anspruchsvollsten im Kalender des Hamburger Schleppjagdvereins und beritten ist von Blottnitz da tatsächlich fast immer mit „selbstgemachten“ Pferden. Die Auswahl dazu findet er auf dem eigenen Betrieb, wo immer jeweils fünf Mutterstuten gehalten werden. Mit deren Nachzucht und einigen Einstallern weiden zur Zeit rund 20 Pferde in Grabow. Und Erfolg hat von Blottnitz auch mit seiner Zucht: zweimal wurde er für die beste Stutenfamilie im Bezirk Lüneburg ausgezeichnet. Viele seiner Jagd- und Vielseitigkeitspferde gehen auf den Vollblüter Heraldik xx zurück. Oder auf die Stute Amsel, mit der er ganz zu Anfang seiner Reitkarriere erfolgreich gewesen ist. „Wenn die noch nicht durch war, haben die anderen immer noch gezittert.“ 500 Mark und ein Fuder Heu hat dieses Pferd damals gekostet, investiert vom Verwalter. Unter fremder Leitung hat das Untergut gestanden seit der Vater im Krieg gefallen war und bis von Blottnitz sein Studium als Diplom-Volkswirt abgeschlossen hat. 2006 hat er die Leitung des Betriebes an seine Tochter Imai abgegeben und ist seither noch mehr unterwegs als früher, als Zuchtrichter in der ganzen Welt, zuletzt in Australien, demnächst wieder in USA und Kanada.
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Einladende Sprünge, pferdegerechte Streckenführung und ein stimmungsvolles Ambiente bestimmen eine gelungene Jagd. „Menge und Länge machen es nicht“, weiß von Blottnitz heute. Da steht er eher auf „kurz und knackig“. Das heißt in Zahlen: 15 bis 18 Kilometer mit 5 oder 6 Schleppen, um 25 Hindernisse. In Grabow bei seiner Jagd kann man das erleben (2.November 2008). in Grabow. „Ein gutes Jagdpferd kann man nicht fertig kaufen, das muss man sich machen“, weiß der erfahrene Pferdemann, der sein allergrößtes Jagderlebnis einer vierjährigen Stute aus eigener Zucht zu verdanken hat. „Vor etwa zehn Jahren in Hösseringen bei einer Veranstaltung von Hans Giele. Das war recht kupiertes Gelände, eine Wiesenschleppe mit mehreren Hecken auf gerader Strecke. Bestimmt 1,50 Meter hoch. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mit dem jungen Pferd nur die ersten beiden Schleppen vorn zu reiten und dann ins zweite Feld zu wechseln. Dabei habe ich aber irgendwie den Zeitpunkt verpasst und musste mit dem ersten Feld mit. Mein unerfahrenes Pferd kannte ja kein Durchwischen und ist alle Hecken ohne irgendwelche Schwierigkeiten oben drüber gesprungen. Geflogen geradezu, und ich habe nur die Höhenluft genossen. Das war so grandios! Wahnsinn!“ Keine Frage, dass diese Stute ihn einige Jahre als Jagdpferd begleitet hat und auch ein erfolgreiches Vielseitigkeitspferd geworden ist.
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Ohne die LPO der Turnierreiter im Rücken geht es im unreglementierten Jagdsport um selbstkritisch erfühlte Leistungsklassen. „Hierarchien entwickeln sich bei der Jagd aus der Situation heraus.“ Nicht aus angestammten Erbhöfen, Namen oder Portemonnaies heraus. Im ersten Feld einer anspruchsvollen Jagd reiten „nur die, die es auch bringen“. Das müssen nicht immer die gleichen sein. Tagesform und Trainingszustand entscheiden, beim Pferd und auch beim Reiter. Im zweiten Feld wird grundsätzlich nicht gesprungen. „Das ist eine schreckliche Ungehörigkeit gegenüber den Mitreitern.“ (So etwas ist v.Blottnitz in jedem Zusammenhang ganz greulich zuwider, und einige mögen sich erinnern an ein „Donnerwetter“ von ihm vor einigen Jahren in Sudermühlen, als er auch hohe Würdenträger im Roten Rock an Stil und Form und angemessenes reiterliches Benehmen erinnert hat.) Reiter im dritten Feld erleben einen Spazierritt in erhöhtem Tempo. Der Freude am gesellschaftlichen Teil tut das keinen Abbruch. Der adelige Wende von Blottnitz hält es da ganz mit den Preußen unter seinen Vorfahren: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.“
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TEXT: Petra Schlemm FOTOS: Privat |