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Sigrid v.Loesch 1920 - 2015

Der Meutehof in Dorfmark ist jetzt verändert. Die Niedersachsen-Meute trauert um die Mitbegründerin Sigrid von Loesch, die am 11. September an den Folgen eines Schlaganfalls verstarb. Sie wurde 94 Jahre alt, war immer fast unsichtbar im Hintergrund und doch unmerklich ein Zentrum.

Annähernd 500 Trauergäste sind dem Sarg auf der von einem Schimmelgespann gezogenen Beerdigungskutsche gefolgt, in tiefem Schweigen von der Kirche in Dorfmark zum Friedhof. Danach waren alle zu Sherry in Haus und Garten geladen. Diesen Abschied hatte Sigrid von Loesch noch testamentarisch verfügt. Die Feierlichkeiten zu ihrer Beisetzung spiegelten die Persönlichkeit der Verstorbenen und was sie ihrer großen Familie und der ganzen Niedersachsen-Meute bedeutet hat. Auch die Mitglieder dieses größten Schleppjagdvereins Deutschlands betrachtete sie als ihre Familie – die Hunde und die Pferde sowieso.
Engagiert  hat sie ihren Mann, den Rittmeister Christian von Loesch, bei der Gründung der Meute als seinem Lebenswerk in Dorfmark unterstützt. Sie ritt wohl dreißig Jahre als Pikör und Schleppenleger, versorgte die Hunde, die Pferde, nachdem sich die Familie nach der Flucht aus Schlesien in Niedersachsen wiedergefunden hatte. Mit Kind und Zuchtstuten mit Fohlen, begleitet vom Kutscher, hatte sie sich auf den langen Weg gemacht. Geboren als Sigrid v. Prittwitz aus dem Hause Mühnitz nahe Breslau war ihr nichts zuviel in dem neuen Leben, das sich schließlich auf dem kleinen Hof in Dorfmark entfaltete. Sie war bereits über 80 als sie das Reiten ganz aufgegeben hat. Reitunterricht hat sie noch mit 90 erteilt. Es ist ihr wichtig gewesen, dass die vier Töchter Reiter geheiratet haben und dass die Schwiegersöhne Camill v. Dungern und Egbert v. Schultzendorff den Meutebetrieb ihres Mannes weiterführten. Das Allerwichtigste sind ihr jedoch immer die 19 Enkel und schließlich auch die inzwischen 25 Urenkel gewesen. Die Enkel haben denn auch weitgehend den Abschied ihrer Großmutter gestaltet, und nichts hatte sie stolzer gemacht als die Tatsache, dass mittlerweile auch viele der Enkel aktiv die Hunde führen, denen ihr Mann alles untergeordnet hat.
Es sei nicht der Glanz vergangener Zeiten gewesen, der sie zum Strahlen brachte sondern die Größe, die sie sich aus Flucht und dem Verlust von allem Gewohnten erarbeitet habe, fasste der Pfarrer bei ihrer Trauerfeier zusammen. Mit Pfarrer Rathjens aus der Nachbargemeinde verband sie über Jahrzehnte eine Freundschaft über gemeinsamer Bibelarbeit. „Sie teilte den christlichen Glauben, die Heimatliebe zu Schlesien und die preußischen Wertvorstellungen ihres Mannes,“ fasste Thomas Röpke, langjähriger Vorsitzender der  Niedersachsen-Meute zusammen. „Ich hatte das Glück, sie auf zwei Johanniterreisen nach Schlesien fahren zu können. Es war sehr eindrucksvoll, mit wie viel Achtung und Wertschätzung sie dort empfangen wurde.“ In Dorfmark war das nicht anders. Bis zuletzt waren Vereins-Termine wie die Jugendwoche oder die Jagdreitertage für sie Verpflichtungen bei denen sie jedem mit großer persönlicher Anteilnahme und Fürsorge begegnete. Kein Zweifel: Ihr Fehlen wird spürbar sein.
Text und Foto: Petra Schlemm