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| Klaus Tessmann tot
„Herrlich!“ Das hört man oft, wenn Jagdreiter hoch zu Ross und hinter Hunden unterwegs sind. Aber keiner brachte dieses Adjektiv so begeistert zum Schwingen wie Klaus Tessmann. „Hiääärlich!!“ – aus vollem Herzen und in norddeutscher Klangfärbung stieß er es mit ganzer Lebensfreude hervor, und dann dauerte es meistens nicht mehr lange bis er seiner Lust am Leben auch über die Trompe Laut gab. Klaus Tessmann war der wohl bekannteste reitende Jagdhornbläser Deutschlands. Als Reiter am Hindernis immer vorneweg und als Musiker von nicht oft erreichter Klasse. Die Klänge aus seinem eleganten glänzenden großen Horn rundeten einen Jagdtag erst richtig ab, waren die musikalische Klammer in D-Dur, die den Dreiklang aus Hunden und Pferden und Natur vollkommen erschallen lässt.
Der lebenslustige, die Trompe blasende Reiter und Pferdemann Klaus Tessmann war ein gar nicht kühles Nordlicht, dessen Kerze immer an zwei Seiten brannte. Vor 61 Jahren in Hamburg geboren, hat er dort auch seine Frau Anne-Gret kennen gelernt. Fast 40 Jahre waren sie verheiratet. Ohne eigene Kinder haben Klaus und Anne Tessmann ihr Haus geöffnet für zwanzig Pfleglinge, von denen ihnen fünf zu einer „richtigen Familie“ geworden sind. Mit seiner Frau und diesen inzwischen erwachsenen Schützlingen lebte Tessmann seine anspruchsvolle musikalische Leidenschaft aus, die ihn ergriffen hat als er 1979 zum ersten Mal auf einer Jagd hinter der Niedersachsenmeute in Düshorn die französische Jagdhornmusik in D-Dur gehört hat. Der Fliesenleger beschloss dieses Instrument zu erlernen und fortan sah man ihn nur selten ohne seine geliebte Trompe. Zwei Meister lehrten ihn und die Erfolge sind hörenswert. Marion Rieke und Tessmanns Sohn Dieter blasen in der international höchsten Kategorie 1. Mit seinem Sohn Georges ist Klaus selbst in Klasse drei eingestuft und Anne spielt mit den Töchtern Heike und Heidi ebenfalls mit Qualifikation. Auch ohne ein selbstgezogenes Pferd traf man den Lebenskünstler nur selten. Grundstock der eigenen Zucht ist ein Fohlen gewesen, das ihm als Tombola-Gewinn zugefallen war. Inzwischen kann er einen gekörten Hengst mit hannoverschem Brand aus seinem Stall in Ahlden vorweisen und alle seine Zuchtprodukte haben sich unter ihm oder einem Familienmitglied im Jagdfeld bewährt. Jagdreiten und Musik als Lebensinhalt. Wenn nicht als Ofensetzer und Restaurateur antiker Öfen in ganz Europa unterwegs, dann war Tessmann zu finden bei Pferden und hinter einer Meute. Am Anfang im Rock der Niedersachsen-Meute in Dorfmark und später im prächtigen historisch geprägten Tenue der „Rallye Trompes de la Bruyère“, die er 1989 gegründet hat. Allein oder mit anderen Bläsern seiner Gruppe ist er geritten hinter fast allen Meuten Deutschlands. Die Geiseltal-Beagle Meute hat ihn zu ihrem Ehrenpikör gemacht. Mit ihnen ist er kurz vor Ostern noch einmal auf Usedom geritten und hat geblasen. Dann begann seine lange Leidenszeit, die er tapfer und im Kreis seiner Familie und vieler Freunde ertragen hat.
So wird es nicht so bald wieder klingen ohne Klaus Tessmann.
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| Fotos: Jacques Toffi |